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Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
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Tunesien
Naher Osten und NordafrikaSeit der Revolution von 2011, die Präsident Ben Ali aus dem Land getrieben hat, erlebt Tunesien einen holprigen Übergang zur Demokratie. Seit dem Staatsstreich von Präsident Kais Saied im Juli 2021 geht es mit der Pressefreiheit jedoch steil bergab.
MEDIEN
Die Medienlandschaft hat sich seit 2011 erheblich diversifiziert. Die grassierende Wirtschaftskrise gefährdet jedoch die Unabhängigkeit vieler Redaktionen, die von politischen oder wirtschaftlichen Interessen beherrscht werden, und bedroht den aufkeimenden Pluralismus. Seit 2021 dominiert die Anhängerschaft von Präsident Kais Saied die Medien und setzen ein Narrativ durch, das den Präsidenten unterstützt. Der Druck auf kritische Medien, sich dem anzupassen, nimmt zu; immer wieder werden Sendelizenzen ausgesetzt. Während die Berichterstattung über politische Themen in fast allen Medien deutlich zurückgegangen ist, ist es dem Radiosender Diwan FM gelungen, in der politischen Berichterstattung einen ausgewogenen, kritischen Ansatz beizubehalten. Podcasts und Debatten von Alqatiba, Rachma und Nawaat gewinnen an Beliebtheit, und auch die französischsprachige Nachrichtenseite Business News etabliert sich als Alternative in einer zunehmend eingeschränkten Medienlandschaft. Das Fernsehen ist das beliebteste Medium, vor allem die öffentlichen Sender Al Wataniya 1 und 2. Der wichtigste Radiosender ist Mosaïque FM. Onlinemedien erfreuen sich großer Beliebtheit, Printmedien dagegen verlieren an Bedeutung.
POLITIK
Die politische Krise und Kais Saieds offensichtliche Geringschätzung für die Pressefreiheit haben weitreichende Folgen. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2019 werden trotz Protesten der tunesischen Journalistengewerkschaft SNJT (Syndicat national des journalistes tunisiens) keine Journalist*innen mehr im Präsidentenpalast empfangen. Seit 2021 herrscht mit Ausnahmen ein sehr einheitliches Narrativ, das den Präsidenten begünstigt. Sowohl 2024 als auch 2025 forderte der Präsident die öffentlichen Medien offen dazu auf, sich dem „nationalen Befreiungskrieg“ anzuschließen und auf seiner Linie zu berichten.
GESETZE
Mit der Verfassungsänderung vom Juli 2022 hat der Präsident weitreichende Gesetzgebungsbefugnisse zu Lasten der bis dahin bestehenden Kontrollmechanismen bekommen. Das gefährdet die Gewaltenteilung und bedroht die Errungenschaften der tunesischen Revolution im Bereich der Pressefreiheit. Weil auch die Unabhängigkeit der Justiz geschwächt wurde, ist zu befürchten, dass die Gerichte unter dem Deckmantel vermeintlicher Sicherheitserfordernisse politischen Interessen dienen werden. Die Gerichte entscheiden nach wie vor auf der Grundlage von Gesetzen, die noch aus der Ära Ben Ali stammen – dabei existieren seit 2011 Dekrete, die die Pressefreiheit stärken. Eine große Gefahr für die Pressefreiheit stellt jedoch das Gesetzesdekret Nr. 54 vom September 2022 dar, mit dem „Fake News“ bekämpft werden sollen.
WIRTSCHAFT
Die Medien sind auf Anzeigeneinnahmen privater Unternehmen angewiesen, die zum Teil an den Medien selbst beteiligt sind und in manchen Fällen der Politik nahestehen. Dieses Umfeld gefährdet die redaktionelle Unabhängigkeit. Werbeeinnahmen hängen zudem von Einschaltquoten ab, deren Berechnung kaum geregelt und stark umstritten ist. Angesichts sinkender Einzelverkäufe und eines schrumpfenden Anzeigenmarkts verliert das auf Abonnements, Werbung und Einzelverkäufen beruhende Geschäftsmodell der Printmedien an Bedeutung. Aufgrund des finanziellen Drucks sind zudem mehrere private Sender dazu übergegangen, vor allem solche Inhalte zu senden, die sich gut verkaufen.
GESELLSCHAFT
Politische Parteien nutzen regelmäßig soziale Netzwerke, um Desinformationskampagnen zu lancieren, die Presse zu diskreditieren, bei der Wählerschaft Misstrauen zu säen und Verwirrung zu stiften. Verbale Angriffe auf die Medien durch führende Politiker*innen haben in den vergangenen Jahren zugenommen.
SICHERHEIT
Einschüchterungsversuche gegen Journalisten sind mittlerweile an der Tagesordnung in einem Land, in dem Medienschaffende wegen ihrer Arbeit verhaftet und strafrechtlich verfolgt werden – oder auch nur, weil sie sich mit Kolleg*innen solidarisieren. 2024 wurden über zehn Journalisten gerichtlich verfolgt.
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Aktuelles
- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2019
Weltweit 389 Medienschaffende im Gefängnis
Zum Jahresende 2019 sitzen weltweit 389 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit im Gefängnis, zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast...

