USA

„Außergewöhnlich schwach“: Gericht stoppt neue Visaregeln vorerst

Trump steht im Mittelpunkt des Bildes. Er trägt eine Kappe mit dem Schriftzug "USA". Er ist umrandet von Journalist*innen mit Mikrofonen und Kameras.
© picture alliance / AP Photo/Julia Demaree Nikhinson | Julia Demaree Nikhinson
Präsident Donald Trump spricht am 13. September 2026 vor dem Boarding der Air Force One mit Reporter*innen.

Ein US-Bundesgericht hat die geplante Verkürzung der Visa für internationale Journalist*innen vorerst gestoppt. Nach den neuen Regeln des US-Heimatschutzministeriums (DHS) hätten ausländische Journalist*innen künftig nur noch acht Monate statt bis zu fünf Jahren in den USA arbeiten dürfen. Die Regelung sollte am 15. September in Kraft treten. Das Gericht setzte sie am 14. September aus. Reporter ohne Grenzen (RSF) begrüßt die Entscheidung des Gerichts. Damit können Korrespondent*innen vorerst weiterhin ohne die zusätzlichen Hürden der neuen Regelung berichten. Das Verfahren läuft aber weiter, eine grundsätzliche Entscheidung steht noch aus.

Der zuständige Richter F. Dennis Saylor vom Bundesgericht in Massachusetts bezeichnete die Begründung des DHS für die neue Regelung als „außergewöhnlich schwach“. Das Ministerium habe keine Belege für nationale Sicherheitsrisiken oder für einen Missbrauch des Visasystems vorgelegt, die die Auswirkungen der neuen Regeln auf Journalist*innen rechtfertigen könnten. Der Richter verwies zudem wiederholt auf mögliche Folgen für die Pressefreiheit und warf die Frage auf, ob die Regelung der Regierung eine stärkere Kontrolle über die Presse ermöglichen solle.

„Die Entscheidung des Gerichts ist ein wichtiges Signal für die Pressefreiheit. Journalist*innen müssen aus den USA berichten können, ohne alle acht Monate um ihren Aufenthaltsstatus bangen zu müssen“, sagt Maren Pfalzgraf, RSF-Pressereferentin für Amerika. „Falls die Regierung die verschärften Regeln durchsetzen sollte, entsteht ein gefährlicher Spielraum für politische Einflussnahme. Das Gericht hat diesen Risiken zu Recht Rechnung getragen.“

Gericht warnt vor Missbrauch

Besonders deutlich warnte das Gericht vor den Missbrauchsmöglichkeiten der neuen Regeln. Es bestehe eine „offensichtliche Wahrscheinlichkeit“, dass die Visa von Journalist*innen, die die Regierung oder insbesondere das Heimatschutzministerium kritisieren, nicht verlängert würden. Dies könne auch Vergeltungsmaßnahmen gegen US-amerikanische Journalist*innen zur Folge haben, die im Ausland arbeiten. Als Reaktion auf die neuen US-Regeln könnten andere Staaten ihre eigenen Visa-Bestimmungen für Korrespondent*innen verschärfen.

RSF hatte in seiner Stellungnahme zur geplanten Regelung vor genau diesen Folgen gewarnt. Eine Begrenzung der Visa auf 240 Tage würde Journalist*innen daran hindern, komplexe Themen über längere Zeit zu recherchieren. Gleichzeitig könnten die zusätzlichen bürokratischen Hürden und die daraus resultierende Unsicherheit einen abschreckenden Effekt auf die Berichterstattung haben. Journalist*innen könnten sich gezwungen sehen, Kritik an den Behörden zu vermeiden, aus Angst, dass ihre Anträge abgelehnt werden. RSF hatte das DHS bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, die geplanten Einschränkungen zurückzunehmen.

Das DHS hatte die neuen Regeln erstmals im August 2025 vorgeschlagen und mit einer intensiveren Überprüfung von Visa-Inhaber*innen begründet. Gemeinsam mit 17 weiteren Pressefreiheitsorganisationen forderte RSF, die Pläne fallen zu lassen. Als die US-Regierung im Juli 2026 die endgültige Fassung der Regelung veröffentlichte, warnte RSF erneut vor den Folgen für die internationale Berichterstattung aus den USA.

Nicaraguanischer Journalist von ICE festgenommen

Die neuen Visaregeln treffen internationale Korrespondent*innen, die in der Regel zeitweise aus den USA berichten. Doch insbesondere für Journalist*innen, die in den USA Schutz vor Verfolgung gesucht haben, wird das Land zunehmend unsicherer. Sie gehören zu einer besonders vulnerablen Gruppe: Sie können nicht ohne Weiteres in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Wie prekär ihre Situation werden kann, zeigt der aktuelle Fall des nicaraguanischen Journalisten Luis Galeano. Der Leiter der Online-Newsplattform Café con Voz wurde am 14. September in Florida von der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen. Galeano verfügt über eine gültige Arbeitserlaubnis und lebt seit knapp acht Jahren im Exil in den USA. Sein Asylantrag ist noch nicht entschieden. Laut Medienberichten floh Galeano im Dezember 2018 aus Nicaragua, wenige Tage nachdem die Polizei die Redaktion von 100% Noticias, für die er arbeitete, durchsucht und einen Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte. 2023 entzog das nicaraguanische Regime ihm seine Staatsbürgerschaft. Im Falle einer Abschiebung nach Nicaragua wäre er unmittelbarer Gefahr ausgesetzt. RSF fordert seine sofortige Freilassung.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die USA derzeit auf Platz 64 von 180.

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