Mexiko

Journalist am Tag der WM-Eröffnung ermordet

Auf dem Selfie sieht man einen Mann. Er lächelt in die Kamera.
© Privat
Der Journalist Luis Ángel López Valdez.

In Mexiko ist gestern (11.6.) der Journalist Luis Ángel López Valdez ermordet worden. Der 33-Jährige arbeitete als Reporter für die Tageszeitung Vanguardia de Veracruz und leitete das digitale Nachrichtenmedium Reportaje Policiaco Veracruzano, wo er über Kriminalität berichtete. Er war in den frühen Morgenstunden mit seinem Auto in Poza Rica im Norden des Bundesstaates Veracruz unterwegs, als er von einer bewaffneten Gruppe erschossen wurde. Die Tat ereignete sich nur wenige Stunden bevor in dem Land die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2026 eröffnet wurde. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die mexikanischen Behörden auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und die journalistische Arbeit des Opfers bei den Ermittlungen als mögliches Motiv zu priorisieren. 

„Es ist erschreckend: Während die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt und Millionen Menschen ihren Blick auf Gastgeberland Mexiko richten, wird dort ein Journalist brutal ermordet“, sagt Maren Pfalzgraf, RSF-Pressereferentin für Lateinamerika. „Die mexikanische Regierung muss endlich mehr für den Schutz von Medienschaffenden tun – insbesondere in Veracruz, einem der gefährlichsten Bundesstaaten für Journalist*innen. Die Spirale der Gewalt muss ein Ende nehmen.“

Mit dem Mord an López Valdez steigt die Zahl der in Poza Rica getöteten Journalisten seit Beginn des Jahres auf zwei. Bereits im Januar wurde dort sein Kollege Carlos Leonardo Ramírez Castro ermordet. Die Täter filmten sich dabei, wie sie den Reporter erschossen und stellten das Video danach ins Internet – eine Warnung an alle anderen Journalist*innen. Die Kommission für den Schutz von Journalist*innen CEAPP (Comisión Estatal para la Atención y Protección de Periodistas) bestätigte gegenüber RSF, dass López Valdez nach der Ermordung seines Kollegen in das staatliche Schutzprogramm aufgenommen worden war. Nach Angaben der CEAPP erhielt er Schutz- und Überwachungsmaßnahmen.

Die Tat ereignete sich nur neun Tage nach der Entführung der Journalistin Roxana Berenice Guzmán Ramírez aus Nanchital, ebenfalls im Bundesstaat Veracruz. Guzmán Ramírez leitet das Nachrichtenmedium Pulso Informativo del Sureste. Sie filmte ihre eigene Entführung mit ihrem Handy und dokumentierte, wie zwei bewaffnete Männer sich gewaltsam Zutritt zu ihrem Haus verschafften und sie verschleppten. Ihr Verschwinden verdeutlicht die anhaltende extreme Gewalt gegen die Presse.

Mexiko belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit Platz 122 von 180 Ländern. Bereits im Dezember 2025 warnte RSF in der Jahresbilanz der Pressefreiheit vor dem alarmierenden Anstieg von Journalist*innenmorden durch das organisierte Verbrechen. Insbesondere Journalist*innen, die über heikle Themen wie Drogenhandel oder Korruption berichten, sind immer wieder Drohungen und Gewalt ausgesetzt.