- Initiative Information und Demokratie
20 Staaten gründen Partnerschaft
Vertreterinnen und Vertreter von 20 Staaten haben am Donnerstag am Rande der UN-Vollversammlung in New York eine Partnerschaft für Information und Demokratie ins Leben gerufen. Unter den...

Zeitungen, die nie ankommen
Weltweit greifen Feinde der Pressefreiheit zu heimtückischen Methoden, damit kritische Zeitungsartikel nicht erscheinen. Dabei geraten nicht nur Journalistinnen und Journalisten in ihr Visier, sondern...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2018
Weltweit 80 Medienschaffende getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mindestens 80 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, 15 mehr als im Vorjahr....

- Rangliste der Pressefreiheit 2018
Immer mehr Hetze gegen Journalisten in Europa
In keiner anderen Weltregion hat sich die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so stark verschlechtert wie in Europa. Journalistinnen und Journalisten sind dort zunehmend medienfeindlicher...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2017
Weltweit 65 Medienschaffende getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mindestens 65 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Fast die Hälfte von ihnen...

- Rangliste der Pressefreiheit 2017
Medienfreiheit in Demokratien bedroht
Medienfeindliche Rhetorik führender Politiker, restriktive Gesetze und politische Einflussnahme in Demokratien haben zu einer Verschlechterung der Lage für Journalisten und Medien weltweit...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016
Weltweit 74 Medienschaffende getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mindestens 74 Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter wegen ihrer Arbeit getötet worden. Fast drei Viertel von ihnen wurden gezielt angegriffen....

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016
Weltweit mindestens 348 Journalisten in Haft
Die Repressionswelle seit dem Putschversuch in der Türkei hat die Zahl der weltweit inhaftierten Journalisten in diesem Jahr deutlich in die Höhe getrieben. Das geht aus dem heute veröffentlichten...

Fernsehmacht zieht Politiker an
Ähnlich intransparent ist die Finanzierung vieler Medien in Tunesien. Unter Diktator Ben Ali wurde die Vergabe staatlicher Werbegelder zentral durch die Agentur für externe Kommunikation (ATCE)...

- Rangliste der Pressefreiheit 2016
Journalisten weltweit unter zunehmendem Druck
Journalisten und unabhängige Medien stehen weltweit unter zunehmendem Druck. In allen Weltregionen ist im vergangenen Jahr ein Rückgang ihrer Freiräume zu beobachten gewesen. Das geht aus der...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2015
67 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit 110 Journalisten getötet worden. Mindestens 67 von ihnen starben nach Recherchen von Reporter ohne Grenzen wegen ihrer Arbeit – einer mehr als im Jahr 2014....

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2015
Weltweit derzeit 54 Journalisten entführt
Weltweit sind derzeit 54 Journalisten entführt, ein Drittel mehr als zum gleichen Zeitpunkt Ende 2014. Das geht aus dem heute veröffentlichten ersten Teil der Jahresbilanz der Pressefreiheit von...

- Rangliste der Pressefreiheit 2015
Weltweites Schlusslicht der Pressefreiheit
Unter den Flüchtlingen, die übers Mittelmeer nach Europa kommen, sind auffallend viele Männer und Frauen aus Eritrea, die dem menschenverachtenden System des Diktators Isaias Afewerki entkommen...

- International
Rangliste der Pressefreiheit 2015 veröffentlicht
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die Rangliste der Pressefreiheit 2015. In der Mehrzahl der 180 bewerteten Länder ist die Lage für Journalisten und unabhängige Medien im vergangenen Jahr...
