Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Argentinien
AmerikaSeit dem Amtsantritt von Javier Milei haben Beleidigungen, Verleumdungen und Drohungen gegenüber regierungskritischen Journalist*innen und Medien deutlich zugenommen. Zudem verschärfen neue Reformen bestehende Probleme: Eine hohe Medienkonzentration mit undurchsichtigen Besitzverhältnissen, eine starke Polarisierung und niedrige Gehälter in der Medienbranche bedrohen die Pressefreiheit in Argentinien.
MEDIEN
Informations- und Meinungsfreiheit sind gesetzlich garantiert, aber ein vielfältiger Journalismus wird unter anderem dadurch beeinträchtigt, dass der Medienbesitz stark konzentriert ist. Die Clarín-Gruppe dominiert den Markt. Auch die Konzerne Indalo, Werthein, Octubre und der Unternehmer Marcelo Fígoli nehmen großen Einfluss. Zu den beliebtesten Angeboten zählen die Tageszeitung La Nación, der Fernsehsender América, die Nachrichtenwebsite Infobae und der private Sender Telefe. Die Regierung nutzt Werbeausgaben gezielt, um ihr nahestehende Medien zu belohnen. 2024 ließ Milei die führende staatliche Nachrichtenagentur Télam schließen – ein schwerer Schlag für die Pressefreiheit.
POLITIK
Der 2023 gewählte rechtspopulistische Präsident Javier Milei schürt die Feindseligkeit gegenüber Journalist*innen. Er beschimpft regierungskritische Medien und einzelne Journalist*innen, um sie öffentlich zu diskreditieren – ein Vorgehen, das von seinen Anhänger*innen weitgehend unterstützt und häufig übernommen wird. Die politischen Gegensätze, die Polarisierung der Gesellschaft und die Zunahme von Hassrede hat einen direkten Einfluss auf den Journalismus: Viele Medien meiden unter anderem sensible Themen aus Angst vor Konsequenzen. Die Berichterstattung konzentriert sich fast ausschließlich auf die großen Städten, vor allem Buenos Aires.
GESETZE
Die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung sind in der Verfassung verankert. Seit der Wiedereinführung der Demokratie 1983 hat sich die Gesetzgebung von den autoritären Überbleibseln der vergangenen Jahrzehnte befreit: Beleidigung, Verleumdung und üble Nachrede sind keine Straftatbestände mehr; Zahlungen von Schadensersatz bei Falschinformationen oder Verleumdung sind nur in Zivilverfahren möglich; der Quellenschutz und das Berufsgeheimnis sind garantiert. Dennoch wird versucht, mit subtileren Mitteln, wie wirtschaftlichem Druck, Journalist*innen zum Schweigen zu bringen. Fortschritte bei der Eindämmung von Zensur bleiben aus. Präsident Javier Milei hat angekündigt, staatliche Medien schließen oder privatisieren zu wollen. Außerdem will er lokale Medien nicht länger finanzieren, was die Vielfalt an Nachrichten und Informationen weiter einschränken würde.
WIRTSCHAFT
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die das Land im vergangenen Jahrzehnt geprägt haben, haben auch die argentinische Presse schwer getroffen. Die einflussreichsten Medien gehören einer kleinen Gruppe von Konglomeraten, die mit der Telekommunikations- und Ölindustrie sowie der Entwicklung öffentlicher Projekte in Verbindung stehen. Zwischen 2015 und 2019 wurden fast alle Regelungen aufgehoben, die Medienkonzentration und Interessenskonflikte verhindern sollten. Der Staat spielt durch die Vergabe von Werbeaufträgen, Steuerbefreiungen und Verträgen eine undurchsichtige Rolle. Milei hat die meisten Behörden abgeschafft, die Medienvielfalt fördern und den Telekommunikationsmarkt überwachen sollten.
GESELLSCHAFT
Argentinien ist ein Land der Gegensätze: In der Hauptstadt Buenos Aires lebt mehr als ein Drittel der Bevölkerung; daneben gibt es 20 mittelgroße Städte und weite, dünn besiedelte Gebiete. Während im ganzen Land kulturelle Angebote zugänglich sind, unterscheiden sich die Bedingungen für journalistische Arbeit und ihre Verbreitung stark. Mit der politischen Polarisierung und dem Aufstieg einer ultrakonservativen Bewegung unter Javier Milei haben sowohl Online-Gewalt als auch Übergriffe im öffentlichen Raum zugenommen – nicht selten unter Mitwirkung der Polizei.
SICHERHEIT
Seit der Ermordung des Fotojournalisten José Luis Cabezas im Jahr 1997 wurde kein Medienschaffender mehr getötet. Einzelne festgenommene Journalist*innen wurden schnell wieder freigelassen; aktuell sitzt niemand in Haft. Journalist*innen können allerdings zur Zielscheibe von Polizeigewalt bei Großdemonstrationen und von Einschüchterungen durch kriminelle Organisationen (Korruption, Drogen- und Menschenhandel) werden. Übergriffe sind in der Regel häufiger in Gebieten fernab der Großstädte. In den sozialen Netzwerken werden Journalist*innen oft beleidigt, schikaniert und stigmatisiert.
Ihre Ansprechpartnerin
Aktuelles
- Würdigung mutiger Medienschaffender
Das sind die Preisträger*innen der RSF Press Freedom Awards 2026
Die 34. Verleihung der Press Freedom Awards von Reporter ohne Grenzen (RSF) fand am 1. Juni im Rahmen des 77. World News Media Congress in Marseille statt. Mit der Auszeichnung werden jedes Jahr...

