Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Sri Lanka
Asien - PazifikDie Frage der Pressefreiheit ist in Sri Lanka eng mit dem bis 2009 anhaltenden Bürgerkrieg sowie den immer noch ungesühnten Verbrechen verbunden, die bei der Niederschlagung der Tamilen-Rebellion an vielen Medienschaffenden verübt wurden. Mit einem extrem konzentrierten Mediensektor, der stark von den großen politischen Clans abhängig ist, ist der Journalismus weiterhin gefährdet.
MEDIEN
Die Medienlandschaft wird von staatlichen Medien dominiert. Das Ministerium für Massenmedien betreibt unter anderem die Sri Lanka Broadcasting Corporation (SLBC), die Rupavahii Corporation (SLRC), das Independent Television Network (ITN) und die Associated Newspapers of Ceylon Limited (ANCL), deren Redaktionen (Print, Radio, Fernsehen und Online) kaum unabhängig in der Berichterstattung sind. Die Situation von Medienschaffenden im privaten Sektor ist im Großen und Ganzen genauso, da die meisten Besitzer großer Medien eindeutig einer politischen Richtung angehören. Bei den Printmedien teilen sich die vier größten Eigentümer drei Viertel der Leserschaft des Landes. Der wichtigste Pressekonzern, Lake House, gehört der Familie Wijewardene, die allein mehr als die Hälfte der Publikationen des Landes besitzt. Laut einer Studie von RSF hat weniger als eine*r von fünf sri-lankischen Bürger*innen Zugang zu politisch unabhängigen Medien.
POLITIK
Im Jahr 2022 wurde Sri Lanka von einer politischen Krise erschüttert, die als „Aragalaya“ („Kampf“) bekannt wurde – eine massive Protestwelle, die zum Sturz und zur Flucht des damaligen Präsidenten Gotabaya Rajapaksa führte, der im Juli 2022 das Land verließ. Zwischen 2005 und 2015 trat der ehemalige Verteidigungssekretär als Anführer der sogenannten „White-Van-Squad“ in Erscheinung – benannt nach den weißen Lieferwagen, die sri-lankische Geheimdienste für Entführungen nutzten; zu ihren Opfern zählen mindestens vier Journalist*innen. Sein Abgang markierte das Ende seines unerbittlichen Vorgehens gegen die Pressefreiheit. Im November 2024 gewann das von Anura Kumara Dissanayake geführte Bündnis, dem ersten linken Präsidenten in der Geschichte Sri Lankas, die absolute Mehrheit der Sitze bei den Parlamentswahlen und eröffnete damit ein neues Kapitel in der Geschichte des Landes – in dem jedoch weiterhin Zehntausende Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen ungeklärt sind.
GESETZE
Das sri-lankische Recht schränkt die Meinungsfreiheit zwar nicht ein, doch eine Garantie für den Schutz von Medienschaffenden gibt es nicht. Ein großes Problem stellt zudem der Status des durch ein Gesetz aus dem Jahr 1973 eingerichteten Presserates dar. Dieser soll den Sektor „regulieren“, allerdings ernennt das Präsidialamt die meisten seiner Mitglieder. Das sri-lankische Gesetz zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR) wird genutzt, um abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen. Die Behörden berufen sich ferner regelmäßig auf das Antiterrorgesetz, um Journalist*innen zum Schweigen zu bringen, vor allem diejenigen, die über die Bedingungen der tamilischen Minderheit im Norden und Osten der Insel zu recherchieren versuchen. Das Parlament verabschiedete im Januar 2024 ein Gesetz zur Regulierung des Internets, mit dem die Online Safety Commission geschaffen wurde, deren Mitglieder vom Präsidenten ernannt werden. Unter dem Vorwand, die „nationale Sicherheit“ zu schützen, kann sie Inhalte und Accounts von kritischen Stimmen in sozialen Medien zensieren und den Schutz ihrer Quellen aufheben.
WIRTSCHAFT
Der Markt der Publikumsmedien ist extrem konzentriert. Im Rundfunksektor teilen sich die vier Branchenriesen rund 80 % der Zuschauer*innen. Die Behörden üben erheblichen Einfluss auf die Ernennung und Entlassung von Mitgliedern der Chefredaktionen aus, sei es durch politische Freundschaften, die Vergabe von Subventionen und Werbung oder schlichtweg durch Korruption. Die meisten unabhängigen Nachrichteninhalte stammen daher aus Online-Netzwerken. Journalist*innen, die diese betreiben, sind jedoch nicht vor Druck und Einschüchterung gefeit.
GESELLSCHAFT
Die sri-lankische Presse richtet sich hauptsächlich an die singhalesische und buddhistische Mehrheit, die drei Viertel der Bevölkerung ausmacht. Offene Kritik an der buddhistischen Religion oder ihren Geistlichen ist daher äußerst gefährlich. In der Vergangenheit hat sich die Staatsanwaltschaft auf das Strafgesetzbuch berufen, um Journalist*innen wegen Verdachts auf religiösen Hass zu inhaftieren. Die Behandlung von Themen, die die tamilische Minderheit und/oder Muslime betreffen, gilt in der Regel als äußerst heikel. Medienschaffende, die dies in den letzten Jahren riskiert haben, wurden verhaftet, sie und ihre Redaktionen erhielten Morddrohungen oder wurden gezielt im Internet angegriffen.
SICHERHEIT
Viele Medienschaffende wurden vom Ende der 1990er Jahre bis 2009 getötet oder verschwanden, im Zuge der gewaltsamen Niederschlagung des separatistischen Aufstands der Tamil Tigers. Seit 2010 wurde kein/e Journalist*in mehr getötet, doch die früheren Verbrechen sind vollständig ungestraft geblieben. Der Norden und die Ostküste, die traditionelle tamilische Heimat, sind weiterhin regelmäßig systematischer Überwachung und Schikanen durch Polizei und Militär ausgesetzt, und unabhängige Medien haben keinen Zugang zu diesen Regionen. Unabhängige Medien arbeiten dort unter äußerst schwierigen Bedingungen.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- International
ROG-Jahresbilanz: Doppelt so viele Journalisten entführt wie 2012
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mehr als doppelt so viele Journalisten entführt worden wie 2012. Ihre Zahl stieg auf 87 im Vergleich zu 38 im Vorjahr. Das geht aus der heute veröffentlichten...

