Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Äthiopien
Zentral- und südliches AfrikaIn dem von ethnischen Konflikten und einem Bürgerkrieg zerrissenen Land sind die meisten Fortschritte im Bereich der Pressefreiheit mittlerweile wieder rückgängig gemacht worden. Die Angst der Medienschaffenden vor Repressalien wurde durch den Konflikt in der Amhara-Region neu entfacht, der seit April 2023 herrscht.
MEDIEN
Die Medienlandschaft unter dem 2018 an die Macht gekommenen Abiy Ahmed ist nach wie vor stark polarisiert und nicht von Recherche und Berichterstattung, sondern von Meinungsjournalismus geprägt. Sie ist jedoch offener und pluralistischer als unter der vorherigen Regierung, unter der über 200 der heute zugelassenen Medien verboten waren. Das Radio ist nach wie vor das beliebteste Medium: Fana FM, Sheger FM und die regionalen Radiosender erzielen hohe Einschaltquoten. Die bekanntesten privaten Fernsehsender sind Kana, EBS und Fana BC. Die wenigen Zeitungen, die in gedruckter Form erscheinen, werden vor allem von der städtischen Elite gelesen. The Reporter ist die angesehenste unabhängige Wochenzeitung.
POLITIK
Sowohl die Milizen der Opposition als auch die Behörden betreiben Propaganda, um das Narrativ über den Krieg in ihrem Sinne zu kontrollieren. Sie verbreiten Desinformationen in den sozialen Medien, die dann von den Medien aufgegriffen werden. Die Regierung versucht vor allem durch die Schaffung einer Plattform zum „Faktencheck“, die Kontrolle über die Berichterstattung zu erlangen. Die als Medienunternehmen auftretende Plattform ist in Wirklichkeit ein Sprachrohr der Regierung, auf der abweichende Stimmen durch ungeprüfte Fakten und Desinformation diskreditiert werden. Die Medienaufsichtsbehörde (EBA) ist nicht mehr als ein Instrument der Regierung, das nicht zur Förderung von unabhängigem Qualitätsjournalismus beiträgt.
GESETZE
Das 2021 verabschiedete neue Mediengesetz bietet einen liberaleren Rechtsrahmen, der Journalist*innen besser schützen soll. Verleumdung ist nicht mehr strafbar, der Schutz journalistischer Quellen ist gewährleistet. In der Praxis wird das neue Gesetz jedoch meist ausgehebelt und verhindert die Verhaftung von Medienschaffenden nicht. Das Antiterrorgesetz und das neuere Gesetz gegen Hassrede enthalten sehr vage Bestimmungen, die mit hohen Haftstrafen verbunden sind und gegen kritische Journalist*innen verwendet werden können. Der im August 2023 in der Amhara-Region verhängte Ausnahmezustand wird weiterhin genutzt, um alle schützenden Gesetze außer Kraft zu setzen, obwohl er offiziell im Juni 2024 endete.
WIRTSCHAFT
Extrem niedrige Gehälter, steigende Lebenshaltungskosten und Korruption stellen die berufliche Integrität von Journalist*innen auf eine harte Probe. Die Konzentration von Medien in den Händen einiger weniger Geschäftsleute wirft Probleme der Unabhängigkeit auf, während die hohen Kosten für die Gründung eines neuen Medienunternehmens, insbesondere eines Radio- oder Fernsehsenders, stark abschreckend wirken.
GESELLSCHAFT
Viele äthiopische Medien sind stark von ethnischen, regionalistischen und politischen Aspekten geprägt, was zu Lasten einer unabhängigen, pluralistischen und ausgewogenen Berichterstattung geht. Selbstzensur ist im ganzen Land, auch unter Medienschaffenden, weit verbreitet.
SICHERHEIT
Die seit Beginn des Krieges in Tigray Ende 2020 beobachtete Zunahme von Übergriffen auf Medienschaffende hält an. Mehrere Journalist*innen sind unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Zahlreiche Reporter*innen, deren Berichterstattung über den Konflikt nicht auf der Linie der Regierung lag, wurden unter schweren Anschuldigungen wie „Förderung des Terrorismus“ festgenommen und teils monatelang inmitten der Wüste inhaftiert. Einige sitzen bis heute im Gefängnis. Da sie ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten, haben einige das Land verlassen. Die Feindseligkeit gegenüber ausländischen Medien wurde Anfang 2023 erneut deutlich, als die Behörden rund 15 ausländische Fernsehsender suspendierten und Anfang 2024 einen französischen Journalisten festnahmen und auswiesen.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016
Weltweit 74 Medienschaffende getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mindestens 74 Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter wegen ihrer Arbeit getötet worden. Fast drei Viertel von ihnen wurden gezielt angegriffen....

