Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Nicaragua
AmerikaSeit Präsident Daniel Ortega im November 2021 für eine vierte Amtszeit in Folge wiedergewählt wurde, setzt sich der Albtraum für Journalist*innen fort: Sie werden stigmatisiert und sind Hetzkampagnen, Bedrohungen, willkürlichen Verhaftungen und Morddrohungen ausgesetzt. Viele von ihnen mussten das Land verlassen.
MEDIEN
Seitdem das Ortega-Regime im Mai 2021 eine große Repressionswelle gegen die Opposition, zivilgesellschaftliche Organisationen und unabhängige Medien in Gang gesetzt hat, gibt es in Nicaragua praktisch keine unabhängige Presse mehr. Die Familie Ortega-Murillo hat die direkte Kontrolle über mehrere nationale Medien übernommen, darunter die Fernsehsender Canal 8, 4, 9 und 13 sowie die Radiosender Radio Ya und Radio Sandino. Damit wurde die Medienlandschaft in ein Instrument der Regierungspropaganda verwandelt und unabhängige Stimmen zum Schweigen gebracht. Online-Medien, die aus dem Exil berichten, erreichen trotz der Hindernisse weiterhin ein bedeutendes Publikum innerhalb Nicaraguas. Die meisten dieser Medien nutzen soziale Netzwerke, um ihre Inhalte zu verbreiten.
POLITIK
2021 drang die Polizei ohne rechtliche Grundlage in die Redaktion von La Prensa ein. Seitdem erscheint die Zeitung nur noch in digitaler Form aus dem Exil. Chefredakteur Juan Lorenzo Holmann Chamorro wurde inhaftiert, zu einer Haftstrafe verurteilt und im Februar 2023 zusammen mit 221 weiteren Oppositionellen, darunter vielen Medienschaffenden, in die USA abgeschoben. Ihre nicaraguanische Staatsbürgerschaft wurde ihnen entzogen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Chefredakteur*innen und Journalist*innen verschiedener Medien wegen angeblicher Geldwäsche oder Landesverrat angeklagt, ohne dass jemals Beweise gegen sie vorgelegt wurden. Bei den Medien Confidencial und 100% Noticias wurden schon 2018 Razzien durchgeführt und Equipment beschlagnahmt. Im Januar 2025 wurde Ortegas Frau Rosario Murillo im Rahmen einer Verfassungsreform zur Vizepräsidentin ernannt. Seitdem hat sich die Kontrolle des Regimes über die Medien weiter verstärkt – alles mit der Begründung, eine angebliche Abhängigkeit von ausländischen Interessen und „Fake News“ zu verhindern.
GESETZE
Nach den Massenprotesten von 2018 bereitete die Regierung eine Reihe von Gesetzen vor, mit denen sie gegen Oppositionelle und unabhängige Medienschaffende vorgehen konnte. Diese Gesetze wurden 2020 verabschiedet, darunter das Gesetz zur Cyberkriminalität, das anschließend reformiert wurde, um strengere Strafen für die Verbreitung „falscher Informationen” in sozialen Medien zu verhängen. Das Gesetz diente unter anderem dazu, den Journalisten Miguel Mendoza und zwei weitere Personen zu verurteilen, die die Regierung in den sozialen Netzwerken kritisiert hatten. Sie wurden der Verbreitung von Falschmeldungen beschuldigt und zu Haftstrafen zwischen acht und zwölf Jahren verurteilt. Auch Mendoza wurde im Februar 2023 in die USA ausgeflogen. Die Reform erweitert auch den Geltungsbereich des Gesetzes auf im Ausland lebende Nicaraguaner*innen und verschärft damit die Repression von unabhängigem Journalismus. Das im Oktober 2020 verabschiedete Gesetz über ausländische Agenten verpflichtet Personen und Organisationen, die ausländische Gelder erhalten, sich bei der Regierung registrieren zu lassen – ein weiteres Instrument, um die Zivilgesellschaft und kritische Medien zu unterdrücken.
WIRTSCHAFT
Die Wirtschaft Nicaraguas zeigt Anzeichen eines moderaten Wachstums, bleibt jedoch fragil und abhängig von externen Faktoren. Medien sind zunehmend abhängig von internationaler Finanzierung. Die Kürzung von Geldern, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, hat zu Entlassungen und einer erhöhten beruflichen Unsicherheit für Journalist*innen geführt.
GESELLSCHAFT
Immer mehr Menschen wandern aus, sodass die Zahl der Nicaraguaner*innen, die an der Südgrenze der Vereinigten Staaten ankommen, mittlerweile mit der Zahl der Menschen aus dem „nördlichen Dreieck“ Mittelamerikas (Guatemala, Honduras und El Salvador) konkurriert. Die Stimmung im Land ist eine Mischung aus Angst vor Repressionen und Hoffnungslosigkeit; unzählige junge Menschen äußern in den sozialen Netzwerken den Wunsch, Nicaragua zu verlassen. Hunderte von Journalist*innen mussten ins Exil fliehen.
SICHERHEIT
Das Ortega-Murillo-Regime versucht strategisch, kritische Medien zum Schweigen zu bringen. Wohnungen von Journalist*innen werden ohne Durchsuchungsbefehl oder Erklärung durchsucht. Die Polizei befragt sie zu ihren Kolleg*innen, ihrer aktuellen Arbeit und ihrer früheren Tätigkeit. Sie durchsucht ihre Telefone und beschlagnahmt alle elektronischen Geräte. Viele Journalist*innen müssen sich täglich telefonisch oder auf einer Polizeiwache melden. Die wenigen Journalist*innen, die weiterhin im Land arbeiten, tun dies mit äußerster Vorsicht und veröffentlichen ihre Artikel nur anonym, um möglichen Repressalien zu entgehen.
Ihre Ansprechpartnerin
Aktuelles
- Rangliste der Pressefreiheit 2026
Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in...

