Nahaufnahme Deutschland

Die Lage der Pressefreiheit in Deutschland: Die Themen der Nahaufnahme im Überblick

Die Delegitimierung journalistischer Arbeit wird von vielen Reporter*innen als große Bedrohung für den Journalismus in Deutschland wahrgenommen, wie die jetzt veröffentlichte Nahaufnahme 2026: RSF-Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland zeigt. Diese wird befeuert durch politische Akteure, digitale Hetze und neue publizistische Milieus, die mit Zuspitzung und Desinformation immer mehr Reichweite erzielen.

Recherchen in extremistischen Milieus als Sicherheitsrisiko

Immer wieder führen die zunehmende Polarisierung und ein rauer werdendes gesellschaftliches Klima auch zu Sicherheitsrisiken: Reporter ohne Grenzen (RSF) hat insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen dokumentiert und verifiziert. Im Vorjahr lag die Zahl bei 89.  Besonders gefährlich war erneut die Berichterstattung auf Demonstrationen sowie bei Recherchen und Filmaufnahmen in rechtsextremen Milieus. Vereinzelt wurden auch Angriffe aus der linksextremen Szene oder durch Sicherheitskräfte gemeldet.

Die Nahostberichterstattung spaltet Redaktionen und Zivilgesellschaft

In Redaktionen herrschte zum Thema Nahostberichterstattung weiterhin ein angespanntes Klima. So hatten Journalist*innen auch 2025 Schwierigkeiten, Menschenrechtsverbrechen der israelischen Armee in der gleichen Weise aufzugreifen wie im Fall anderer Staaten und Kriege. Auch die Situation der Pressefreiheit auf Palästina-solidarischen Demonstrationen und die Rolle der Polizei wurden hitzig diskutiert.

Im Kampf um die Deutungshoheit über den Gazakrieg zeigte sich eine zunehmende Spaltung der Medienlandschaft. In der Debatte, was Antisemitismus und was legitime Kritik an der israelischen Regierung darstellt, wurden auch einzelne Journalist*innen persönlich diffamiert und sahen sich Online-Hetzkampagnen ausgesetzt.

Nicht sicher im Exil: Transnationale Repression

Reporter*innen, die in Deutschland im Exil leben, geraten immer wieder ins Visier ihrer autoritär regierten Herkunftsstaaten. Mit vielfältigen Repressionsmitteln wird versucht, Medienschaffende einzuschüchtern und ihre regimekritische Berichterstattung zum Schweigen zu bringen.

Für afghanische, russische oder iranische Reporter*innen ist die Lage in ihren Heimatländern teils lebensbedrohlich – auch aufgrund der Aussetzung humanitärer Aufnahmeprogramme und der Missachtung erteilter Aufnahmezusagen durch die Bundesregierung.

Politischer Rückenwind verschärft Plattformmacht

Die Politik der zweiten Amtszeit von Donald Trump beeinflusst auch den öffentlichen Diskurs und die Medienlandschaft in Deutschland. Die gesellschaftliche Polarisierung nimmt zu, während große Tech-Plattformen in ihrem Widerstand gegen EU-Regulierung offen Rückendeckung aus Washington erhalten.

Diese Unternehmen sind längst zu eigenen Medienakteuren geworden, die mit ihren – teils politisch geformten – Algorithmen bestimmen, welche Inhalte in welchem Umfang ausgespielt werden. Ihre Algorithmen favorisieren Desinformation; plattformintegrierte Faktenchecks wurden inzwischen abgeschafft. Auch Desinformationskampagnen aus Russland werden dabei begünstigt.

Überwachung und Medienpolitik in Deutschland und auf EU-Ebene

Auf EU-Ebene wurde der Angriff auf Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikation mittels der anlasslosen Chatkontrolle vorläufig abgewendet. Bedrohlich für die Pressefreiheit ist jedoch weiterhin der Einsatz von „Staatstrojanern“ durch den Bundesnachrichtendienst. Hiergegen hat RSF beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde eingereicht.