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016
Weltweit mindestens 348 Journalisten in Haft
Die Repressionswelle seit dem Putschversuch in der Türkei hat die Zahl der weltweit inhaftierten Journalisten in diesem Jahr deutlich in die Höhe getrieben. Das geht aus dem heute veröffentlichten...

Kritische Stimmen zulassen
Reporter ohne Grenzen ist besorgt über die Repressalien gegen kritische Journalisten und Blogger in Äthiopien und fordert die äthiopische Regierung auf, die wegen ihrer Arbeit inhaftierten...

- Rangliste der Pressefreiheit 2016
Journalisten weltweit unter zunehmendem Druck
Journalisten und unabhängige Medien stehen weltweit unter zunehmendem Druck. In allen Weltregionen ist im vergangenen Jahr ein Rückgang ihrer Freiräume zu beobachten gewesen. Das geht aus der...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2015
67 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit 110 Journalisten getötet worden. Mindestens 67 von ihnen starben nach Recherchen von Reporter ohne Grenzen wegen ihrer Arbeit – einer mehr als im Jahr 2014....

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2015
Weltweit derzeit 54 Journalisten entführt
Weltweit sind derzeit 54 Journalisten entführt, ein Drittel mehr als zum gleichen Zeitpunkt Ende 2014. Das geht aus dem heute veröffentlichten ersten Teil der Jahresbilanz der Pressefreiheit von...

Syrerin Zaina Erhaim ist Journalistin des Jahres
Reporter ohne Grenzen zeichnet die Syrerin Zaina Erhaim als Journalistin des Jahres 2015 aus. Erhaim entschied sich 2013 zur Heimkehr aus dem sicheren Ausland und hat seitdem in Syrien fast 100...

- Rangliste der Pressefreiheit 2015
Weltweites Schlusslicht der Pressefreiheit
Unter den Flüchtlingen, die übers Mittelmeer nach Europa kommen, sind auffallend viele Männer und Frauen aus Eritrea, die dem menschenverachtenden System des Diktators Isaias Afewerki entkommen...

Mehrere Journalisten und Blogger freigelassen
Reporter ohne Grenzen begrüßt die Freilassung mehrerer Journalisten und Blogger in Äthiopien, die seit mehr als einem Jahr willkürlich inhaftiert waren. Zugleich fordert die Organisation, dass vier...

- International
Rangliste der Pressefreiheit 2015 veröffentlicht
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die Rangliste der Pressefreiheit 2015. In der Mehrzahl der 180 bewerteten Länder ist die Lage für Journalisten und unabhängige Medien im vergangenen Jahr...

- International
Jahresbilanz 2014: Deutlich mehr Entführungen
Journalisten müssen immer öfter damit rechnen, bei ihrer Arbeit entführt zu werden: Im zu Ende gehenden Jahr hat Reporter ohne Grenzen (ROG) weltweit 119 Entführungen von Journalisten gezählt – 37...

- Äthiopien
ROG fordert Freilassung äthiopischer Journalisten
Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die sofortige Freilassung mehrerer Medienschaffender in Äthiopien. Drei Journalisten und sechs Blogger sitzen seit 125 Tagen im Gefängnis. Der Prozessbeginn...

- ROG-Bericht „Feinde des Internets“
Behörden im Zentrum von Überwachung und Zensur
Reporter ohne Grenzen (ROG) hat den US-Geheimdienst NSA und dessen britisches Pendant GCHQ in die Liste der „Feinde des Internets“ aufgenommen. Das geht aus dem gleichnamigen ROG-Bericht hervor, den...

- International
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht aktuelle Rangliste der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlicht heute die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit. Sie zeigt, wie stark die Dominanz der Sicherheitsbehörden die Arbeit von Journalisten in vielen Ländern...

- International
ROG-Jahresbilanz: Doppelt so viele Journalisten entführt wie 2012
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mehr als doppelt so viele Journalisten entführt worden wie 2012. Ihre Zahl stieg auf 87 im Vergleich zu 38 im Vorjahr. Das geht aus der heute veröffentlichten...
