Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Pakistan
Asien - PazifikSeit seiner Gründung im Jahr 1947 schwankt Pakistan zwischen dem zivilgesellschaftlichen Streben nach mehr Pressefreiheit und einer politischen Realität, in der die politische und militärische Elite ihre Kontrolle über die Medien ständig neu geltend macht.
MEDIEN
Seit dem Ende des staatlichen Rundfunkmonopols im Jahr 2002 hat sich die Medienlandschaft extrem diversifiziert. Heute gibt es rund 100 Fernseh- und über 200 Radiosender, die für die Versorgung der relativ wenig alphabetisierten Bevölkerung (rund 40 Prozent sind Analphabet*innen) mit Informationen eine wichtige Rolle spielen. Zahlreiche Tageszeitungen und Zeitschriften werden auf Urdu, Englisch und in den verschiedenen Regionalsprachen veröffentlicht. Die englischsprachige Presse, die vor allem der städtischen Elite vorbehalten ist, hat eine stärkere Tradition der Unabhängigkeit und dient als Aushängeschild der beiden führenden Mediengruppen Jang und Dawn. Online-Medien wachsen rasant, vor allem wegen der wachsenden Kontrolle des Staates über die Print-Medien.
POLITIK
Trotz wiederholter Machtwechsel zwischen politischen Parteien besteht in Pakistan ein überkommenes Muster fort: Unabhängig von ihrer Ideologie bekennen sich Parteien zur Pressefreiheit, sind jedoch nicht in der Lage, sie zu verteidigen, sobald sie an der Macht sind – vor allem aufgrund des Einflusses des Militärs auf die Staatsgeschäfte. Die Regierung übt direkten Einfluss auf die Medienaufsichtsbehörden aus, die systematisch eher die Regierung schützen als das Recht der Öffentlichkeit auf Information zu gewährleisten. Da das Militär seinen Einfluss auf zivile Institutionen kontinuierlich ausgebaut hat, ist die Berichterstattung über das Eingreifen von Militär und Geheimdiensten in die Politik für Journalist*innen inzwischen tabu.
GESETZE
Unter dem Vorwand, den Journalismus zu schützen, wird das pakistanische Recht dazu instrumentalisiert, jegliche Kritik an der Regierung und dem Militär zu zensieren. Die 2002 eingerichtete pakistanische Regulierungsbehörde für elektronische Medien (PEMRA) kümmert sich weniger um die Regulierung des Mediensektors als vielmehr um die Regulierung der dort veröffentlichten Inhalte. Das 2016 verabschiedete Gesetz zur Verhinderung elektronischer Straftaten (Prevention of Electronic Crimes Act, PECA) dient eher der Einschränkung der Meinungsfreiheit als der Bekämpfung von Online-Kriminalität. Beim 2021 verabschiedeten Gesetz zum Schutz von Journalist*innen und Medienschaffenden ist dieser Schutz an ein bestimmtes „Verhalten“ von Reporter*innen geknüpft. Mit diesen vage formulierten Gesetzen drohen Journalist*innen, die die impliziten roten Linien der Behörden überschreiten, schwere verwaltungs- und strafrechtliche Sanktionen – für „Aufwiegelung“ zum Beispiel bis zu drei Jahre Gefängnis.
WIRTSCHAFT
Trotz ihrer scheinbaren Unabhängigkeit sind vor allem lokale private Medien für ihre Finanzierung auf institutionelle Werbung und amtliche Bekanntmachungen angewiesen. Um die Berichterstattung zu beeinflussen, können die Informationsministerien auf Provinz- und Landesebene daher mit dem Entzug von Werbeanzeigen drohen. Medienunternehmen, die es wagen, rote Linien zu überschreiten, müssen mit allen möglichen finanziellen Repressalien rechnen. Die Gehälter von Journalist*innen, deren Arbeitgeber in finanziellen Schwierigkeiten stecken, werden oft gekürzt, was Selbstzensur fördert.
GESELLSCHAFT
Die auf der Grundlage des sunnitischen Islam gegründete pakistanische Nation ist sprachlich, kulturell und demografisch sehr vielfältig; diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Medien wider. In den ländlichen Gebieten sind die Medien jedoch auf das Wohlwollen der örtlichen Landbesitzer, Stammesführer und Bezirksvorsteher angewiesen, die oft davon besessen sind, den Staat zu verteidigen. Das Vorgehen nichtstaatlicher Akteure wie fundamentalistischer Gruppen, separatistischer Rebellen und Taliban-Kämpfer stellen ebenfalls eine Bedrohung für die Pressefreiheit dar. Daneben verhindert das Fortbestehen traditioneller Werte die Berichterstattung über bestimmte Themen.
SICHERHEIT
Pakistan ist eines der tödlichsten Länder der Welt für Journalist*innen. Jedes Jahr werden drei bis vier Medienschaffende ermordet, vor allem im Zusammengang mit Korruption oder illegalem Handel. Die Verantwortlichen bleiben straffrei. Medienschaffenden, die die von der Inter-Services Public Relations (ISPR) – einem Ableger des Geheimdienstes – vorgegebenen roten Linien überschreiten, müssen damit rechnen, permanent überwacht zu werden, was zu Entführung und mehr oder weniger langer Inhaftierung in staatlichen Gefängnissen oder weniger offiziellen Kerkern führen kann. Darüber hinaus ist der Inter-Services Intelligence (ISI), der pakistanische Militärgeheimdienst, sowie das Intelligence Bureau, das von Zivilisten betrieben wird, bereit, kritische Stimmen ein für allemal zum Schweigen zu bringen.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- RSF-Empfehlungen
Das sollten Demokratien aus der Rangliste der Pressefreiheit 2026 lernen
Die Kriminalisierung journalistischer Arbeit ist inzwischen eine der größten Bedrohungen für Demokratien weltweit. Das zeigt die heute veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter...

