China

Chinas stille Einflusskampagne in den griechischen sozialen Medien

Drei Flaggen vor dem griechischen Außenministerium: links die griechische, in der Mitte die chinesische und rechts die Flagge der EU. Im Hintergrund steht die Botschaft, ein weißes Haus im altgriechischen Stil mit klassischer Architektur.
© picture alliance / Pacific Press | Dimitrios Karvountzis
Die Flaggen Griechenlands (links), der Volksrepublik China (Mitte) und der EU (rechts) vor dem griechischen Außenministerium.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) baut in Griechenland ein Netzwerk von Influencerinnen auf, die in sozialen Medien für Peking werben. Ihre kurzen Videos über chinesisches Essen, schöne Landschaften und den modernen Alltag in China erreichen Hunderttausende. Dabei bleiben Verbindungen zu chinesischen Staatsmedien und Werbenetzwerken für das Publikum meist unsichtbar. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die griechischen Behörden auf, die Finanzströme zwischen den Influencerinnen und chinesischen Propagandanetzwerken zu untersuchen. Sie sollen klären, ob es sich um eine größere ausländische Einmischungskampagne handelt.

„Wer harmlose Tiktok-Videos dreht und zunächst nur Reisetipps gibt, wirkt unverdächtig – aber genau darauf setzt Peking“, sagt Sören Kittel, Referent für Asien-Pazifik bei RSF. „Wenn Propaganda immer öfter als Lifestyle-Inhalt daherkommen und die Verbindungen zum chinesischen Staat nicht erkennbar sind, können Menschen sie kaum noch einordnen. Griechenland muss jetzt aufklären, wer diese Accounts finanziert und wie weit dieses Netzwerk reicht.“

Vom Lifestyle-Video zur politischen Botschaft

Am 27. November 2025 veröffentlichte die chinesische Influencerin Iro Li auf Facebook ein Video. Darin kritisierte sie die US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle – in fließendem Griechisch. Innerhalb weniger Tage sahen das Video mehr als 600.000 Menschen. Der politische Inhalt passte nicht zum Rest der Seite, die sonst freundliche Lifestyle-Videos über Essen, Reisen und den Alltag in China zeigt.

Die gemeinnützige Medienbeobachtungsstelle Greece Fact Check fand keine direkten Beweise dafür, dass die Influencerinnen wissentlich an einer groß angelegten Propagandakampagne beteiligt sind. Sehr wohl fand sie jedoch Verbindungen zu chinesischen Staatsmedien und Werbenetzwerken. Iro Lis Seite wird von Zhongshi Vanguard Film and Television Media gesponsert, einer Tochterfirma des Staatssenders CCTV. Facebook stuft zudem die Seiten „Sweet Hope“ und „Marianna’s Diary“ als „staatlich kontrollierte chinesische Medien“ ein. Zusammen erreichen die drei Accounts auf Facebook, Instagram, TikTok und YouTube mehr als 455.000 Follower*innen.

Auch Hinweise auf eine Koordination gibt es: Die drei Accounts hatten zusammen 47 Administrator*innen und schalteten zwischen 2021 und 2023 insgesamt 227 Anzeigen. Greece Fact Check verweist zudem auf ähnliche Formate, professionelle Produktionen und sich ergänzende Themen.

Die drei Seiten verbreiten dabei selten offensichtliche Falschinformationen. Vielmehr funktioniert die Einflussnahme über Auswahl und Auslassung. Das zeigt sich am Beispiel Xinjiang, einer Region im Westen Chinas, wo Masseninhaftierungen und Zwangsassimilation der uigurischen Minderheit gut dokumentiert sind. Die drei Influencerinnen zeigten von ihren Besuchen dort dagegen Folklore und Menschen, die glücklich und wohlhabend wirken.

Etablierte Medien geben den Influencerinnen eine Bühne

Griechische Medien laden die Influencerinnen zudem ein, ohne deren Verbindungen zu chinesischen Staatsmedien zu nennen. Dahinter steckt eine längere Entwicklung. Mit Chinas wachsender wirtschaftlicher Präsenz in Griechenland sucht Peking auch die Nähe zu griechischen Medien: Die Athener Zeitung Kathimerini veröffentlichte zeitweise wöchentlich Berichte der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Wirtschaftszeitung Naftemporiki arbeitet mit der Economic Daily zusammen, die der Propagandaabteilung des Zentralkomitees der KPCh untersteht. Ein unabhängiger Journalist sagte gegenüber RSF, es gebe im Land „kein wirkliches Bewusstsein für chinesische Propaganda“.

RSF fordert die griechische Regierung auf, bestmögliche Bedingungen für vertrauenswürdigen Journalismus nach europäischen Standards zu schaffen. Zugleich müssen die Finanzströme zwischen den Influencer*innen und chinesischen Propagandanetzwerken untersucht werden. Nur mit Transparenz über Herkunft und Finanzierung lässt sich nachvollziehen, wie weit der Einfluss der KPCh auf die griechische Öffentlichkeit reicht.

Griechenland belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen den 86. Platz von 180 Ländern und Gebieten. Damit ist es zum fünften Mal in Folge das Schlusslicht der EU. China liegt auf Platz 178.