- RSF-Empfehlungen
Das sollten Demokratien aus der Rangliste der Pressefreiheit 2026 lernen
Die Kriminalisierung journalistischer Arbeit ist inzwischen eine der größten Bedrohungen für Demokratien weltweit. Das zeigt die heute veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter...

- Rangliste der Pressefreiheit 2026
Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Jahresbilanz 2025: 67 getötete Reporter*innen, über 500 in Haft
Journalist*innen weltweit waren auch im Jahr 2025 enorm gefährdet. Das liegt vor allem an bewaffneten Konflikten und dem organisierten Verbrechen: Mindestens 53 der 67 im Zeitraum 1. Dezember 2024 bis...

- Propaganda-Monitor
Lateinamerika – Ein Hotspot für russische Propaganda
Seit Jahren verfolgt Reporter ohne Grenzen (RSF) die Strategien russischer Desinformation weltweit und hat im Rahmen des Propaganda-Monitors einen umfassenden Bericht veröffentlicht. RT (ehemals...

Die Feinde der Pressefreiheit 2025
Zum Internationalen Tag zur Beendigung der Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten am 2. November veröffentlicht Reporter ohne Grenzen (RSF) die Profile von 34 Feinden der Pressefreiheit. Sie...

- Zum Tag der Demokratie
RSF-Bildband "Fotos für die Pressefreiheit 2025"
„Autoritäre Regime beginnen ihren Machtausbau in der Regel damit, Medien und Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern und einzuschränken“, schreibt Gemma Pörzgen, Vorstandsmitglied von Reporter...

- Rangliste der Pressefreiheit 2025
Wirtschaftlicher Druck schwächt Pressefreiheit
Die Pressefreiheit ist weltweit auf einem historischen Tiefstand. Das zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (RSF) am 2. Mai 2025 veröffentlicht hat. In 90 von 180...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2024
Weltweit 54 Journalisten getötet und 550 in Haft
Sie berichten über Kriege, organisierte Kriminalität und Proteste und bezahlen mit ihrem Leben: In diesem Jahr sind 54 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Besonders...

- Journalismus in Zeiten von #MeToo
Trotz Gewalt mehr Berichte zu Frauenrechten
Seit Beginn der #MeToo-Bewegung vor sieben Jahren, im Oktober 2017, hat die Berichterstattung zu Frauenrechten und geschlechtsspezifischer Gewalt deutlich zugenommen. Das ist ein Ergebnis des neuen...

- Rangliste der Pressefreiheit 2024
Gewalt bedroht Berichterstattung über Wahlen
Mehr Übergriffe im Umfeld von Wahlen und eine Rekordzahl von Ländern mit katastrophalen Bedingungen für Medienschaffende: Die Lage der Pressefreiheit hat sich im weltweiten Vergleich weiter deutlich...

Rangliste der Pressefreiheit 2024
Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht am Freitag, 3. Mai 2024, die Rangliste der Pressefreiheit 2024. Sie spiegelt die Situation von Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Ländern und...

- Internationaler Frauentag
Immer längere Haftstrafen für Journalistinnen
Das Schicksal von Maryna Zolatava steht beispielhaft für viele Frauen, die für ihren Mut einen hohen Preis bezahlen: Die belarussische Journalistin wurde zu zwölf Jahren Straflager verurteilt. Das...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2023
Weniger Getötete trotz der Tragödie in Gaza
In diesem Jahr sind 45 Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Das sind so wenige wie seit 2002 nicht mehr – trotz des Krieges zwischen Israel und der Hamas. In diesem...

- Rangliste der Pressefreiheit 2023
Unterdrückung von Berichterstattung nimmt zu
Krisen, Kriege und die anhaltende Ausbreitung des Autoritarismus haben dazu geführt, dass die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so instabil war wie seit langem nicht. Dies lässt sich aus der...
