Die myanmarische Journalistin und Dokumentarfilmerin Shin Daewe, die im April nach mehr als zweieinhalb Jahren Haft freigelassen wurde, hat Reporter ohne Grenzen (RSF) über ihre Arbeit und die Situation in Myanmar berichtet. Die Trägerin des RSF-Preises für Unabhängigkeit 2025 dokumentiert seit Jahren die Folgen von Umweltzerstörung und Ressourcenausbeutung in dem südostasiatischen Land.
„Langjährige Bürgerkriege und die anhaltende Militärdiktatur haben zu einer massiven Ausbeutung der Ressourcen in Myanmar geführt“, sagt Shin Daewe gegenüber RSF. Am Rande der diesjährigen Preisverleihung konnten wir mit ihr sprechen. „Als ich diese Umweltzerstörung gesehen habe, erwachte meine Liebe zu meinem Land. Als Dokumentarfilmerin sehe ich es als meine Aufgabe an, diese Geschichte zu erzählen.“
Shin Daewe, Jahrgang 1973, arbeitete seit dem Jahr 2005 für das unabhängige Medium Democratic Voice of Burma und berichtete unter anderem über die sogenannte Safran-Revolution im Jahr 2007. Damals demonstrierten viele Menschen gegen hohe Treibstoffpreise und gegen die Militärdiktatur, angeführt vor allem von Tausenden Mönchen in safranfarbenen Gewändern. Später konzentrierte Shin Daewe sich auf Dokumentarfilme und arbeitete unter anderem mit dem burmesischen Dienst von Radio Free Asia zusammen.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Bevölkerung. „Ich versuche festzuhalten, was im Leben gewöhnlicher Menschen geschieht, anstatt mich auf prominente Persönlichkeiten zu konzentrieren“, sagt sie zu RSF. Für ihre Reportage über die Erosion des Ayeyarwady-Flusses, die die Folgen für Dörfer und landwirtschaftliche Flächen dokumentiert, erhielt sie im Jahr 2024 einen Gracie Award, einen Preis, der jährlich von einer Medienorganisation für Frauen in den USA verliehen wird.
Im Oktober 2023 wurde Shin Daewe in Yangon festgenommen, als sie eine Drohne für die Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm abholen wollte. Nach Verhören wurde sie in das berüchtigte Insein-Gefängnis gebracht. Im Januar 2024 verurteilte ein Militärgericht sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne anwaltliche Vertretung zu lebenslanger Haft nach dem Anti-Terror-Gesetz. Es war die damals härteste Strafe gegen eine Journalistin seit dem Militärputsch von 2021.
RSF setzte sich während ihrer Haft immer wieder für ihre Freilassung ein. Im November 2025 erhielt sie den RSF-Preis für Unabhängigkeit, während sie weiterhin inhaftiert war. Im Rahmen einer Amnestie wurde ihre Strafe zunächst auf 15 Jahre reduziert, bevor sie am 17. April 2026 freikam.
„Ich bin sehr glücklich darüber“, sagt Shin Daewe nach ihrer Freilassung. „Während der Haft wollten wir jeden Tag zu unseren Familien zurückkehren. Ich habe heute Glück gehabt, aber viele meiner Freundinnen und Freunde hatten dieses Glück nicht.“
Trotz ihrer Haft will sie ihre Arbeit fortsetzen, wie sie sagt: „Die Umweltzerstörung nimmt weiter zu, und die Verluste im Bürgerkrieg sind enorm. Ich kann diese Realität nicht ignorieren.“ Ihr nächstes Projekt soll sich mit dem Schutz von Elefanten in Myanmar befassen.
Myanmar steht auf der Rangliste der Pressefreiheit von RSF auf dem 116. Rang von 180 Ländern und Gebieten. Nach China sitzen dort so viele Journalist*innen in Haft wie sonst nirgends weltweit. RSF zufolge befinden sich dort derzeit mindestens 40 Medienschaffende im Gefängnis. Mehr über das südostasiatische Land hier.

