Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
In Mali gefährden islamistischer Terror ebenso wie die Militärjunta die Sicherheit von Journalist*innen sowie deren Zugang zu Informationen. Die Entführung des französischen Reporters Olivier Dubois im April 2021, der 711 Tage lang als Geisel festgehalten wurde, hat die Gefahren für Medienschaffende verdeutlicht. Dubois kam 2023 frei.
MEDIEN
Nach dem Sturz des Diktators Moussa Traoré im Jahr 1991 nahm die Zahl an Medien stark zu. Mittlerweile gibt es in Mali rund 200 Zeitungen, mehr als 500 Radiosender und mehrere Dutzend Fernsehkanäle, darunter auch regionale. Diese neuen Medien sind in Konkurrenz zu den staatlichen getreten: dem Radio- und Fernsehsender ORTM und der Zeitung L’Essor. Die Berichterstattung und das Programm der Medien waren sehr vielfältig, bis im April 2022 die internationalen Medien RFI und France 24 gesperrt wurden. Das von den Vereinten Nationen im Juni 2015 ins Leben gerufene und von lokalen Journalist*innen betriebene Radio Mikado FM stellte im November 2023 endgültig den Betrieb ein.
POLITIK
Theoretisch ist es den Medien und Journalist*innen freigestellt, über die Regierung zu berichten, und die privaten Medien sind relativ unabhängig. Allerdings ist journalistische Arbeit durch die politische Lage und den Einfluss der Militärjunta sehr viel schwieriger worden. Der Druck, „patriotisch“ zu berichten, wächst; ausländische Reporter*innen gelten als persona non grata. Malis Medienaufsichtsbehörde HAC und die staatlichen Medien sind vollständig den Regierungsbeamten untergeordnet; die Regierung kann das leitende Personal entlassen. Die Entscheidung der HAC, Joliba TV Ende 2024 zu suspendieren, gab Anlass zur Sorge über eine regionsübergreifende Informationskontrolle: Zuvor hatte das burkinabische Pendant der HAC Beschwerde eingelegt. Darüber hinaus hat die HAC den Medien grundsätzlich untersagt, über politische Aktivitäten zu berichten, und Ende 2025 ihr hartes Vorgehen noch einmal verschärft: Nach kritischen Berichten ließ sie mehrere Radio- und Fernsehsender suspendieren.
GESETZE
Das Pressegesetz ist vage. Weder definiert es Mediendelikte noch enthält es gesonderte Regelungen zu Online-Medien. Ein Prozess zur Revision des veralteten Rechtsrahmens, in dem sich Journalist*innen bewegen, läuft bereits seit mehreren Jahren. Es braucht insbesondere Reformen, die Freiheitsstrafen für Pressedelikte abschaffen, staatliche Unterstützung für die Medien institutionalisieren, den Zugang zu Informationen verbessern und deutlicher bestimmen, wer als Journalistin und Medienexperte gilt. Staatliche Medien können nach wie vor leichter auf staatliche Informationen zugreifen als private. Das Gesetz zur Bekämpfung der Cyberkriminalität wurde im November 2025 herangezogen, um einen Journalisten in Gewahrsam zu nehmen.
WIRTSCHAFT
Journalist*innen und Medien befinden sich in Mali in einer sehr prekären Lage, was sie für Einflussnahme und Korruption anfällig macht. Diese Probleme haben sich durch den Rückgang von Werbeeinnahmen aufgrund der Pandemie und die vollständige Einstellung der öffentlichen Medienförderung in den vergangenen drei Jahren noch verschärft.
GESELLSCHAFT
Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen, Extremismus und die Präsenz bewaffneter Gruppen schränken – insbesondere in den nördlichen und zentralen Regionen Malis – die Sicherheit und damit die Freiheit von Journalist*innen ein. Medienschaffende werden aufgrund von Geschlecht, Klasse oder ethnischer Zugehörigkeit angegriffen. Diese gesellschaftlichen und kulturellen Zwänge fördern die Selbstzensur.
SICHERHEIT
Außerhalb der Hauptstadt Bamako zu arbeiten, ist für Journalist*innen mittlerweile äußerst riskant. Obwohl der französische Reporter Olivier Dubois, der fast zwei Jahre in islamistischer Gefangenschaft war, im März 2023 freigelassen wurde, besteht weiterhin die Gefahr von Entführungen. Die Ermordung des Journalisten Abdoul Aziz Djibrilla und die Entführung zweier seiner Kollegen im November 2023 zeigen, welchen Gefahren Medienschaffende im Norden Malis ausgesetzt sind. Das Verschwinden des Reporters Birama Touré aus Bamako im Jahr 2016 und sein wahrscheinlicher Tod in einem geheimen Gefängnis der Staatssicherheit machen die Gewaltbereitschaft auch staatlicher Stellen gegenüber Medien offensichtlich. Auch der wachsende Einfluss Russlands ist zu spüren: Mindestens zwei Medienschaffende waren gezwungen, das Land zu verlassen, nachdem sie über die Präsenz der russischen Gruppe Wagner berichtet hatten.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- Rangliste der Pressefreiheit 2023
Unterdrückung von Berichterstattung nimmt zu
Krisen, Kriege und die anhaltende Ausbreitung des Autoritarismus haben dazu geführt, dass die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so instabil war wie seit langem nicht. Dies lässt sich aus der...

