Seit Beginn der US-israelischen Offensive gegen den Iran sind Journalist*innen doppelt bedroht: Zum einen durch die Luftangriffe, zum anderen durch eine verstärkte Repression durch das iranische Regime. Der Internetzugang bleibt eingeschränkt, verlässliche Informationen sind schwer zu bekommen. Reporter ohne Grenzen (RSF) solidarisiert sich mit allen Journalist*innen im sich ausweitenden Kriegsgebiet und fordert alle beteiligten Parteien auf, Medienschaffende zu schützen und das Recht auf Information zu gewährleisten.
„Nach Jahren der brutalen Unterdrückung verbinden viele iranische Journalist*innen mit den aktuellen Entwicklungen die Hoffnung auf politische Veränderungen”, sagt RSF-Nahostreferent Christopher Resch. „Gleichzeitig berichten sie unter Kriegsbedingungen und haben die berechtigte Sorge vor den unabsehbaren Folgen dieses völkerrechtswidrigen Kriegs. Gerade in dieser Situation gilt: Der Schutz von Medienschaffenden und das Recht auf Information sind nicht verhandelbar. Alle Beteiligten müssen die Sicherheit von Journalist*innen garantieren und inhaftierte Medienschaffende unverzüglich freilassen.”
Bomben, Einschüchterungen, drohende Festnahmen
Während der seit Samstag, 28. Februar, laufenden US-israelischen Offensive gegen den Iran wurden nach Angaben des Iranischen Roten Halbmonds 787 Menschen getötet, darunter mehrere iranische Kommandeure und der Diktator und „Oberste Führer“ Ali Chamenei. „Journalist*innen arbeiten, während ausländische Bomben fallen, und erhalten Drohanrufe von den Behörden“, sagte ein unabhängiger Journalist gegenüber RSF. Aus Angst vor Repressalien bat er darum, anonym zu bleiben. Der politische Druck habe sich seit der Bekanntgabe von Chameneis Tod noch verstärkt. Der Journalist ist einer von vielen Reporter*innen, die Teheran verlassen mussten. Doch auch die Stadt, in die er floh, wurde schwer bombardiert. „Die Angriffe waren sehr intensiv“, berichtete er. „Der beängstigende Lärm von Explosionen und Kampfjets hielt bis etwa zwei Uhr morgens an und begann dann gegen acht Uhr erneut – wir wurden von einer weiteren Explosion geweckt.“
Das Regime droht Journalist*innen direkt per SMS oder in Anrufen mit Festnahmen. Mehrfach kündigte das iranische Staatsfernsehen an, jede Tätigkeit, die als „vorteilhaft für den Feind“ eingestuft werde, streng zu bestrafen. „Kein unabhängiger Journalist, keine unabhängige Reporterin darf arbeiten“, sagte eine zweite, in Teheran ansässige Journalistin. „Selbst diejenigen, die mit staatlicher Genehmigung zu Einschlagsorten gingen, wurden teilweise kurzzeitig festgenommen und mussten sämtliche Fotos löschen.“
Weiter stark zensierter Internetzugang
Drohungen wie diese erfolgen vor dem Hintergrund einer nahezu vollständigen Informationssperre, die seit den landesweiten Protesten ab Ende Dezember 2025 gilt. Je nach Aufenthaltsort und Mobilfunkanbieter verfügen zwar einige Journalist*innen gelegentlich über Internetzugang, insgesamt bleibt dieser jedoch stark eingeschränkt. Es gibt Ausnahmen der Zensur: „Journalist*innen und Medien, welche die offizielle Regierungslinie wiedergeben, haben in der Regel Zugang zu ungefiltertem Internet und entsprechenden SIM-Karten. Unabhängige Journalist*innen hingegen unterliegen massiven Beschränkungen“, sagte der Reporter, der Teheran verlassen hat. Belastbare Informationen sind deshalb rar, Berichte seien „vage und ungenau“, so die Journalistin aus Teheran. Eine ihrer Kolleginnen stimmt zu: „Man muss nur die Zeitungen lesen, um die Unterdrückung zu erkennen. Obwohl die Journalist*innen einer bestimmten iranischen Tageszeitung keinerlei Sympathie für Chamenei hegen, veröffentlichte das Blatt ausschließlich lobende Worte über ihn. Kein Wort darüber, dass die Straßen voller Menschen waren, die seinen Tod feierten. Wir sind erschüttert über die Raketen und den Tod von Zivilisten“, fügte sie hinzu, „aber zugleich aufrichtig erleichtert über den Tod des Diktators.“
Seit Beginn der Offensive reagiert der Iran mit Angriffen auf die benachbarten Staaten Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak und Kuwait. Nach RSF-Informationen hatten mehrere Journalist*innen in diesen Ländern Schwierigkeiten, über die Angriffe zu berichten, da die dortigen Behörden den Informationsfluss streng kontrollieren.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht der Iran auf Platz 176 von 180.
