Innerhalb von nur 48 Stunden ist in Mexiko ein Lokalreporter ermordet und ein weiterer schwer verletzt worden: Nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (RSF) erschossen Unbekannte Juan David Gámez am 18. März 2026 in der Nähe seines Hauses in der Stadt García im nördlichen Bundesstaat Nuevo León. Er war mit seinem Motorrad unterwegs, als bewaffnete Männer ihn angriffen. Gámez berichtete regelmäßig über Korruption, Drogenhandel, Verkehrsunfälle und Polizeieinsätze in der Region. Er betrieb die Nachrichtenplattform Táctica SS und veröffentlichte seine Inhalte in den sozialen Netzwerken. Berichten zufolge gehen die Behörden in Nuevo León Hinweisen auf Morddrohungen nach, die der Reporter zuvor erhalten hatte.
Bereits am 16. März griffen Unbekannte den Journalisten Óscar Merino Ruiz in Santiago Pinotepa Nacional im südlichen Bundesstaat Oaxaca an. Nach RSF-Informationen näherten sich die Täter auf einem Motorrad und eröffneten das Feuer, als er mit seiner Frau auf der Straße unterwegs war. Ruiz befindet sich in kritischem Zustand. Die Behörden haben Ermittlungen zu dem Verbrechen aufgenommen, das Motiv ist bisher noch unklar. Ruiz leitet die Seite OM Noticias und berichtet vor allem über lokale Sicherheit – ein Zusammenhang mit seiner Arbeit liegt nahe.
„Die entsetzlichen Angriffe auf Juan David Gámez und Óscar Merino Ruiz innerhalb von nur 48 Stunden erinnern uns eindringlich daran, wie gefährlich journalistische Arbeit in Mexiko ist“, sagt Maren Pfalzgraf, Pressereferentin für Lateinamerika. „Wer über Gewalt, Korruption und organisierte Kriminalität berichtet, lebt weiterhin in akuter Gefahr. Die Behörden müssen beide Fälle konsequent aufklären und die journalistische Tätigkeit der Opfer als mögliches Motiv prüfen. Auf keinen Fall dürfen diese Verbrechen ungestraft bleiben.“
Die Angriffe auf Juan David Gámez und Óscar Merino Ruiz verdeutlichen einmal mehr die Untätigkeit der Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum. Vor den Wahlen im Jahr 2024 hatte sie RSF gegenüber versprochen, Journalist*innen besser zu schützen. Bisher hat sich die Lage für die Presse jedoch kaum verbessert. Allein im vergangenen Jahr wurden neun Journalisten ermordet.
Mexiko bleibt eines der gefährlichsten Länder der Welt für Journalist*innen außerhalb von Kriegsgebieten. Besonders Lokaljournalist*innen, die über Sicherheit, Korruption und organisierte Kriminalität berichten, sind immer wieder extremer Gewalt ausgesetzt.
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