Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Afghanistan
Asien - PazifikDie Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 hatte schwerwiegende Folgen für die Pressefreiheit in Afghanistan und die Sicherheit von Medienschaffenden, insbesondere Journalistinnen. Die islamistische Terrorgruppe droht und verfolgt Medienschaffende, durchsucht Redaktionen, zensiert Berichte, verdrängt Journalistinnen aus der Medienlandschaft und inhaftiert unliebsame Reporter*innen.
MEDIEN
Die Taliban haben nach dem 15. August 2021 große Teile der einst lebendigen Medienlandschaft Afghanistans zerstört. Innerhalb von drei Monaten verschwanden 43 Prozent der afghanischen Medien. Von den rund 12.000 Journalist*innen, die 2021 noch in Afghanistan arbeiteten, haben mehr als zwei Drittel ihren Beruf aufgegeben. Zudem hat sich eine Medienlandschaft entwickelt, in der Frauen im Journalismus weitgehend fehlen: Acht von zehn Journalistinnen mussten ihre Arbeit aufgeben. Die wenigen Journalistinnen, die noch arbeiten, werden stark eingeschränkt. Sie haben etwa keinen Zugang zu offiziellen Quellen, dürfen nicht ohne Begleitung reisen und werden belästigt. Moderatorinnen müssen ihr Gesicht verhüllen.
POLITIK
Am 7. September 2021 kündigten die Taliban die Bildung einer eigenen Regierung an, das Islamische Emirat Afghanistan. Seitdem wurden Dutzende Medienschaffende festgenommen. Die Situation ist für Journalist*innen sehr unübersichtlich, da sie Anweisungen von vielen verschiedenen Regierungsstellen erhalten, darunter dem Minister für Kultur und Information, dem Geheimdienst Istikhbarat (GDI), dem sogenannten Ministerium für die Förderung der Tugend und die Unterdrückung des Lasters sowie dem Medien- und Informationszentrum der Regierung (GMIC).
GESETZE
Im September verkündete die Taliban-Regierung die „Elf Regeln für den Journalismus“. Diese vage formulierten Grundsätze ebnen den Weg zu Zensur und Verfolgung. Im Februar 2022 behauptete der Taliban-Sprecher und stellvertretende Informations- und Kulturminister Zabihulla Mujahid gegenüber RSF, dass das Mediengesetz vom März 2015 immer noch in Kraft sei. Doch das Justizministerium kündigte 2024 an, dass es aufgehoben wird. Die 2022 neu gegründete Kommission für Medienbeschwerden (MCRVC) untersteht dem Ministerium für Information und Kultur. Das sogenannte Gesetz zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters von 2024 hat zur Schließung von Fernsehsendern in mehreren Provinzen geführt. Es schreibt unter anderem vor, dass die Stimme einer Frau außerhalb ihres Zuhauses nicht zu hören sein darf, was viele Medien dazu veranlasst hat, alle Inhalte, die sich auf Frauen konzentrieren, aufzugeben. Gleichzeitig lässt das GDI weiter Journalist*innen festnehmen.
WIRTSCHAFT
Die zuvor von internationaler Hilfe abhängige Wirtschaft ist zusammengebrochen. Dieses Umfeld hat die Medien weiter geschwächt und den Journalismus prekärer gemacht. Die unabhängigen Medien Afghanistans, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten dank ausländischer Finanzierung und internationaler Projekte überlebt hatten, wurden durch die Einstellung der internationalen Finanzierung sehr hart getroffen. Darüber hinaus befinden sich die Medien angesichts eines erheblichen Rückgangs der Werbeeinnahmen, steigender Betriebskosten (Steuern, Lizenzverlängerungen, Strom usw.) und zahlreicher Einschränkungen weiterhin in einer prekären finanziellen Lage.
GESELLSCHAFT
Kritik an den Taliban ist streng verboten und Journalist*innen zensieren sich oft selbst. Über viele Themen können Medien nur schwer oder gar nicht berichten. Themen, die Religion, die Stellung der Frau und Menschenrechte im Allgemeinen betreffen, sind tabu. Inoffizielle Zensur wird auf verschiedene Weise ausgeübt. In einigen Provinzen müssen Journalist*innen ihre Artikel vor der Veröffentlichung an die örtliche Abteilung für Information und Kultur schicken. Manchmal werden Taliban als Mitarbeiter von Medienunternehmen eingestellt, um diese zu überwachen. Soziale Medien werden streng überwacht. Nur wenige afghanische Exilmedien berichten unabhängig über das Land. Doch Exilmedien und ausländische Medien erreichen nur die Menschen mit Internetzugang
SICHERHEIT
Viele Journalist*innen sind nach der Machtübernahme der Taliban ins Ausland geflohen. Reporter*innen, die geblieben sind, müssen ständig damit rechnen, durch Sicherheitskräfte der Taliban festgenommen zu werden. Medienschaffende werden vom Geheimdienst teils ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und misshandelt. Journalist*innen, die für ausländische oder im Exil ansässige Medien arbeiten, stehen besonders im Visier. Die Taliban werfen ihnen etwa Verleumdung oder Spionage vor. Der französisch-afghanische Journalist Mortaza Behboudi war nach seiner Festnahme am 5. Januar 2023 neun Monate lang inhaftiert.
Unterstützung afghanischer Journalist*innen
Hier finden Sie weitere Information zur RSF Nothilfearbeit in Afghanistan.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2020
387 Journalistinnen und Journalisten in Haft
Die Zahl inhaftierter Medienschaffender bleibt weltweit auf sehr hohem Niveau. Zum Jahresende 2020 sitzen weltweit mindestens 387 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende wegen...

