Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Philippinen
Asien - PazifikDie Medienlandschaft auf den Philippinen ist äußerst dynamisch, obwohl die Regierung seit 2016 allzu kritische Journalist*innen und Medien gezielt angreift und permanent schikaniert.
MEDIEN
Radio und Fernsehen sind die beliebtesten Medien, beispielsweise der Branchenriese GMA-7. Dieser TV-Sender gehört zum Netzwerk GMA, das einen Zuschaueranteil von fast 50 Prozent hält. Seinem Hauptkonkurrenten, dem Sender ABS-CBN, wurde 2020 die Lizenz entzogen; er sendet aber weiterhin online, wo seine Präsenz zunimmt. Die Printmedien verlieren an Bedeutung, auch wenn der Philippine Daily Inquirer immer noch die wichtigste Zeitung ist, inzwischen unterstützt von seiner digitalen Version, Inquirer.net. Die Website Rappler, die 2012 von der Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa gegründet wurde, hat im Internet und in den sozialen Medien eine stabile Leserschaft gefunden. Einst dominierende Regionalzeitungen wie die Sunstar Baguio im Norden des Landes und der Visayan Daily Star im Zentrum, können ohne eine starke Online-Präsenz nur schwer überleben.
POLITIK
Die sechsjährige Präsidentschaft von Rodrigo Duterte (2016–2022), die durch eine Reihe von Klagen gegen Medien geprägt war, die als zu regierungskritisch galten, hat die Medienlandschaft nachhaltig beeinflusst. Trotz des Regierungswechsels greifen die Behörden unter Ferdinand R. Marcos Jr. weiterhin auf das sogenannte «Red-Tagging» zurück, eine aus dem Kalten Krieg stammende Praxis, bei der Journalist*innen, die nicht der Regierungslinie folgen, als «Subversive» und mitunter als «Terrorist*innen» bezeichnet werden. Mehrere Journalist*innen von Altermidya, einem Netzwerk unabhängiger Medien, das sich dem Schutz der am stärksten marginalisierten Teile der philippinischen Gesellschaft widmet, wurden mit konstruierten Anklagen ins Visier genommen, die sie mit «terroristischen» Aktivitäten in Verbindung bringen.
GESETZE
Die Verfassung von 1987 garantiert zwar die Pressefreiheit, doch in der Praxis ist die freie Ausübung journalistischer Tätigkeiten nicht durch das philippinische Recht geschützt. Verleumdungsklagen, die unter das Strafgesetzbuch fallen, werden regelmäßig missbraucht, um Journalist*innen zu Unrecht strafrechtlich zu verfolgen und ihnen Haftstrafen von bis zu sechs Jahren anzudrohen. Dadurch entsteht ein Klima, das Selbstzensur begünstigt. Online-Verleumdung wird durch ein spezielles Gesetz geregelt, den Cybercrime Prevention Act, der noch härtere Haftstrafen vorsieht. Mehrere Gesetze zu Medieneigentum und Besteuerung werden ebenfalls von der Regierung genutzt, um Medien mit kritischer Haltung gegenüber den Behörden zu schikanieren, wie es im Fall der Nachrichtenseite Rappler geschah.
WIRTSCHAFT
Die Konzentration von Medienbesitz ist auf den Philippinen traditionell hoch, hat sich aber in letzter Zeit noch verstärkt – eine Entwicklung, die mit der starken Nähe zwischen Eigentümerfamilien und politischen Baronen auf regionaler und nationaler Ebene einhergeht. Das Duopol ABS-CBN/GMA konkurriert nun mit einem dritten Medienriesen, der Villar Group der Familie Villar, die offen mit dem Clan von Präsident Duterte verbunden ist. Medienschaffende, die für diese Art von Unternehmen arbeiten, haben kaum redaktionelle Autonomie; Selbstzensur ist die Regel und die Einhaltung ethischer Grundsätze ist nicht gewährleistet. Vor diesem Hintergrund bieten das Internet und die sozialen Netzwerke einen Raum, in dem viele unabhängige Medien frei arbeiten können. Ihre wirtschaftliche Lebensfähigkeit ist allerdings ungewiss.
GESELLSCHAFT
Das hohe Maß an politischer Polarisierung in der philippinischen Gesellschaft bietet einen fruchtbaren Boden für Desinformation, die den Informationsraum des Landes überflutet. Soziale Medien, die die Verbreitung irreführender Inhalte besonders begünstigen, sind von gefälschten Accounts durchsetzt, die die Plattformen mit falschen Informationen überschwemmen und so die Online-Debatte beeinflussen. Der Wahlkampf für die Parlamentswahlen 2025 verdeutlichte das Ausmaß des Problems: Laut Cyabra, einem auf Desinformationsanalyse spezialisierten Unternehmen, stammten bis zu 45 Prozent der Online-Diskussionen über die Wahl von gefälschten Accounts wie Bots und Fake-Nutzer*innen.
SICHERHEIT
Die Philippinen sind eines der tödlichsten Länder der Welt für Medienschaffende, wie das Massaker an 32 Reporter*innen in Maguindanao im Süden des Landes 2009 auf schockierende Weise gezeigt hat. Vor allem aber herrscht bei diesen Verbrechen fast völlige Straffreiheit. Um dem entgegenzuwirken, richtete die Regierung 2016 eine Presidential Task Force on Media Security ein; das interministerielle Gremium hat sich jedoch als unfähig erwiesen, den Teufelskreis der Gewalt gegen Journalist*innen zu durchbrechen. Auf regionaler Ebene werden Reporter*innen häufig zur Zielscheibe von Drohungen und Klagen. Journalistinnen sind besonderen geschlechtsspezifischen Drohungen ausgesetzt – der Drohung mit Vergewaltigung, Online-Mobbing, der Offenlegung persönlicher Daten usw.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- International
Rangliste der Pressefreiheit 2015 veröffentlicht
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die Rangliste der Pressefreiheit 2015. In der Mehrzahl der 180 bewerteten Länder ist die Lage für Journalisten und unabhängige Medien im vergangenen Jahr...

