In Mexiko ist die entführte Journalistin Roxana Berenice Guzmán Ramírez tot aufgefunden worden. Sie ist bereits die dritte Journalistin, die in diesem Jahr im Bundesstaat Veracruz ermordet wurde. Dieses Verbrechen bestätigt das Versagen der mexikanischen Behörden, Medienschaffende besser zu schützen. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die Generalstaatsanwaltschaft auf, eine gründliche, transparente und unparteiische Untersuchung durchzuführen, um alle Verantwortlichen zu ermitteln und strafrechtlich zu verfolgen.
Roxana Guzmán gründete das Facebook-Nachrichtenportal Pulso Informativo del Sureste, wo sie über Kommunalpolitik, öffentliche Sicherheit und andere lokale Themen berichtete. Am Morgen des 2. Juni drangen bewaffnete Männer in ihr Haus in Nanchital ein, einer Gemeinde mit rund 30.000 Einwohner*innen im südlichen Bundesstaat Veracruz. Sie bedrohten die Journalistin und entführten sie. Bis heute wurden acht Personen festgenommen, darunter vier Polizisten aus Ixhuatlán del Sureste, einer Stadt im Süden von Veracruz. Laut den Ermittlungen sollen sie das Verbrechen unter anderem logistisch unterstützt haben. Ein weiterer mutmaßlicher Komplize der Entführung, José del Carmen Cadena Escayola, auch „Delta 7“ genannt, wurde laut mexikanischen Medienberichten anhand von Überwachungsvideos identifiziert. Nach seiner Festnahme soll er einen Ort genannt haben, an dem die Behörden die menschlichen Überreste der Journalistin fanden.
Bereits vor ihrer Entführung war Roxana Guzmán Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt: Ihr Partner wurde 2017 erschossen. Zwei Jahre später bat sie außerdem die Kommission für den Schutz von Journalist*innen des Bundesstaates Veracruz, CEAPP (Comisión Estatal para la Atención y Protección de Periodistas), um Hilfe, nachdem sie mutmaßliche Belästigungen durch einen städtischen Beamten in Nanchital gemeldet hatte.
Die Ermordung von Roxana Guzmán verdeutlicht, wie lebensgefährlich journalistische Arbeit in Mexiko ist. Die Behörden müssen erklären, warum sie die Journalistin nicht lebend finden konnten. Nur wenn solche Verbrechen konsequent bestraft werden, kann die zunehmende Gewalt gegen Journalist*innen in Veracruz und in ganz Mexiko gestoppt werden.
Veracruz zählt seit Langem zu den gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos für Journalist*innen, insbesondere für Lokalreporter*innen. Neben Roxana Guzmán wurden dort bereits zwei weitere Journalisten seit Anfang des Jahres ermordet: Carlos Leonardo Ramírez Castro und Luis Ángel López Valdez. Beide wurden von Unbekannten in der Stadt Poza Rica erschossen.
Mindestens 28 Journalist*innen gelten in Mexiko als vermisst, einige davon seit 1995. Die Regierung toleriert systematische Gewalt gegen die Presse, die Staatsanwaltschaft bleibt angesichts interner Korruption völlig untätig.
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