Update, 19.03.2026: Ein Richter hat entschieden, dass die Journalistin Estefany Rodríguez gegen eine Kaution in Höhe von 10.000 US-Dollar freigelassen werden kann, während ihr Fall vor Gericht verhandelt wird. Am selben Tag verließ sie das Gefängnis in Louisiana. Reporter ohne Grenzen (RSF) begrüßt ihre Freilassung, es hätte jedoch gar nicht erst zu der Inhaftierung kommen dürfen. Die Regierung muss alle weiteren Schritte zur Abschiebung oder Bestrafung der Journalistin einstellen.
Am 4. März 2026 ist die kolumbianische Journalistin Estefany Maria Rodríguez Florez von Einsatzkräften der US-Einwanderungsbehörde ICE in Nashville im Bundesstaat Tennessee festgenommen worden. Noch am Tag zuvor hatte Rodríguez für das spanischsprachige Nachrichtenportal Nashville Noticias über die Razzien gegen Migrant*innen und vier Verhaftungen in der Region berichtet. Am Tag ihrer Festnahme war sie mit ihrem Ehemann in einem Auto von Nashville Noticias unterwegs, als ICE-Einsatzkräfte sie mit ungekennzeichneten Fahrzeugen umstellten und festnahmen. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die Festnahme der Journalistin und fordert ihre sofortige Freilassung.
„Erneut haben ICE-Einsatzkräfte eine Journalistin festgenommen, die über ihre Abschieberazzien berichtete“, sagt RSF-Pressereferentin Maren Pfalzgraf. „Der Fall von Estefany Rodríguez zeigt, wie gefährlich es geworden ist, über ICE zu berichten – insbesondere für Journalist*innen mit eigener Migrationserfahrung. Obwohl Rodríguez alle Schritte für einen legalen Aufenthalt im Land eingehalten hat, wurde sie festgenommen. Sie muss sofort freikommen.“
Rodríguez droht Abschiebung
Rodríguez ist seit ihrer Jugend als Journalistin aktiv. In ihrem Heimatland Kolumbien schrieb sie unter anderem über die Folgen des gewaltsamen Konflikts zwischen der Regierung und den Kartellen. Nachdem sie Morddrohungen erhielt, reiste sie im März 2021 mit einem Touristenvisum in die USA ein und beantragte Asyl. 2022 erhielt sie eine Arbeitserlaubnis. Seitdem berichtet sie für Nashville Noticias vor allem über Migration und Lokalthemen. Im Januar 2026 heiratete Rodríguez einen US-Bürger und beantragte eine Green Card. Eine Abschiebung nach Kolumbien würde ihr Leben gefährden.
ICE wirft der Journalistin vor, zwei Termine bei der Einwanderungsbehörde versäumt zu haben. Angeblich bestehe Fluchtgefahr. Ihr Anwalt widerspricht: Am Tag ihres ersten Termins blieb das Büro der Behörde wegen Unwetters geschlossen – der Termin sei auf einen anderen Zeitpunkt verschoben worden. Als sie und ihr Ehemann drei Tage vor dem neuen Termin in der Behörde erschienen, um die Details zu besprechen, sei ihnen mitgeteilt worden, dass sie gar keinen Termin hätten. Rodríguez solle am 17. März wiederkommen. Nun droht ihr die kafkaeske Situation, für das Versäumen dieses Termins bestraft zu werden, obwohl ICE sie hinter Gittern festhält.
Zusätzlich stellt ihr Anwalt die Rechtmäßigkeit der Festnahme infrage. Er wirft der Behörde vor, ohne gültigen Haftbefehl gehandelt zu haben. ICE weist das zurück, doch die der Öffentlichkeit und die vor Gericht vorgelegten Dokumente widersprechen sich: Angaben fehlen, Daten stimmen nicht überein. Diese Unstimmigkeiten werfen erhebliche Zweifel am Vorgehen der Behörden auf.
Wiederholte Festnahme von Journalist*in aus Lateinamerika
Nicht nur Rodríguez ist von Abschiebung bedroht. Der ebenfalls lateinamerikanische Journalist Mario Guevara wurde am 14. Juni 2025 in Atlanta festgenommen, als er über die „No Kings“-Demonstrationen gegen Trumps Abschiebepolitik berichtete. Obwohl ein Richter seine Freilassung anordnete, wurde Guevara von der örtlichen Polizei an die Abschiebebehörde ICE übergeben und anschließend nach El Salvador abgeschoben. Auch er besaß eine gültige Arbeitserlaubnis und war 2004 aus seinem Heimatland geflohen.
Die wiederholten Festnahmen und gewaltsamen Übergriffe von ICE-Einsatzkräften auf Journalist*innen zeigen deutlich: ICE und das zuständige Department of Homeland Security missachten kritische journalistische Arbeit. Sie versuchen, Journalist*innen einzuschüchtern und ihre Berichterstattung zu behindern.
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