- International
Jahresbilanz 2014: Deutlich mehr Entführungen
Journalisten müssen immer öfter damit rechnen, bei ihrer Arbeit entführt zu werden: Im zu Ende gehenden Jahr hat Reporter ohne Grenzen (ROG) weltweit 119 Entführungen von Journalisten gezählt – 37...

- International
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht aktuelle Rangliste der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlicht heute die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit. Sie zeigt, wie stark die Dominanz der Sicherheitsbehörden die Arbeit von Journalisten in vielen Ländern...

- International
ROG-Jahresbilanz: Doppelt so viele Journalisten entführt wie 2012
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mehr als doppelt so viele Journalisten entführt worden wie 2012. Ihre Zahl stieg auf 87 im Vergleich zu 38 im Vorjahr. Das geht aus der heute veröffentlichten...

- International
ROG veröffentlicht aktuelle Rangliste der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit. Besonders in den arabischen Ländern wird nach den Umbrüchen und Protesten des Jahres 2011 erkennbar, ob...

Jahresbilanz: 88 Journalisten und 47 Blogger getötet
88 Journalisten sowie 47 Blogger und Bürgerjournalisten wurden 2012 bei ihrer Arbeit getötet – mehr als je zuvor, seit Reporter ohne Grenzen 1995 die erste Jahresbilanz veröffentlichte. Das geht aus...

- Rangliste der Pressefreiheit
Aufstände in den arabischen Ländern verändern Rangliste stark / Wachsende Gegensätze in Europa
Wie eng Demokratie und Medienfreiheit zusammenhängen, zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (ROG) in diesem Jahr zum 10. Mal herausgibt. Die Liste spiegelt die...

- ROG-Bilanz 2011
66 Journalisten getötet / Zahl der Festnahmen und Übergriffe wieder gestiegen
Mindestens 66 Journalisten sind bereits in diesem Jahr während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet worden. Das sind neun Reporter mehr als im Vorjahr (2010: 57 Journalisten). Auch die Zahl...

- Philippinen
ROG ist schockiert über Mordanschlag auf Journalisten / Behörden müssen Maßnahmen im Kampf gegen die Straffreiheit intensivieren
Reporter ohne Grenzen (ROG) ist entsetzt über den Mord an dem philippinischen Radiojournalisten Romeo Olea. Der 49-Jährige wurde am 13. Juni in Iriga City, im Südosten der Hauptstadt Pili der...

- Organisierte Kriminalität
ROG-Bericht: Wachsende Gefahr für Journalisten durch Organisierte Kriminalität
Organisierte Kriminalität ist mittlerweile eine der größten Gefahren für Journalisten und Medien. Weltweit sind zwischen den Jahren 2000 und 2010 insgesamt 141 Journalisten ermordet worden, die sich...

- ROG-Bilanz 2010
57 Journalisten in 25 Ländern getötet / Zahl der entführten Medienmitarbeiter gestiegen
Mindestens 57 Journalisten und ein Medienassistent sind im Jahr 2010 während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet worden. Das sind 19 Medienmitarbeiter weniger als im Vorjahr (2009: 76...

Erinnerung ein Jahr nach Maguindanao-Massaker
Am 23. November, dem Jahrestag der Ermordung von 32 Journalisten im Süden der Philippinen, ruft Reporter ohne Grenzen (ROG) zum Gedenken an die Opfer auf. In der Provinz Maguindanao auf der Südinsel...

- Rangliste der Pressefreiheit 2010
Europäische Staaten fallen weiter zurück / Wachsende Gegensätze innerhalb der EU / Keine Bewegung auf den hintersten Rängen
Die Lage der Medienfreiheit in Europa hat sich weiter verschlechtert. Dies zeigt die heute veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit 2010 von Reporter ohne Grenzen (ROG). Der bereits bei der...

- Philippinen
ROG fordert zügiges Gerichtsverfahren zur Aufklärung des Maguindanao-Massakers
Mit Verzögerung hat am 8. September auf den Philippinen der Prozess gegen 196 Angeklagte begonnen, die im vergangenen November mutmaßlich an dem Maguindanao-Massaker beteiligt waren. Bei dem...

Dritter Journalist innerhalb einer Woche ermordet
Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die Ermordung von Nestor Bedolido. Der Zeitungsjournalist wurde am 19. Juni auf der südlichen philippinischen Insel Mindanao von zwei Unbekannten erschossen....
