Weltflüchtlingstag

Journalist*innen fliehen aus doppelt so vielen Ländern wie vor fünf Jahren

Die Grafik zeigt eine Weltkarte in verschiedenen Farben. Darüber steht "Anzahl Journalist*innen im deutschen Exil seit 2020."
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Die meisten Journalist*innen, die zwischen 2020 und 2025 nach Deutschland ins Exil gingen, stammen aus Russland und Afghanistan.

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni veröffentlicht die internationale Organisation Reporters sans frontières (RSF) eine interaktive Karte zu den Exilbewegungen von Journalist*innen weltweit. Die Zahl der Länder, aus denen Journalist*innen ins Exil getrieben werden, hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt – von 19 im Jahr 2021 auf 40 im Jahr 2025. Seit 2021 hat RSF 1.468 Medienschaffende unterstützt, die vor juristischer Verfolgung, Bedrohungen oder Mordversuchen fliehen mussten. Allein im vergangenen Jahr waren es 243 Personen.

Besonders betroffen sind Journalist*innen aus Afghanistan, Russland, Syrien und Myanmar. Das Phänomen beschränkt sich jedoch längst nicht mehr auf einzelne Länder. Für viele Medienschaffende enden die Strapazen auch nach der Flucht nicht: Sie sind in den Aufnahmeländern mit administrativen Schikanen und unsicheren Bleibeperspektiven konfrontiert. RSF fordert diese Staaten auf, verfolgten Journalist*innen wirksamen Schutz zu gewähren, etwa durch Notfallvisa, sichere Aufenthaltsmöglichkeiten und Unterstützung bei der Fortsetzung ihrer Arbeit. Exiljournalist*innen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu verlässlicher Information und gegen Propaganda.

Die Karte veranschaulicht Exilbewegungen von Journalist*innen, die die internationale Organisation mit Sitz in Paris unterstützt hat. Die Daten beziehen sich auf den Zeitpunkt der Flucht aus dem Herkunftsland, nicht auf die Ankunft im Aufnahmeland. Individuelle Fluchtwege, aktuelle Aufenthaltsorte und das gesamte Ausmaß des weltweiten Exils von Journalist*innen bildet die Karte nicht vollständig ab.

Deutsche Sektion unterstützte knapp 550 Journalist*innen bei der Flucht ins Exil

Viele Journalist*innen, die ihre Heimat aufgrund der akuten Bedrohungslage verlassen mussten, haben in den vergangenen Jahren in Deutschland ein neues Zuhause gefunden. Zwischen 2020 und 2025 hat das Berliner Nothilfeteam 547 Medienschaffende bei der Ankunft im deutschen Exil unterstützt.

Zwischen Flucht aus dem Heimatland und Ankunft im Zielland liegen oft Monate, wenn nicht sogar Jahre. Dies betrifft zum Beispiel Reporter*innen aus Afghanistan, die seit nunmehr fast fünf Jahren in großer Sorge vor Abschiebung in Pakistan ausharren müssen. Mit zunehmend sinkender Aufnahmebereitschaft und abnehmender internationaler Solidarität sehen sich hoch gefährdete Medienschaffende zunehmend in Transitländern gefangen, neben Pakistan etwa in Thailand oder im Libanon.

Exil in Deutschland: Die meisten Journalist*innen fliehen aus Russland und Afghanistan

Die meisten Journalist*innen, die zwischen 2020 und 2025 nach Deutschland ins Exil gingen, stammen aus Russland. Von den insgesamt 241 konnten 73 Prozent (177) im Jahr 2024 im deutschen Exil ankommen, um hier ihre Arbeit fortzusetzen. 

Mit 175 afghanischen Journalist*innen kam das Gros kurz nach der Machtübernahme der Taliban 2021 nach Deutschland. Doch je mehr Zeit verstrich, umso weniger kümmerte sich die deutsche Politik um das Schicksal der weiterhin hoch gefährdeten afghanischen Medienschaffenden. 2022 kamen nur noch zehn Journalist*innen, 2023 vier, 2024 neun und 2025 drei. Weitere Länder mit größeren Fluchtbewegungen nach Deutschland waren Syrien (29), die Türkei (16), Belarus (13) und Iran (12). 

Das Nothilfereferat von Reporter ohne Grenzen Deutschland existiert seit mehr als 15 Jahren. Da die deutsche Sektion die Zahlen erst ab Ankunft im Exil erfasst, sind in Deutschland aufgenommene Medienschaffende nur zu einem geringen Teil in der internationalen Statistik enthalten. Diese konzentriert sich auf den Zeitpunkt der Ausreise.

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