Seit Beginn von Russlands Großinvasion der Ukraine im Februar 2022 sind Journalist*innen zu Zielscheiben russischer Aggression geworden. Um Medienschaffende in ihrer unabhängigen Kriegsberichterstattung zu stärken, hat Reporter ohne Grenzen (RSF) bereits im Frühjahr 2022 ein Pressefreiheitszentrum in Kyjiw eröffnet. Darüber hinaus unterstützt RSF Journalist*innen mit mehreren Programmen, um deren physische Sicherheit und mentale Resilienz zu stärken sowie die wirtschaftliche Nachhaltigkeit ukrainischer Redaktionen zu fördern.
„Die Sicherheitsbedingungen für Journalist*innen in der Ukraine verschlechtern sich weiter: Drohnenattacken machen Kriegsberichterstattung zum tödlichen Risiko, Redaktionsinfrastruktur wird willkürlich zerstört“, sagt RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Gerade jetzt ist es entscheidend, flexible Unterstützungsformen anzubieten – und RSF setzt sich weiterhin mit ganzer Kraft dafür ein, Medienschaffenden in der Ukraine dabei zu helfen, ihre Arbeit fortzusetzen.“
Gemeinsam mit lokalen Partner*innen hat RSF in mehr als vier Jahren Angriffskrieg über 2250 ukrainische und internationale Journalist*innen sowie 283 ukrainische Redaktionen unterstützen können. Diese Nothilfe-Arbeit wird seit 2025 mit einem EU-finanzierten Projekt skaliert und stärkt so die Resilienz unabhängiger ukrainischer Medien.
Übersicht laufender RSF-Unterstützungsformen für Medienschaffende in der Ukraine
1. Trainingsprogramme zum Umgang mit Drohnenattacken
Drohnen gehören zu den größten Gefahren in der Kriegsberichterstattung. Allein im Jahr 2025 sind drei Journalist*innen von russischen FPV-Drohnen getötet worden. Im von RSF organisierten HEAT-Trainingsprogramm (kurz für Hostile Environment Awareness Training) lernen Medienschaffende den Umgang mit Drohnendetektoren und können diese auch ausleihen. Die Trainings finden in Zusammenarbeit mit der Organisation Daily Humanity statt, an denen über 100 Medienschaffende teilnehmen sollen. Fünf Sessions sind insgesamt geplant, die nächsten finden im Juli statt.
Hier den RSF-Guide zu Kamikaze-Drohnen im Angriffskrieg lesen
2. Psychologische Unterstützung
Kriegsreporter*innen sind oft starken mentalen Belastungen ausgesetzt. Umso wichtiger sind Auszeiten: RSF und die ukrainische Organisation Resilience Cities bieten seit 2025 regelmäßige Auszeit-Programme in der West-Ukraine an, an denen bereits 60 Journalist*innen und ihre Angehörigen teilgenommen haben. Während der Auszeit können Medienschaffende auch Schulungen zu physischer, psychischer und digitaler Sicherheit absolvieren. Darüber hinaus bietet RSF durchgängig kurzfristige Beratungsgespräche mit Psycholog*innen in Kyjiw an, welche bereits über 50 Medienschaffende in Anspruch genommen haben.
3. Finanzielle Unterstützung für Medienhäuser
Im September 2025 hat RSF gemeinsam mit acht ukrainischen NGOs den Internationalen Fonds für den Wiederaufbau ukrainischer Medien (IFRUM) gegründet. Mit dem Ziel, ukrainische Medienhäuser nachhaltig finanziell zu stärken, konnten bereits rund 360.000 Euro an 22 ukrainische Redaktionen in verschiedene Regionen vergeben werden. Auch Medienhäuser, die aufgrund des Angriffskrieges ihren Standort wechseln mussten, erhielten über das RSF-Nothilfeprogramm Zuschüsse. Insgesamt erhielten über 70 Medien finanzielle Unterstützung durch RSF.
Darüber hinaus laufen derzeit Mentoring-Programme für 45 Medienunternehmen, die am Zertifizierungsprozess der von RSF initiierten Journalism Trust Initiative (JTI) teilnehmen möchten. Das Programm fördert Transparenz im Journalismus. 125 ukrainische Medien haben bereits am Programm teilgenommen und 19 haben das JTI-Zertifikat erhalten. Unterstützt wird die Initiative durch die lokalen Partnerorganisationen Institute for Regional Press and Information (IRMI) und Jnomics.
4. Zusammenarbeit mit lokalen Partner-Organisationen
Um Bedürfnisse vor Ort schnell erkennen zu können, baut RSF seine Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen in der Ukraine immer weiter aus. RSF arbeitet etwa mit Women in Media zusammen, einer Organisation, die sich für den Schutz von Journalistinnen einsetzt: So nahmen im März 2026 50 Polizeibeamt*innen an einer Schulung teil, in der sie lernten, wie man digitaler Gewalt gegen Journalistinnen entgegenwirkt.
Das Pressefreiheitszentrum in Kyjiw bleibt ein wichtiger Bestandteil zur Unterstützung von Medienschaffenden. Seit 2025 konnten über 300 Journalist*innen mit Schutzequipment wie Sicherheitswesten, Erste-Hilfe-Sets und Batterien ausgestattet werden. Auch versorgte RSF die ukrainische Partner-Organisation Institute of Mass Information (IMI) mit Schutzausrüstung, nachdem deren Büro in Dnipro von russischen Streitkräften getroffen wurde.
5. Verbrechen gegen Journalist*innen dokumentieren
Die russische Aggression ist eine der größten Bedrohungen für Journalist*innen. Deswegen hat RSF bereits elf Beschwerden gegen die russische Regierung beim Internationalen Strafgerichtshof und der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft eingereicht. Die jüngste im Februar 2026 eingereichte Beschwerde betraf Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
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