- Weltweit
1.657 Medienschaffende seit 2003 getötet
Am heutigen Freitag (07. April) vor genau 20 Jahren wurde der deutsche Journalist Christian Liebig im Irak getötet. Aus diesem Anlass blickt Reporter ohne Grenzen (RSF) auf zwei besonders tödliche...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2022
So viele Journalisten in Haft wie nie zuvor
Die Zahl inhaftierter Medienschaffender ist 2022 auf ein Rekordhoch angestiegen. Zum Stichtag 1. Dezember saßen weltweit mindestens 533 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit im...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Jahresbilanz der Pressefreiheit
Angriffe auf die Pressefreiheit in Zahlen: Reporter ohne Grenzen veröffentlicht am kommenden Mittwoch (14. Dezember) die Jahresbilanz der Pressefreiheit 2022. Darin ziehen wir Bilanz, wie viele...

RSF stellt die Nominierten 2022 vor
Die Nominierten für die Press Freedom Awards 2022 von Reporter ohne Grenzen (RSF) stehen fest. Fünf Journalistinnen, acht Journalisten und drei Medienunternehmen aus insgesamt 15 Ländern sind in den...

- Rangliste der Pressefreiheit 2022
Krisen, Kriege und Gewalt bedrohen Pressefreiheit
Neue Krisen und Kriege sowie wiederaufgeflammte Konflikte gefährden die weltweite Pressefreiheit und brachten Journalistinnen und Journalisten seit Anfang 2021 in vielen Ländern der Welt in Gefahr....

Neue Rangliste der Pressefreiheit 2022
Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht am Dienstag, 3. Mai 2022, die Rangliste der Pressefreiheit 2022. Sie spiegelt die Situation von Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Ländern und...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2021
488 Journalistinnen und Journalisten in Haft
Die Zahl inhaftierter Medienschaffender ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordhoch angestiegen. Zum Stichtag 1. Dezember saßen weltweit mindestens 488 Journalistinnen,...

#FreeThemAll: Birama Touré
In Mali ist es im Fall des seit 2016 vermissten Journalisten Birama Touré zu einer Verhaftung gekommen: Wie die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtet, nahmen Sicherheitskräfte in der...

#FreeThemAll: Olivier Dubois
In Mali ist der französische Journalist Olivier Dubois, der unter anderem für die Tageszeitung Libération arbeitet, nach eigenen Angaben von Extremisten entführt worden. In einem 21 Sekunden langen...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2020
Weltweit 50 Medienschaffende getötet
Mindestens 50 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende weltweit sind in diesem Jahr in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Die weitaus meisten von ihnen wurden...

#FreeThemAll: Seydou Oumar Traoré
In Mali befindet sich der Journalist Seydou Oumar Traoré mittlerweile seit rund einem Monat in Haft. Traoré, der als Moderator für den Radiosender Radio Jekafo arbeitet, war am 15. November von...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2020
387 Journalistinnen und Journalisten in Haft
Die Zahl inhaftierter Medienschaffender bleibt weltweit auf sehr hohem Niveau. Zum Jahresende 2020 sitzen weltweit mindestens 387 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende wegen...

- Rangliste der Pressefreiheit 2020
Journalisten unter Druck von vielen Seiten
Immer dreister auftretende autoritäre Regime, repressive Gesetze gegen vermeintliche Falschmeldungen, populistische Stimmungsmache und die Erosion traditioneller Medien-Geschäftsmodelle stellen die...

- Pressefreiheit in der Corona-Krise
Afrikanische Staaten erhöhen Druck
Journalistinnen und Journalisten, die über die Ausbreitung des Corona-Virus in Afrika berichten, sind in mehreren Ländern der Region zur Zielscheibe von Zensur, Einschüchterung und körperlicher Gewalt...
