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Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
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Indien
Asien - PazifikMit einer zunehmenden Gewalt gegen Journalist*innen, einer stark konzentrierten Eigentümerstruktur im Mediensektor und Medienhäusern mit zunehmend offener politischer Ausrichtung befindet sich die Pressefreiheit in der „größten Demokratie der Welt“ in einer Krise. Seit dem Jahr 2014 wird das Land von Premierminister Narendra Modi regiert, dem Führer der Bharatiya Janata Party (BJP) und einer zentralen Figur des hindu-nationalistischen Lagers.
MEDIEN
Die indische Medienlandschaft ist wie das Land selbst – riesig und überbordend. Es gibt über 100.000 Zeitungen (darunter 36.000 Wochenzeitungen) und 380 TV-Nachrichtenkanäle. Hinter dieser Fülle an Medienangeboten verbergen sich jedoch starke Konzentrationstendenzen. Auf nationaler Ebene gibt es nur eine Handvoll landesweit tätiger Medienunternehmen, darunter die Times Group, HT Media Ltd, The Hindu Group und Network18. Vier Tageszeitungen teilen sich drei Viertel der Leserschaft in Hindi, der wichtigsten Sprache des Landes. Auf regionaler Ebene ist die Konzentration bei lokalsprachigen Publikationen wie der auf Bengalisch erscheinenden Anandabazar Patrika aus Kolkata, der in Marathi erscheinenden Tageszeitung Lokmat aus Mumbai und der in Südindien verbreiteten Malayala Manorama noch ausgeprägter. Dieselbe Eigentumskonzentration wie bei Printmedien lässt sich auch bei den großen Fernsehsendern wie NDTV beobachten. Alle Radio-Nachrichtensender befinden sich zu 100 % im Besitz des staatlichen Senders All India Radio (AIR).
POLITIK
Indiens Medien befinden sich seit dem Amtsantritt von Narendra Modi im Jahr 2014 in einem „inoffiziellen Ausnahmezustand“. Damals orchestrierte er eine spektakuläre Annäherung zwischen seiner Partei, der BJP, und den großen Familien, die die Medien dominieren. Der Magnat Mukesh Ambani vom Reliance-Industries-Konzern, ein enger Vertrauter des Premierministers, besitzt mehr als 70 Medien, die von mindestens 800 Millionen Inder*innen verfolgt werden. Die Übernahme des Senders NDTV Ende 2022 durch Gautam Adani, ebenfalls ein Modi nahestehender Tycoon, markierte das Ende des Pluralismus in den Mainstream-Medien. In den vergangenen Jahren ist zudem der Begriff „Godi-Medien“ aufgekommen (ein Wortspiel aus Modis Namen und dem Begriff für „Schoßhunde“): Er bezeichnet Medien, die Populismus mit pro-BJP-Propaganda verbinden. Durch Druck und Einfluss wird das indische Modell einer pluralistischen Presse zunehmend infrage gestellt. Der Premierminister gibt keine Pressekonferenzen, gewährt Interviews nur Journalist*innen und YouTuber*innen, die wohlwollend über ihn berichten, und kritisiert jene, die ihm nicht loyal gegenüberstehen. Indische Journalist*innen sind zudem gezielten Belästigungskampagnen durch BJP-nahe Trolls ausgesetzt.
GESETZE
Die Pressefreiheit wird in der Verfassung nicht ausdrücklich erwähnt, ist jedoch durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Dennoch haben Regierungen nie davor zurückgeschreckt, Gesetze aus der Kolonialzeit – zu Aufruhr, Verleumdung und staatsfeindlichen Aktivitäten – zu nutzen, um Medien zu unterdrücken. Antiterrorgesetze werden zunehmend gegen Journalist*innen eingesetzt. Auch die wichtigste Oppositionspartei, der Indian National Congress, sowie andere Regionalparteien haben gesetzliche Bestimmungen genutzt, um Journalist*innen einzuschüchtern und Vergeltung zu üben. Modi hat mehrere neue Gesetze eingeführt, die der Regierung weitreichende Befugnisse geben, die Medien zu kontrollieren, Nachrichten zu zensieren und Kritiker*innen zum Schweigen zu bringen, darunter diese drei aus dem Jahr 2023: das Telekommunikationsgesetz, das Gesetz zur Änderung der IT-Regeln sowie das Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten.