Die EU-Richtlinie gegen Einschüchterungsklagen (SLAPP) muss in Deutschland noch umgesetzt werden. Der Regierungsentwurf hierfür bietet jedoch gefährdeten Medienschaffenden in der Praxis kaum Schutz.

Grundsätzlich gibt es in der deutschen Medienpolitik kaum Fortschritte zugunsten der Stärkung von Journalismus und Medienvielfalt. Entgegen dem Koalitionsvertrag ist eine steuerliche Begünstigung von gemeinnützigem Journalismus bisher nicht geplant. Die fällige Erhöhung des Rundfunkbeitrags wird weiter von den Bundesländern blockiert. Lediglich der Staatsvertrag zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurde nach langem Tauziehen von allen Ländern ratifiziert.

Die Herausforderungen der Zukunft sind vielfältig 

Ernsthafte Sorgen bereitet fast allen Medien die zunehmende Nutzung von KI-Modellen. Tools wie die in Suchmaschinen integrierten Zusammenfassungen leiten Traffic und Werbeeinnahmen weg von originalen journalistischen Inhalten und gefährden damit die finanzielle Existenz von Verlagen und Medienschaffenden. Zusätzlich bleibt die Rechtssicherheit beim KI-Training mit geschützten Inhalten, wenn keine Lizenzverträge oder Partnerschaften geschlossen wurden, unklar.

Reporter ohne Grenzen schaut sich seit mehreren Jahren bereits die Angriffe auf Medienschaffende in Deutschland an. Aus fast 100 Hinweisen konnte RSF für 2025 nun 55 Angriffe verifizieren.
© Anne Roch / RSF
Entwicklung der Angriffe auf Journalist*innen und Medien

Für das Jahr 2025 hat Reporter ohne Grenzen (RSF) insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen dokumentiert und verifiziert. Im Vorjahr lag die Zahl bei 89.

Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer. RSF sammelte im Jahr 2025 insgesamt 99 Hinweise auf Gewalt gegen Medienschaffende, von denen jedoch – meist aufgrund fehlender Zeug*innen oder Videobeweise – nicht alle verifiziert werden konnten. Auch eine Zählweise auf der Grundlage sorgfältiger Recherchen kann strikten wissenschaftlichen oder juristischen Kriterien nicht genügen, da es vielfach zwar Schilderungen, aber keine Ermittlungen oder Gerichtsverfahren gibt. Dennoch versucht RSF, mit aufwändiger Verifizierung einen Überblick herzustellen, der das Dunkelfeld von Gewalt gegen Medienschaffende so gut wie möglich erhellt. Als Attacken zählt RSF neben körperlichen Angriffen auf Journalist*innen und ihre Ausrüstung auch Sachbeschädigungen an Redaktionsgebäuden. RSF befragt neben den Betroffenen möglichst auch Zeug*innen und die Polizei zu den Vorfällen.

Insgesamt konnte RSF im vergangenen Jahr 46 physische Angriffe auf Journalist*innen verifizieren. Am häufigsten waren Attacken in Form von Tritten und Schlägen, auch mit Gegenständen. Als Angriff gewertet wurden diese, sofern sie Körper oder Ausrüstung von Journalist*innen tatsächlich getroffen haben. Täter*innen haben Medienschaffende auch zu Boden gestoßen, die Brille von der Nase geschlagen oder mit einem Stein beworfen.

Zudem wurden 3 Sachbeschädigungen an Redaktionsgebäuden und 6 Cyberattacken erfasst. Das ist die höchste dokumentierte Zahl von Hackerangriffen seit Beginn des Monitorings im Jahr 2015. So wurde beispielsweise die taz am Tag der Bundestagswahl zum wiederholten Male Opfer einer „Distributed Denial of Service“-Attacke, welcher die Website für zwei Stunden lahmlegte. Die ungarische Polizei hat daraufhin im Juli einen Hacker, der unter dem Pseudonym Hano agierte, festgenommen. Er soll für den Angriff auf die taz sowie weitere, die sich gegen regierungskritische Medien in Ungarn richteten, verantwortlich sein. Auch Medien wie der Spiegel oder die Webseite des Deutschlandfunks waren 2025 von Cyberangriffen betroffen.