- Russland/Afghanistan/Ägypten/Hongkong
RSF Press Freedom Awards 2020 verliehen
Reporter ohne Grenzen hat am Dienstag (8. Dezember) in Taiwan die RSF Press Freedom Awards 2020 verliehen. Ausgezeichnet wurden die russische Journalistin Jelena Milaschina mit dem Preis für Mut,...

RSF gibt Nominierte 2020 bekannt
Reporter ohne Grenzen nominiert in diesem Jahr zwölf Journalistinnen und Journalisten beziehungsweise Medien aus zwölf Ländern für die internationale Auszeichnung mit den Press Freedom Awards. Die...

Journalisten mit dem Tode bedroht
Reporter ohne Grenzen (RSF) ist bestürzt über die Verhängung von Todesurteilen in unterschiedlichen Ländern, um Journalistinnen und Journalisten zu bedrohen und einzuschüchtern. 2020 sind bereits vier...

#FreeThemAll: Mahboboalah Hakimi
In Afghanistan ist der Journalist Mahboboalah Hakimi erneut festgenommen worden. Agenten der Nationalen Sicherheitsdirektion (NDS), dem afghanischen Inlandsgeheimdienst, hatten Hakimi ursprünglich...

Helden der Informationsfreiheit
Mit einer Liste der „Heldinnen und Helden der Informationsfreiheit“ macht Reporter ohne Grenzen (RSF) auf Medienschaffende aufmerksam, die sich in der Corona-Krise in besonderem Maß für freie...

- Rangliste der Pressefreiheit 2020
Journalisten unter Druck von vielen Seiten
Immer dreister auftretende autoritäre Regime, repressive Gesetze gegen vermeintliche Falschmeldungen, populistische Stimmungsmache und die Erosion traditioneller Medien-Geschäftsmodelle stellen die...

- Fünf Jahre nach Charlie Hebdo
Schutz vor religiös motivierten Angriffen
Fünf Jahre nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 fordert Reporter ohne Grenzen (ROG) gemeinsam mit zwei Sonderberichterstattern der Vereinten Nationen...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2019
Weltweit 389 Medienschaffende im Gefängnis
Zum Jahresende 2019 sitzen weltweit 389 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit im Gefängnis, zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast...

- Afghanistan
Wahlen: Pressefreiheit entschieden schützen
Vor den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan am Samstag (28.09.) fordert Reporter ohne Grenzen (ROG) die Kandidaten auf, sich für die Pressefreiheit und den Schutz von Journalistinnen und...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2018
Weltweit 80 Medienschaffende getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mindestens 80 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, 15 mehr als im Vorjahr....

- Afghanistan
Journalisten sind in Afghanistan nirgends sicher
Reporter ohne Grenzen verurteilt den Doppelanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul, bei dem heute mindestens neun Journalisten getötet und sechs weitere schwer verletzt wurden. Nach der ersten...

- Rangliste der Pressefreiheit 2018
Immer mehr Hetze gegen Journalisten in Europa
In keiner anderen Weltregion hat sich die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so stark verschlechtert wie in Europa. Journalistinnen und Journalisten sind dort zunehmend medienfeindlicher...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2017
Weltweit 65 Medienschaffende getötet
Im zu Ende gehenden Jahr sind weltweit mindestens 65 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Fast die Hälfte von ihnen...

Anschlag auf Fernsehsender in Kabul
Reporter ohne Grenzen verurteilt den heutigen Angriff auf den Fernsehsender Schamschad TV in der afghanischen Hauptstadt Kabul auf das Schärfste. „Dieser feige Angriff zielte direkt auf das...