- International
ROG veröffentlicht aktuelle Rangliste der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit. Besonders in den arabischen Ländern wird nach den Umbrüchen und Protesten des Jahres 2011 erkennbar, ob...

Jahresbilanz: 88 Journalisten und 47 Blogger getötet
88 Journalisten sowie 47 Blogger und Bürgerjournalisten wurden 2012 bei ihrer Arbeit getötet – mehr als je zuvor, seit Reporter ohne Grenzen 1995 die erste Jahresbilanz veröffentlichte. Das geht aus...

- Rangliste der Pressefreiheit
Aufstände in den arabischen Ländern verändern Rangliste stark / Wachsende Gegensätze in Europa
Wie eng Demokratie und Medienfreiheit zusammenhängen, zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (ROG) in diesem Jahr zum 10. Mal herausgibt. Die Liste spiegelt die...

- Sri Lanka
Propaganda und Einschüchterung vor der Präsidentschaftswahl
Am Tag der Präsidentschaftswahl in Sri Lanka kritisiert Reporter ohne Grenzen (ROG) die unausgewogene politische Berichterstattung im Vorfeld der landesweiten Abstimmung. Staatliche Medien waren...

- Rangliste der Pressefreiheit 2009
Rangliste der Pressefreiheit 2009: Vorreiterrolle der europäischen Staaten in Gefahr
Mit Sorge betrachtet Reporter ohne Grenzen (ROG) die sukzessive Verschlechterung der Situation von Medien und Journalisten in einigen europäischen Ländern. Anlässlich der Veröffentlichung der neuen...

- Sri Lanka
ROG kritisiert 20-jährige Haftstrafe für tamilischen Journalisten
Reporter ohne Grenzen (ROG) ist entsetzt über die 20-jährige Gefängnisstrafe, zu der ein srilankisches Gericht einen tamilischen Journalisten am 31. August verurteilt hat. Das Hohe Gericht in der...

- Rangliste der Pressefreiheit 2009
ROG-Bericht zur Pressefreiheit: Bulgarien ist Schlusslicht in der EU
Die Informationsvielfalt und der investigative Journalismus sind in Bulgarien ernsthaft bedroht. Dies ist das Ergebnis eines neuen Berichtes von Reporter ohne Grenzen (ROG) zur Lage der Pressefreiheit...

- Sri Lanka
ROG-Länderbericht Sri Lanka: Medien unter Beschuss
In einem aktuellen Untersuchungsbericht werfen Reporter ohne Grenzen (ROG) sowie vier weitere Medienrechtsorganisationen der srilankischen Regierung vor, nichts gegen die Gewalt gegen Journalisten...

Srilankischer Zeitungschef erschossen
Reporter ohne Grenzen (ROG) ist schockiert über die Ermordung des srilankischen Chefredakteurs Lasantha Wickrematunge heute in Colombo, der Hauptstadt des Inselstaates. Zwei unbekannte Männer auf...

- Rangliste der Pressefreiheit 2008
Nur Frieden schützt die Pressefreiheit
„Frieden, nicht wirtschaftlicher Wohlstand, garantiert Pressefreiheit“, stellt Reporter ohne Grenzen (ROG) in seiner siebten Rangliste zur Lage der Medienfreiheit in 173 Ländern fest. Demokratische...

- Jahresbericht 2008
ROG-Jahresbericht: Kritik an mangelndem öffentlichen Einsatz für Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen (ROG) hat politischen Akteuren in aller Welt „Versagen und Doppelzüngigkeit“ bei der Verteidigung der Meinungsfreiheit vorgeworfen. „Das fehlende Rückgrat einiger westlicher...

- Rangliste der Pressefreiheit 2007
Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht
An Spitze und Schluss verändert sich wenig / Bewegungen im Mittelfeld. Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlicht heute zum sechsten Mal die Rangliste der Pressefreiheit. Sie vergleicht die Lage der...

Jaffnas Medien im Bann des Terrors
Reporter ohne Grenzen und International Media Support haben im Juni die Lage der Medien im Norden Sri Lankas untersucht. Der Bericht »Jaffna's media in the grip of terror« zeigt das Schicksal der...

- Zum Internationalen Frauentag
Für Journalistinnen kein Grund zum Feiern
Reporter ohne Grenzen erinnert anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März an das Schicksal all jener Frauen, die wegen ihrer Arbeit als Journalistinnen bedroht, eingeschüchtert, verhaftet...