Wo wurden 2025 in Deutschland die meisten Medienschaffenden angegriffen? Spitzenreiter war erneut Berlin (20), danach Sachsen (9), Sachsen-Anhalt (5), NRW und Hessen (je 4), Niedersachsen (3), Hamburg (2), Thüringen und Bayern (je 1).
© Anne Roch / RSF
Art der Angriffe auf Journalist*innen und Medienhäuser in Deutschland 2025

Die meisten der 49 für das Jahr 2025 verifizierten körperlichen Angriffe und Sachbeschädigungen ereigneten sich in Berlin (20), gefolgt von Sachsen (9), Sachsen-Anhalt (5), Nordrhein-Westfalen (4), Hessen (4), Niedersachsen (3), Hamburg (2), Thüringen (1) und Bayern (1). Die hohe Anzahl von Meldungen in Berlin erklärt sich hierbei nicht nur durch das politisierte Klima in der Hauptstadt, sondern auch dadurch, dass viele Medienhäuser, Journalistenverbände und auch Reporter ohne Grenzen in Berlin ansässig sind und das Netzwerk dichter ist, wodurch Attacken häufiger bekannt werden.

Die gefährlichsten Orte für Medienschaffende waren – wie schon in den Vorjahren – politische Versammlungen wie Demonstrationen, Parteiveranstaltungen oder Protestaktionen. Hier wurden 41 von insgesamt 46 verifizierten körperlichen Attacken gezählt.

Neben 11 verifizierten Meldungen von Medienschaffenden, die auf Palästina-solidarischen Demos von Teilnehmenden angegriffen wurden (siehe Kapitel 2. Die Gaza-Berichterstattung polarisiert die deutsche Medienlandschaft), stammt die Mehrzahl der von RSF dokumentierten Fälle (18) aus dem rechtsextremen Milieu.

Aggressionen gegen Recherchen im rechtsextremen Milieu

Journalist*innen wurden 2025 bei Recherchen im rechtsextremen Umfeld immer wieder bedrängt, geschubst, bespuckt, körperlich angegriffen oder anderweitig in ihrer Arbeit behindert. Die Übergriffe sind häufig koordiniert, oftmals entstehen sie aus einer Gruppendynamik heraus. Besonders gefährdet sind Lokaljournalist*innen, wie auch eine gemeinsame Studie des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) und des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zeigt: Besonders in Sachsen und Thüringen erleben sie extreme Feindseligkeit. Zwei Drittel der befragten Lokaljournalist*innen berichten von körperlichen Angriffen, bis hin zu an die Privatadresse verschickten Gewalt- und Todesdrohungen.

Ein Forschungsprojekt der TU Dresden kam kürzlich zu dem Schluss, dass Reporter*innen, die über rechtsextreme Montagsproteste in Ostdeutschland berichteten, dies nur unter erheblichem Risiko tun konnten, oder auf den Schutz von privaten Sicherheitskräften oder der Polizei angewiesen waren. Beobachtungen von RSF bestätigen: Oft verhindert nur der Begleitschutz, dass es für die Reporter*innen noch gefährlicher wird. Auch deshalb begeben sich nur noch wenige Journalist*innen ohne ein solides Schutzkonzept zu Aktivitäten der rechtsextremen Szene.

Wie erheblich die Gefahr ist, zeigt zum Beispiel eine Attacke auf Thomas Heise von Spiegel TV: Er wurde am 22. März 2025 auf der rechtsextremen Versammlung „Für Recht und Ordnung“ am Berliner Bahnhof Ostkreuz im Gesicht verletzt. Am 9. April 2025 wurde der Journalist erneut angegriffen, diesmal vor dem Landgericht Berlin: Ein junger Neonazi griff ihm in die Kamera und wurde erst durch das Eingreifen Umstehender aufgehalten.

Am 17. Mai 2025 berichtete Dominik Lenze, der unter anderem für den Tagesspiegel recherchiert, in Herford über eine Neonazi-Versammlung. Er wurde wiederholt von Teilnehmenden bedrängt, um ihn am Filmen zu hindern, und anschließend so stark nach hinten gestoßen, dass er zu Boden stürzte und seine Kamera ausfiel. Am 10. August 2025 attackierten Neonazis aus Bautzen am Berliner Bahnhof Ostkreuz zwei Jour­na­lis­t*in­nen mit Schlägen und Tritten, die zuvor beim CSD in Bautzen fotografiert hatten.

