Der chinesische Journalist Bai Zhaodong soll auf Antrag Chinas von Thailand ausgeliefert werden. Am Donnerstag (8. Oktober) wurde der Reporter überraschend einem Gericht in Bangkok vorgeführt – nur einen Tag vor einer Anhörung wegen seiner Inhaftierung. Auf chinesischem Staatsgebiet drohen ihm Haft und Folter. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Safeguard Defenders, seine Auslieferung zu stoppen und ihm die Ausreise in ein sicheres Land zu ermöglichen.
Bai Zhaodong, der seit Jahren über Korruption innerhalb des chinesischen Machtapparats berichtet, informierte RSF am Donnerstagnachmittag darüber, dass er ohne vorherige Ankündigung vor das Ratchada-Strafgericht in Bangkok gebracht worden sei. Auch seine Anwält*innen waren nach eigenen Angaben weder über den Haftbefehl noch über den Gerichtstermin informiert worden. Sie mussten kurzfristig zum Gericht eilen. Bai bestand ausdrücklich auf ihre Anwesenheit und erklärte, dass er nicht nach China zurückkehren wolle.
Das Gericht ordnete an, Bai bis zu einer Entscheidung über seine Auslieferung in das Untersuchungsgefängnis Bangkok Remand Prison zu verlegen. Die Anhörung zum chinesischen Auslieferungsantrag ist für den 25. Januar 2027 angesetzt. Bereits am heutigen Freitag (9. Oktober) soll sich ein Gericht mit der Beschwerde seiner Anwält*innen gegen die fortdauernde Inhaftierung befassen. Nach Angaben des Journalisten hielt sich während der Anhörung auch ein junger chinesischer Staatsbürger im Gerichtssaal auf, der behauptete, für die chinesische Botschaft zu arbeiten. Er soll Bai gedrängt haben, freiwillig nach China zurückzukehren. Der Mann habe wörtlich gesagt: „Zwei Jahre Gefängnis ändern ohnehin nichts.“
„Es ist alarmierend, dass Bai Zhaodong ausgerechnet jetzt vor Gericht muss, einen Tag vor der Anhörung über seine bisherige Inhaftierung“, sagt Sören Kittel, RSF-Pressereferent für Asien und Pazifik. „Er ist ein von den Vereinten Nationen anerkannter Flüchtling und darf nicht in ein Land gebracht werden, in dem ihm wegen seiner journalistischen Arbeit Folter und willkürliche Haft drohen. Das wäre ein schwerwiegender Verstoß gegen internationale Schutzpflichten. Die thailändischen Behörden müssen das Auslieferungsverfahren stoppen und ihm eine sichere Ausreise ermöglichen.“
UN-Expert*innen warnen vor Abschiebung
Sollte es doch zu einer Auslieferung kommen, machen sich Thailands Beamte zum verlängerten Arm der chinesischen Behörden. Bereits im Januar 2026 war Bai in einer Hafteinrichtung untergebracht worden, während seine Ausreise in ein Drittland vorbereitet wurde. Die thailändischen Behörden verhinderten jedoch zweimal, dass er bereits gebuchte Flüge antreten konnte. Seither ist seine Situation ungeklärt.
Am 8. Oktober forderte die UN-Expertin Andrea Bolaños Vargas die Freilassung des Journalisten. Thailand müsse insbesondere das völkerrechtliche Non-Refoulement-Prinzip einhalten. Auch die Safeguard Defenders warnt vor dem wachsenden Druck Pekings. China versuche sowohl Bai selbst als auch die thailändische Justiz zu beeinflussen, um seine Rückführung um jeden Preis durchzusetzen, erklärte Laura Harth von Safeguard Defenders.
Der Fall steht beispielhaft für die grenzüberschreitende Verfolgung von Kritiker*innen durch die chinesischen Behörden, sogenannte transnationale Repression. Immer wieder geraten chinesische Journalist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen auch außerhalb ihres Heimatlandes unter Druck. Besonders bekannt ist der Fall des schwedisch-chinesischen Verlegers Gui Minhai, der 2015 während eines Aufenthalts in Thailand von chinesischen Agenten entführt wurde, mit Hilfe Thailands offenbar. Gui Minhai befindet sich bis heute in chinesischer Haft.
RSF und Safeguard Defenders fordern die internationale Gemeinschaft auf, sich gegenüber Thailand für Bai Zhaodong einzusetzen. Die thailändischen Behörden müssen seine Auslieferung verhindern und ihm ermöglichen, sicher in ein aufnahmebereites Drittland auszureisen.
