Mexiko

Elfter Journalist unter Präsidentin Sheinbaum ermordet

Elfter Journalist unter Präsidentin Sheinbaum ermordet
© Screenshot RSF / Infobae
Der Journalist Carlos Castro wurde von Unbekannten in Mexiko getötet.

Am Abend des 8. Januar 2025 wurde der 26-jährige Journalist Carlos Castro von unbekannten Bewaffneten in Poza Rica, einer Stadt im Bundesstaat Veracruz, erschossen. Castro befand sich zu diesem Zeitpunkt im Lokal seiner Eltern. Die bewaffnete Gruppe drang in das Restaurant ein, eröffnete das Feuer und flüchtete. Dabei filmten sie ihre Tat – das Video tauchte eine Woche später in sozialen Netzwerken auf. Castro ist der elfte Journalist, der seit dem Amtsantritt von Präsidentin Claudia Sheinbaum im Oktober 2024 getötet wurde. 

Der Journalist leitete die Facebook-Nachrichtenseite Código Norte de Veracruz, wo er über Sicherheit und Kriminalität im Norden des Bundesstaates berichtete. Nach RSF-Informationen wurde er vor etwas mehr als zwei Jahren von Polizeikräften in Poza Rica bedroht, woraufhin er im April 2024 in das örtliche Schutzprogramm aufgenommen wurde. Aus Angst um sein Leben verließ Castro vorübergehend die Stadt. Berichten zufolge soll er erst in den letzten Monaten des Jahres 2025 zurückgekehrt sein. Laut der Kommission für den Schutz von Journalist*innen des Bundesstaates Veracruz CEAPP (Comisión Estatal para la Atención y Protección de los Periodistas) wurden die Schutzmaßnahmen 2024 wieder eingestellt, da die Behörden ihn nicht mehr als gefährdet einstuften.

Warnung an die Presse

„Der brutale Mord an Carlos Castro stellt einen weiteren schweren Schlag für den Journalismus in Mexiko dar“, sagt Maren Pfalzgraf, Lateinamerika-Pressereferentin von Reporter ohne Grenzen (RSF). „Dass die Täter sich filmten und das Video im Netz verbreiteten, ist schockierend und muss als Warnung an andere Journalist*innen verstanden werden. Die Verantwortlichen dürfen nicht ungestraft davonkommen. Präsidentin Claudia Sheinbaum muss endlich handeln und dafür sorgen, dass sich diese Gewaltspirale nicht fortsetzt.“

Neben seiner Facebook-Nachrichtenseite arbeitete Castro auch für weitere lokale Medien wie Vanguardia, La Opinión de Poza Rica und das Nachrichtenportal Enfoque. Seine Berichte handelten hauptsächlich von Polizeimeldungen, darunter Festnahmen, Unfälle, Tötungsdelikte, Entführungen und Korruptionsfälle innerhalb der Behörden. 

Einschüchterungen, Drohungen und Entführungsversuche – Staat bleibt untätig

Castros Ermordung muss vor dem Hintergrund eines zunehmend feindlichen Klimas gegenüber der Presse in der Region gesehen werden. Mehrere Journalist*innen berichten von wiederholten Bedrohungen, Entführungsversuchen und einem eklatanten Mangel an Ressourcen seitens der Behörden, die eigentlich ihre Sicherheit gewährleisten sollen. 

Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 unterzeichnete die damalige Kandidatin Claudia Sheinbaum eine von RSF entworfene Erklärung zum Schutz von Journalist*innen. Bis heute wurde keine dieser Maßnahmen vollständig umgesetzt. Mexiko zählt weiterhin zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Journalist*innen. Im vergangenen Jahr wurden neun Medienschaffende getötet – so viele wie seit drei Jahren nicht mehr. 

Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Mexiko Platz 124 von 180 Ländern.