Weitere Angriffe auf Journalist*innen

Vereinzelt wurden auch Angriffe oder bedrohliche Situationen bei Berichterstattungen über die linksextreme Szene gemeldet. Breiter diskutiert wurde beispielsweise ein Vorgang am 29. November 2025: In Gießen wurde Paul Ronzheimer, stellvertretender Chefredakteur von Bild, bei Dreharbeiten zu einer Protestkundgebung gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation massiv bedrängt. In einem Statement beschrieb er, immer mehr Demonstrierende hätten sein Team umringt und mit Rufen wie „Nazis raus“ beschimpft. Als die Medienschaffenden sich zurückziehen wollten, seien ihnen mehrere hundert Demonstrierende die Straße entlang mit aggressiven Parolen gefolgt. Ronzheimer und sein Team wurden schließlich von der Polizei aus der Menschenmenge hinaus begleitet. Des Weiteren wurde für diesen Tag ein körperlicher Angriff auf einen Mitarbeitenden des Portals Tichys Einblick gemeldet. Gleichzeitig dokumentierte der DJV Hessen mehrere Behinderungen der Pressearbeit durch die Polizei, unter anderem gegen Journalist*innen von epd und taz.

Zum Auftakt des AfD-Bundesparteitags in Riesa am 11. Januar 2025 hatte es bereits Massenproteste gegeben, die Polizei schien stellenweise überfordert. Es wird von massiver Gewalt der Polizei gegen Protestierende und Journalist*innen berichtet; so wurden Reporter*innen zu Boden gestoßen, während der Interviewführung von hinten umgerannt und von Pfefferspray getroffen. In Berlin kam es am 1. Juni 2025 zu einem gewalttätigen Zwischenfall: Bei der Berichterstattung über den Versuch der klima-aktivistischen Gruppe „Neue Generation“, die Zeitungsdruckerei von Axel Springer zu blockieren, wurde dem taz-Journalisten Erik Peter, der eine polizeiliche Maßnahme vom Gehweg aus dokumentierte, das Mobiltelefon von einem Polizisten aus der Hand gerissen. Später führten ihn die Beamten in Handfesseln ab, um seine Identität festzustellen. Nach Auffassung von RSF stellt auch die in diesem Fall geplante Blockade von Verlags- oder Druckhäusern eine Verletzung der Pressefreiheit dar, wie schon 2024 die Traktorblockaden von Landwirten aus Protest gegen angeblich negative Berichterstattung über die sogenannten Bauernproteste.

Insgesamt konnte RSF 7 Hinweise auf Polizeigewalt gegen Medienschaffende für das Jahr 2025 verifizieren. Darüber hinaus waren weitere Hinweise mit Vorwürfen gegen die Behörden bei RSF eingegangen, bei denen die Betroffenen aber keine ausreichenden Videobeweise oder Zeug*innen liefern konnten.

Um Konflikten zwischen Reporter*innen und Demonstrierenden, anderen gewalttätigen Täter*innen sowie Polizist*innen vorzubeugen, wurde unter anderem von Reporter ohne Grenzen der Schutzkodex für Medienhäuser entwickelt. Er empfiehlt Medienhäusern Maßnahmen zum Schutz von Journalist*innen vor Hass und Gewalt – etwa feste Ansprechpersonen oder rechtliche Hilfe. Medien wie dpa, Spiegel, taz und Zeit haben den Schutzkodex unterzeichnet.

Die Nahaufnahme 2026

Alle weiteren Erkenntnisse der Nahaufnahme 2026 in der PDF-Version zum Download. Pressefreiheit rund um Nahost-Berichterstattung unter Druck, Gesetze, SLAPP-Klagen und Spionage-Software, Medienvielfalt

Archiv-Nahaufnahme: Alle Dokumente bis 2013 zum Download

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