Ein neuer Bericht von Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt wie China seinen Einfluss auf Medien und Debatten weltweit immer weiter ausbaut. Staatliche Medien schließen Kooperationen mit ausländischen Redaktionen, Journalist*innen werden zu bezahlten Reisen eingeladen und immer häufiger zeigen Influencer*innen Bilder von einem fortschrittlichen China, in dem es keine Probleme gibt. Auch Deutschland ist Ziel dieser Strategie. Peking versucht so, sein autoritäres Medienmodell auf der ganzen Welt zu etablieren und unabhängigen Journalismus zurückzudrängen und zu diskreditieren.
Der „Propaganda Monitor China“ zeigt die Strategien des Landes auf, die sich auf allen fünf Kontinenten wiederfinden, und welche Rolle Chatbots dabei spielen. Seit Präsident Xi Jinping im Jahr 2013 an die Macht kam, hat er den staatlichen Einfluss auf Medien und Journalist*innen in China massiv verschärft – und gleichzeitig versucht, die Berichterstattung anderer Länder über China systematisch zu steuern.
Diese Publikation ist der zweite Teil eines internationalen RSF-Rechercheprojekts über Propaganda als Teil der geopolitischen Meinungsbildung. Die erste Ausgabe des Propaganda Monitors untersuchte Russland und erschien im Herbst 2025.
Auch Deutschland spielt in dem Bericht eine Rolle: Chinesische Staatsmedien haben in den vergangenen Jahren Kooperationen mit deutschen Medien aufgebaut, über die staatlich produzierte Inhalte ein deutsches Publikum erreichen. Der Bericht untersucht unter anderem sogenannte Content-Sharing-Vereinbarungen, bei denen Inhalte chinesischer Staatsmedien über etablierte deutsche Medien verbreitet werden und dadurch den Anschein unabhängiger journalistischer Berichterstattung erhalten können. Deutschland dient dabei als eines von vielen Fallbeispielen.
Auch andere EU-Länder machen ähnliche Erfahrungen: So werden in Tschechien von chinesischen Staatsmedien produzierte Programme in kommerziellen Radiosendern ausgestrahlt. In der Slowakei verbreiten insbesondere Desinformationsportale das Narrativ der chinesischen Botschaft. In Dänemark wiederum versuchte die chinesische Botschaft, mit Briefen und Social-Media-Kampagnen die Zeitung Berlingske zu diskreditieren. Diese Beispiele zeigen, welche unterschiedlichen Methoden China anwendet: Sie reichen von Kooperation und der Bereitstellung fertiger Inhalte bis hin zu direktem Druck auf unabhängige Medien.
„China will längst nicht mehr nur kontrollieren, was die eigene Bevölkerung über seine Regierung erfährt, sondern auch mitbestimmen, welches Bild von China wir in Deutschland und Europa sehen“, sagt Sören Kittel, Pressereferent für Asien und Pazifik bei RSF. „Die eigenen Staatsmedien stellen dabei eines von vielen Mitteln dar, mit denen China sein Narrativ verbreitet. In China selbst berichten Korrespondent*innen von Einschüchterungen und im Ausland helfen etablierte Medien und Influencer*innen, um ein positives Bild zu verbreiten. Das ist gefährlich, weil Propaganda und Desinformation dann aussieht wie ganz normaler Journalismus oder wie ein hübsches TikTok-Video über Hochhäuser und schnelle Züge.“
Zudem geraten chinesischsprachige Diaspora-Medien zunehmend unter Druck, kritische Themen auszublenden, und berichten von Fällen transnationaler Repression. Für die Kommunistische Partei China ist Journalismus ein Instrument für Kontrolle und keine unabhängige Säule einer Demokratie. Besonders bedrohlich sei laut RSF-Bericht, dass China auch mit anderen Regimen wie Russland zusammenarbeite, um seine Kontrolle über den Nachrichtenstrom weiter auszubauen.
Der RSF-Bericht dokumentiert, wie die chinesischen Staatsmedien CGTN und Xinhua inzwischen in rund 160 Ländern aktiv sind und wie Einfluss über Schulungsprogramme oder Investitionen in Medienunternehmen gewonnen wird. Auf diesem Weg gelangen auch Chinas KI-Modelle in Redaktionen verschiedener Teile der Welt, besonders im Globalen Süden werden diese beworben. Der RSF-Bericht zeigt, dass durch diese technischen Werkzeuge wie Chatbots ausländische Medienhäuser Teil der chinesischen Einflusssphäre werden.
Auch ausländische Korrespondent*innen geraten zunehmend unter Druck: Mit jedem weiteren negativen Text riskieren sie, ihre Akkreditierung für die Arbeit im Land zu verlieren. Ziel der Strategie Chinas ist es derzeit, das internationale Image Chinas zu verbessern und außerdem langfristig ein anderes Verständnis von Journalismus zu normalisieren: Medien sollen allein dem Staat dienen und sind nicht dafür da, staatliches Handeln zu kontrollieren.
RSF fordert die demokratischen Staaten auf, ihre Informationsräume besser gegen derartige Einflussnahme zu schützen. Die Integrität von Journalist*innen muss gestärkt und der internationale Druck auf die chinesische Führung erhöht werden. Nur so kann erreicht werden, dass die hier dokumentierten zahlreichen Repressionen gegen unabhängigen Journalismus zurückgedrängt werden.