WIRTSCHAFT
Indiens Medien werden in erster Linie durch Werbeeinnahmen finanziert, deren wichtigste Quelle die Regierung selbst ist. Unter Narendra Modi wurden Milliardenbeträge aus öffentlichen Mitteln für Werbung ausgegeben. Sowohl die Zentral- als auch die Bundesstaatsregierungen üben über diese Finanzierung, von der viele kleinere Medien abhängig sind, Druck aus, um Inhalte zu zensieren. Während die Regierung einerseits ihren Einfluss auf staatliche und private Medien verstärkt hat, hat sich der Medienbesitz zunehmend in den Händen weniger, meist regierungsnaher Konzerne konzentriert, wie die Machtübernahme der Adani-Gruppe zeigt. Dieser multinationale Konzern unter der Führung von Gautam Adani, einem engen Verbündeten Modis mit Interessen in Hafenentwicklung, Energie und Bergbau, übernahm im Zuge einer feindlichen Übernahme die Kontrolle über NDTV, eine der letzten Bastionen des kritischen Journalismus.
GESELLSCHAFT
Die enorme Vielfalt der indischen Gesellschaft spiegelt sich in der Medienlandschaft nicht genug wider. Der Beruf des Medienschaffenden ist vor allem in leitenden Positionen größtenteils Hindu-Männern aus den oberen Kasten vorbehalten – eine Schieflage, die sich in den Medieninhalten widerspiegelt. So machen Frauen in großen abendlichen Talkshows weniger als 15 Prozent der Gäste aus. Die hindu-nationalistische Ideologie ist zu einer dominierenden Kraft geworden, die die Berichterstattung prägt, politische Debatten rahmt und den Raum für abweichende oder marginalisierte Stimmen einschränkt. Die meisten Fernsehsender, insbesondere in Hindi, widmen einen erheblichen Teil ihrer Sendezeit religiösen Themen und schüren dabei mitunter offen Hass gegen Muslim*innen. Gleichzeitig gibt es auch Gegenbeispiele in der indischen Medienlandschaft, etwa das Medium Khabar Lahariya, das ausschließlich aus Journalist*innen aus ländlichen Regionen sowie aus ethnischen oder religiösen Minderheiten besteht.
SICHERHEIT
Mit durchschnittlich drei bis vier Journalist*innen, die jedes Jahr im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet werden, ist Indien für Medienschaffende eines der gefährlichsten Länder der Welt. Journalist*innen sind allen Arten von physischer Gewalt ausgesetzt, darunter Polizeigewalt, Überfällen von Parteianhänger*innen und Vergeltungsmaßnahmen, die von kriminellen Gruppen oder korrupten lokalen Beamten in Auftrag gegeben werden. Anhänger*innen der Hindutva – der Ideologie, aus der die rechtsextreme Hindu-Bewegung hervorgegangen ist – greifen im Internet jede*n an, der oder die ihrem Denken widerspricht. Diese Hasskampagnen und Aufrufe zum Mord in den sozialen Medien sind oft besonders brutal, wenn sie sich gegen Journalist*innen richten, deren persönliche Daten als zusätzliche Aufforderung zur Gewalt oft online gestellt werden. Sehr besorgniserregend ist auch die Situation in Kaschmir, wo Reporter*innen häufig von der Polizei und paramilitärischen Gruppen schikaniert werden und einige von ihnen mehrere Jahre lang in so genannter „Untersuchungshaft“ sitzen.
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