Wenn vom 9. bis 20. November in Antalya die COP31 zusammenkommt, geht es nicht nur um Emissionsziele, Klimafinanzierung und Anpassung. Die Klimakrise ist auch eine Informationskrise: Journalist*innen, die über Umweltzerstörung, industrielle Verschmutzung, illegale Abholzung oder die Folgen des Klimawandels recherchieren, werden weltweit bedroht, juristisch verfolgt oder am Zugang zu relevanten Daten gehindert. Gleichzeitig erschweren Desinformation, Greenwashing und intransparente Plattformalgorithmen den Zugang zu verlässlicher Klimainformation.
Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert deshalb die deutsche Delegation auf, sich in Antalya ausdrücklich dafür einzusetzen, dass Umweltjournalismus als der Schlüssel für verlässliche Informationen zum Klima anerkannt wird. Zu den angekündigten deutschen Teilnehmer*innen gehören unter anderem Bundesumweltminister Carsten Schneider, die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, die Bundestagsabgeordnete Claudia Roth und Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer.
„Wer in Antalya glaubwürdig über die Klimakrise verhandeln will, muss auch darüber sprechen, wer die Öffentlichkeit überhaupt mit verlässlichen Informationen darüber versorgt. Gerade in der Türkei – dem Gastgeberland – zeigt sich, wie schnell journalistische Arbeit unter politischen Druck geraten kann: Reporter*innen werden seit Jahren mit Strafverfahren und Untersuchungshaft überzogen“, sagt Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.
„Wir erwarten deshalb gerade von Bundesumweltminister Carsten Schneider und den weiteren deutschen Vertreter*innen, dass sie sich bei der COP31 für freien Zugang zu Umwelt- und Klimadaten und besseren Schutz von Journalist*innen starkmachen. Ohne unabhängigen Journalismus gibt es keine informierte öffentliche Debatte – und ohne sie keine glaubwürdige Klimapolitik.“
RSF hat gemeinsam mit brasilianischen Partnerorganisationen Vorschläge für die Zwischenüberprüfung des Glasgow Work Programme on Action for Climate Empowerment (ACE) eingereicht. Sie umfassen sechs zentrale Bereiche: freien Zugang zu Klima- und Umweltdaten, den Schutz von Journalist*innen und anderen Informationsanbieter*innen, Unterstützung unabhängiger Medien, stärkere Bildungsangebote, mehr Forschung zur Integrität von Klimainformationen sowie eine intensivere internationale Zusammenarbeit.
Die Forderung erhält durch den Austragungsort zusätzlich Gewicht. Die COP31 findet in der Türkei statt, die in der RSF-Rangliste der Pressefreiheit 2026 auf Platz 163 von 180 Staaten liegt. Journalist*innen werden dort weiterhin mit Strafverfahren, Anti-Terror-Gesetzen und weitreichenden Regelungen gegen angebliche „Desinformation“ unter Druck gesetzt. So sitzt die freie Journalistin Tuğba Tekerek seit September wegen eines journalistischen Beitrags über queere Menschen in Untersuchungshaft.
Erst am vorvergangenen Wochenende hatten Journalist*innen in der ganzen Türkei an Protesten gegen die Repressionen teilgenommen.
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