Zur Fußballweltmeisterschaft 2026 vom 11. Juni bis 19. Juli werden Tausende Journalist*innen in die Vereinigten Staaten, nach Mexiko und Kanada reisen, um über das größte Sportereignis des Jahres zu berichten. Doch jenseits von Stadien, Fanmeilen und Feierlichkeiten erwartet viele von ihnen ein schwieriges Arbeitsumfeld: Verstärkte Überwachung, vermehrte Polizeieinsätze und strenge Grenzkontrollen können die journalistische Arbeit behindern.
Während die USA in der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 57, ihren bislang schlechtesten Platz, zurückgefallen sind, zählt Mexiko weiterhin zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Journalist*innen. Wer über die Weltmeisterschaft berichtet, sollte sich daher ähnlich sorgfältig vorbereiten wie auf andere potenziell risikoreiche Recherchen. Obwohl Kanada deutlich besser abschneidet als seine Mitgastgeber, sollten Journalist*innen, die über Proteste und andere sensible politische Themen berichten wollen, mögliche Risiken im Blick behalten.
Reporter ohne Grenzen (RSF) empfiehlt, die folgenden Hinweise bei der Berichterstattung rund um die Fußball-WM 2026 zu beachten.
Kickoff: Gut vorbereitet einreisen
Für viele ausländische Journalist*innen beginnen die Risiken bereits vor dem Verlassen des Flughafens. Die US-Grenzbehörden verfügen über weitreichende Befugnisse: Sie können Reisenden die Einreise verweigern, sie zusätzlichen Kontrollen unterziehen oder vorübergehend festhalten – auch wenn diese über ein gültiges Visum, eine Akkreditierung oder eine ESTA-Genehmigung verfügen.
Journalist*innen sollten ihre Rechte bei der Einreise kennen, ihre Redaktionen über ihre Reisepläne informieren und Notfallpläne für den Fall von Befragungen, Festsetzungen oder der Beschlagnahmung von Geräten entwickeln. Sie sollten sich rechtliche Unterstützung organisieren und verschlüsselte Sicherungskopien relevanter Arbeitsmaterialien anlegen. Wer zu sensiblen Themen wie Politik, Migration, Protesten oder internationalen Beziehungen berichtet, muss mit besonderer Aufmerksamkeit der Behörden rechnen.
Da die Weltmeisterschaft in drei Ländern stattfindet, sollten Medienschaffende sich vorab über die jeweiligen Ein- und Wiedereinreisebestimmungen sowie die Arbeitsbedingungen vor Ort informieren. Auch Polizeipraktiken und Notfallstrukturen können sich je nach Stadt und Zuständigkeitsbereich erheblich unterscheiden. Vertrauenswürdige lokale Kontakte helfen dabei, sich in rechtlichen, sprachlichen und sicherheitsrelevanten Fragen zurechtzufinden – insbesondere in dynamischen oder unübersichtlichen Situationen.
In Mexiko können außerhalb der Austragungsorte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen erforderlich sein. In den USA und Kanada sollten Journalist*innen, die über Proteste oder politisch sensible Ereignisse berichten, die lokalen Polizeipraktiken und mögliche Einschränkungen von Versammlungen kennen.
Videobeweis: Überwachung ist Teil des Spiels
Digitale Sicherheit sollte ein zentraler Bestandteil der Reisevorbereitung sein. US-Behörden dürfen an der Grenze elektronische Geräte wie Smartphones oder Laptops kontrollieren und dabei auch Nachrichten, E-Mails oder Aktivitäten in sozialen Netzwerken einsehen. RSF empfiehlt Journalist*innen, sensible Daten vor der Reise von ihren Geräten zu entfernen, sich aus nicht benötigten Konten auszuloggen und biometrische Entsperrmethoden wie Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung zu deaktivieren. Zudem sollten sie ihre öffentlich sichtbaren Social-Media-Inhalte überprüfen, da diese inzwischen bei einigen Visa- und Einreiseverfahren einbezogen werden und zusätzliche Befragungen nach sich ziehen können.
Die Weltmeisterschaft findet überwiegend in dicht überwachten Ballungsräumen statt. Sicherheitsbehörden können bei Großveranstaltungen auf Überwachungskameras, Drohnen, Gesichtserkennung und Technologien zur Handyortung zurückgreifen. Wer in Mexiko zusätzlich über organisierte Kriminalität, Migration, Korruption oder Sicherheitsbehörden berichtet, sollte besondere Vorkehrungen zum Schutz von Quellen, Kommunikation und Standortdaten treffen. Auch in Kanada müssen Journalist*innen bei der Berichterstattung über Proteste oder politisch sensible Ereignisse mit verstärkter digitaler Überwachung rechnen.
Rote Karte: Journalist*innen bleiben gefährdet
Presseakkreditierungen sollen Journalist*innen die sichere Ausübung ihrer Arbeit ermöglichen. Dennoch kam es in den vergangenen Jahren in den USA immer wieder vor, dass Reporter*innen bei der Berichterstattung über Proteste oder Polizeieinsätze trotz gültiger Akkreditierung an ihrer Arbeit gehindert, mit Bußgeldbescheiden belegt oder vorübergehend festgenommen wurden.
Da während des Turniers mit verstärkten Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE zu rechnen ist – einschließlich Racial Profiling und gezielter Maßnahmen gegen besonders vulnerable Gruppen –, empfiehlt RSF ausländischen Journalist*innen dringend, bei der Arbeit stets Ausweisdokumente mitzuführen. Zudem sollten sie sicherstellen, dass sie über die richtige Visumskategorie für ihre journalistische Tätigkeit verfügen.
Wer über Proteste, Einwanderungskontrollen, Polizeimaßnahmen bei Demonstrationen oder andere politisch aufgeladene Themen im Zusammenhang mit dem Turnier berichtet, muss mit Spannungen im Umgang mit den Sicherheitsbehörden rechnen. RSF rät Journalist*innen daher, sich vorab mit den lokalen Regeln zu Versammlungen, Akkreditierungen und dem Umgang mit Polizeikräften vertraut zu machen.
In Mexiko ist besondere Vorsicht geboten, wenn Journalist*innen aus Gegenden abseits der großen Austragungsorte berichten oder Themen wie organisierte Kriminalität, Korruption oder Lokalpolitik behandeln. Ausländische Reporter*innen sollten eng mit vertrauenswürdigen lokalen Kontakten zusammenarbeiten und unnötige Risiken in unbekannten Regionen vermeiden.
Auch in Kanada können Journalist*innen, die über Proteste berichten, mit Einschränkungen durch die Polizei oder erschwertem Zugang zu Sicherheitszonen und Versammlungsorten konfrontiert werden.
Fair Play gilt auch für die Presse: Verstöße melden
RSF ruft Journalist*innen dazu auf, Verstöße gegen die Pressefreiheit während der WM per Mail an [email protected] zu melden. Dazu zählen Behinderungen journalistischer Arbeit, Einschüchterungen, unverhältnismäßige Gewaltanwendung, Überwachung oder willkürliche Festnahmen.
Verstöße gegen die Pressefreiheit und Hilfsanfragen können an [email protected] gerichtet werden.
Weitere Ressourcen:
- RSF-Ressourcen zu physischer und digitaler Sicherheit
- FIFA-Portal zur Meldung von Verstößen
- Reisehinweise der American Civil Liberties Union (ACLU)
- Hinweise zu digitaler Sicherheit der Freedom of the Press Foundation
- „Know Your Risks“-Booklet der National Lawyers Guild