- RSF-Empfehlungen
Das sollten Demokratien aus der Rangliste der Pressefreiheit 2026 lernen
Die Kriminalisierung journalistischer Arbeit ist inzwischen eine der größten Bedrohungen für Demokratien weltweit. Das zeigt die heute veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Jahresbilanz 2025: 67 getötete Reporter*innen, über 500 in Haft
Journalist*innen weltweit waren auch im Jahr 2025 enorm gefährdet. Das liegt vor allem an bewaffneten Konflikten und dem organisierten Verbrechen: Mindestens 53 der 67 im Zeitraum 1. Dezember 2024 bis...

Rangliste der Pressefreiheit 2024
Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht am Freitag, 3. Mai 2024, die Rangliste der Pressefreiheit 2024. Sie spiegelt die Situation von Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Ländern und...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Jahresbilanz der Pressefreiheit
Angriffe auf die Pressefreiheit in Zahlen: Reporter ohne Grenzen veröffentlicht am kommenden Mittwoch (14. Dezember) die Jahresbilanz der Pressefreiheit 2022. Darin ziehen wir Bilanz, wie viele...

- Nicaragua
Journalisten müssen ins Ausland fliehen
Reporter ohne Grenzen verurteilt die Verfolgung unabhängiger Medien durch den nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega, die in den vergangenen Wochen einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Die...

Neue Rangliste der Pressefreiheit 2022
Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht am Dienstag, 3. Mai 2022, die Rangliste der Pressefreiheit 2022. Sie spiegelt die Situation von Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Ländern und...

- Nicaragua
#FreeThemAll: Carlos Fernando Chamorro
In Nicaragua hat die Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen den Journalisten Carlos Fernando Chamorro erhoben. Wie es in einer offiziellen Stellungnahme heißt, werden dem Leiter der...

#FreeThemAll: Juan Lorenzo Holmann
Wie das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) berichtet, haben Sicherheitskräfte in Nicaragua am 13. August die Redaktion der Tageszeitung La Prensa gestürmt. Während der Razzia seien alle...

#FreeThemAll: Miguel Mendoza
Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) hat die Behörden in Nicaragua dazu aufgefordert, den Journalisten Miguel Mendoza umgehend freizulassen und die laufenden Ermittlungen gegen ihn...

#FreeThemAll: Christiana Chamorro
In Nicaragua hat die Polizei am 20. Mai im Zuge einer Razzia die Fernsehredaktionen der Programme Esta Semana und Esta Noche durchsucht, die von dem regierungskritischen Journalisten Carlos Fernando...

- Nicaragua
Ortega-Regime verschärft Druck auf Kritiker
Reporter ohne Grenzen verurteilt die jüngsten Repressionen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie regierungskritische Stimmen in Nicaragua aufs Schärfste und fordert das Ortega-Regime auf, seine...

#FreeThemAll: David Quintana
Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) hat die Behörden in Nicaragua dazu aufgefordert, die Ermittlungen gegen den Journalisten David Quintana einzustellen. Quintana, seines Zeichens...

- Rangliste der Pressefreiheit 2015
Weltweites Schlusslicht der Pressefreiheit
Unter den Flüchtlingen, die übers Mittelmeer nach Europa kommen, sind auffallend viele Männer und Frauen aus Eritrea, die dem menschenverachtenden System des Diktators Isaias Afewerki entkommen...

- International
Rangliste der Pressefreiheit 2015 veröffentlicht
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die Rangliste der Pressefreiheit 2015. In der Mehrzahl der 180 bewerteten Länder ist die Lage für Journalisten und unabhängige Medien im vergangenen Jahr...
