Journalist*innen in Gaza leiden weiterhin unter den Folgen des Krieges: Viele von ihnen wurden Zeugen schwerer Gewalt der israelischen Armee, sind mit dem Tod von Kolleg*innen und Angehörigen konfrontiert und leben unter katastrophalen humanitären Bedingungen – über die sie zugleich auch berichten. Reporter ohne Grenzen (RSF) unterstützt sie durch maßgeschneiderte psychosoziale Hilfe und arbeitet dazu mit den Partnerorganisationen Community Development and Media Center (CDMC), Palestinian Journalists Protection Center (PJPC) und Arab Reporters for Investigative Journalism (ARIJ) zusammen.
„Die Menschen vor Ort und wir alle brauchen Zugang zu verlässlichen Informationen aus Gaza“, sagt RSF-Nahostreferent Christopher Resch. „Die palästinensischen Journalist*innen sind unser Fenster nach Gaza, und sie haben für ihre Berichterstattung viel zu oft einen enorm hohen Preis bezahlt. Wir dürfen sie nicht allein lassen.“
Unterstützung jedweder Art ist wegen der zerstörten Infrastruktur, der ständigen Unsicherheit und der zusammengebrochenen Gesundheitsversorgung stark erschwert. In den vergangenen Monaten haben RSF und sein lokaler Partner CDMC psychosoziale Unterstützung für 40 Journalist*innen geleistet, die unter Bedingungen extremer Gewalt arbeiten. Das Programm ist auf die Realitäten vor Ort zugeschnitten und basiert auf psychologischer Erster Hilfe, Techniken zum Stressmanagement und dem Aufbau von Netzwerken zur gegenseitigen Unterstützung.
RSF-Programm zur Förderung von Nachwuchsjournalist*innen in Gaza
Im Juni 2026 hat RSF zudem gemeinsam mit dem Palestinian Journalists Protection Center und ARIJ das „Gaza Pulse Fellowship“ gestartet. Dieses zweimonatige Intensivprogramm bringt 25 Nachwuchsjournalist*innen aus dem Gazastreifen zusammen, die bislang oft unter extremen Bedingungen und mit sehr begrenztem Zugang zu professioneller Ausbildung berichten.
Die Schulung umfasst Themen wie ethische Berichterstattung über Konflikte, Faktenprüfung und investigative Techniken sowie Fragen der physischen, digitalen und psychosozialen Sicherheit. Mit dieser Initiative wollen RSF und seine Partner die Kompetenzen, die Sicherheit und die Widerstandsfähigkeit der Journalist*innen stärken, die weiterhin aus dem Gazastreifen berichten.
Die deutsche RSF-Sektion hat zudem mehrfach Veranstaltungen mit dem preisgekrönten palästinensischen AFP-Journalisten Mohammed Abed organisiert, zuletzt beim Global Media Forum in Bonn. Er sagt: „Diese Treffen, an denen ich in verschiedenen europäischen Ländern teilgenommen habe, sind meiner Meinung extrem wichtig, weil sie uns als palästinensischen Journalisten die Gelegenheit geboten haben, über unsere Erfahrungen im Gazastreifen zu sprechen.“
220 getötete Journalist*innen in Gaza
Seit Oktober 2023 engagiert sich RSF intensiv für die palästinensischen Journalist*innen im Gazastreifen. Nach Recherchen der Organisation wurden dort fast 220 palästinensische Medienschaffende von der israelischen Armee getötet. Mindestens 68 von ihnen wurden nachweislich im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet, einige von ihnen sogar gezielt.
In Gaza hat RSF bislang vor allem professionelle Ausrüstung bereitgestellt oder ersetzt, die für die journalistische Arbeit unerlässlich ist. Im Westjordanland sind Medienschaffende regelmäßig willkürlichen Verhaftungen, Einschüchterungen und Überwachung ausgesetzt. Für sie organisiert RSF Schulungsprogramme.
Reporter ohne Grenzen hat beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) fünf Strafanzeigen wegen Kriegsverbrechen eingereicht, die seit dem 7. Oktober 2023 von der israelischen Armee und der Hamas gegen Journalist*innen begangen wurden. Die Organisation hat sich zudem der Klage der Foreign Press Association (FPA) in Jerusalem vor dem Obersten Gerichtshof Israels angeschlossen, in der gefordert wird, internationale Medien in den Gazastreifen zu lassen.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen stehen die Palästinensischen Gebiete auf Rang 156 von 180.
Mehr zur Situation der Journalist*innen in den Palästinensischen Gebieten: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/laender/186/palastinensische-gebiete
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