- Rangliste der Pressefreiheit 2026
Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Jahresbilanz 2025: 67 getötete Reporter*innen, über 500 in Haft
Journalist*innen weltweit waren auch im Jahr 2025 enorm gefährdet. Das liegt vor allem an bewaffneten Konflikten und dem organisierten Verbrechen: Mindestens 53 der 67 im Zeitraum 1. Dezember 2024 bis...

- Pakistan / Afghanistan
Journalist droht Abschiebung nach Afghanistan
Update: Der Journalist wurde am 15. August mit seiner Familie nach Afghanistan abgeschoben. RSF steht weiter mit ihm in Kontakt.Ein afghanischer Journalist mit Aufnahmezusage für Deutschland steht...

- Rangliste der Pressefreiheit 2025
Wirtschaftlicher Druck schwächt Pressefreiheit
Die Pressefreiheit ist weltweit auf einem historischen Tiefstand. Das zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (RSF) am 2. Mai 2025 veröffentlicht hat. In 90 von 180...

- Pakistan
Afghanische Journalisten verzweifeln im Exil
Razzien, Festnahmen, drohende Abschiebung: Die Situation für afghanische Journalistinnen und Journalisten im pakistanischen Exil hat sich deutlich verschärft. Seit Januar hat die Polizei Wohnungen...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2024
Weltweit 54 Journalisten getötet und 550 in Haft
Sie berichten über Kriege, organisierte Kriminalität und Proteste und bezahlen mit ihrem Leben: In diesem Jahr sind 54 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Besonders...

- Journalismus in Zeiten von #MeToo
Trotz Gewalt mehr Berichte zu Frauenrechten
Seit Beginn der #MeToo-Bewegung vor sieben Jahren, im Oktober 2017, hat die Berichterstattung zu Frauenrechten und geschlechtsspezifischer Gewalt deutlich zugenommen. Das ist ein Ergebnis des neuen...

- Rangliste der Pressefreiheit 2024
Gewalt bedroht Berichterstattung über Wahlen
Mehr Übergriffe im Umfeld von Wahlen und eine Rekordzahl von Ländern mit katastrophalen Bedingungen für Medienschaffende: Die Lage der Pressefreiheit hat sich im weltweiten Vergleich weiter deutlich...

Rangliste der Pressefreiheit 2024
Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht am Freitag, 3. Mai 2024, die Rangliste der Pressefreiheit 2024. Sie spiegelt die Situation von Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Ländern und...

- Internationaler Frauentag
Immer längere Haftstrafen für Journalistinnen
Das Schicksal von Maryna Zolatava steht beispielhaft für viele Frauen, die für ihren Mut einen hohen Preis bezahlen: Die belarussische Journalistin wurde zu zwölf Jahren Straflager verurteilt. Das...

Gewalt gegen Journalisten im Superwahljahr
Rund die Hälfte der Weltbevölkerung - 4,1 Milliarden Menschen - ist im Jahr 2024 zu Wahlen aufgerufen. Gewählt wird in mehr als 60 Staaten, darunter Russland, die USA, Deutschland und Indien. Um...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2023
Weniger Getötete trotz der Tragödie in Gaza
In diesem Jahr sind 45 Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Das sind so wenige wie seit 2002 nicht mehr – trotz des Krieges zwischen Israel und der Hamas. In diesem...

- Afghanistan / Pakistan
Angst vor der Abschiebung
Bin ich hier noch sicher? Diese Frage müssen sich hunderte nach Pakistan geflüchtete afghanische Journalistinnen und Journalisten stellen. Eine verlässliche Antwort gibt es derzeit nicht. Auch wenn...

- Press Freedom Awards 2023
RSF würdigt mutige Journalisten
Die Press Freedom Awards von Reporter ohne Grenzen (RSF) gehen in diesem Jahr an den kolumbianischen Investigativjournalisten Juan Pablo Barrientos, den ägyptischen Blogger Mohamed Oxygen, den...
