Der Fotograf und Lokaljournalist Ricardo Zúñiga Rosas ist am 29. August im mexikanischen Bundesstaat Puebla erschossen worden. Der 35-Jährige hatte wenige Monate zuvor öffentlich gemacht, dass er wegen seiner Berichterstattung über die örtliche Verwaltung bedroht worden war. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert eine umfassende Aufklärung des Mordes und ruft Präsidentin Claudia Sheinbaum und die Bundesbehörden erneut dazu auf, umgehend einen landesweiten Notfallplan gegen die Gewalt an Journalist*innen einzuleiten.
Zúñiga wurde in Santa Cruz Atopoltitlán in der Gemeinde Tehuitzingo im Süden von Puebla erschossen. Laut Medienberichten drangen zwei Männer in ein Geschäft ein, in dem sich der Journalist aufhielt, und schossen auf ihn. Zúñiga wurde in ein Krankenhaus gebracht, bei seiner Ankunft war er jedoch bereits tot. Er ist der achte Journalist, der 2026 in Mexiko getötet wurde. Damit wurde in diesem Jahr im Durchschnitt jeden Monat ein Journalist ermordet.
Zúñiga berichtete vor allem über seine Facebook-Seite mit rund 13.000 Follower*innen und über seinen YouTube-Kanal „Richie TV“. Er veröffentlichte Fotos und Videos, übertrug Beschwerden von Bürger*innen live und berichtete über öffentliche Bauprojekte, den Umgang mit öffentlichen Geldern und andere Lokalthemen.
„Ricardo Zúñiga Rosas hatte öffentlich gemacht, dass er wegen seiner Berichterstattung bedroht worden war“, sagt Maren Pfalzgraf, RSF-Pressereferentin für Lateinamerika. „Trotzdem wurde er nicht ausreichend geschützt. Die Regierung ist für diesen Mord und alle weiteren mitverantwortlich – ihr Nichtstun tötet.“
Journalist erhielt Drohanruf
Im Mai hatte Zúñiga auf Facebook öffentlich gemacht, dass er am 3. April einen Drohanruf erhalten hatte. Eine unbekannte Person habe ihn aufgefordert, nicht mehr über bestimmte Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Kommunalverwaltung zu berichten. Explizit ging es um den Betrieb der örtlichen Mülldeponie, die Verwendung öffentlicher Gelder und kommunale Bauprojekte. Sollte er seine Berichterstattung fortsetzen, werde dies Konsequenzen für ihn haben.
Die Regierung von Puebla verurteilte den Mord und forderte die Generalstaatsanwaltschaft auf, zu prüfen, ob Zúñigas journalistische Arbeit das Motiv für die Tat war.
Appell von RSF und über 40 Medien an die Regierung
Der Mord an Zúñiga ereignete sich nur drei Tage nach einem gemeinsamen Appell von RSF und mehr als 40 mexikanischen Medien. Am 26. August hatten sie Präsidentin Claudia Sheinbaum und die Justizbehörden aufgefordert, angesichts der anhaltenden Gewalt konkrete Maßnahmen zum Schutz von Journalist*innen zu ergreifen.
Bereits am 6. August hatte RSF gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Article 19, dem Committee to Protect Journalists (CPJ) und der Organisation Propuesta Cívica die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Puebla getroffen und auf die dringend notwendige Stärkung von Schutzmaßnahmen für Journalist*innen hingewiesen.
Die sieben weiteren Journalist*innen, die 2026 in Mexiko getötet wurden:
- Francisco Alejandro Leyva Aguilar, Journalist, politischer Kommentator und ehemaliger Leiter des öffentlich-rechtlichen Senders CORTV, wurde am 22. Juli im Bundesstaat Oaxaca erschossen. Ein Jahr zuvor hatte er bereits wegen Morddrohungen Anzeige erstattet.
- Josué Martínez Contreras, Leiter des digitalen Nachrichtenportals Noticias San Martín Texmelucan, wurde am 16. Juli getötet.
- Manuel Alejandro Moreno Serna, bekannt als Alex Serna und Journalist beim Observatorio Ciudadano de la Costa Grande, wurde am 3. Juli ermordet.
- Luis Ángel López Valdez, Leiter von Reportaje Policiaco Veracruzano, wurde am 11. Juni erschossen. Er war zuvor in das staatliche Schutzprogramm aufgenommen worden.
- Roxana Guzmán Ramírez, Gründerin des Facebook-Nachrichtenportals Pulso Informativo del Sureste, wurde am 2. Juni entführt. Ihre Leiche wurde Ende Juni gefunden.
- Juan David Gámez von der Nachrichtenplattform Táctica SS wurde am 18. März erschossen.
- Carlos Castro, Leiter der Facebook-Nachrichtenseite Código Norte de Veracruz, wurde am 8. Januar ermordet. Er war 2024 in das örtliche Schutzprogramm aufgenommen worden, nachdem er Drohungen erhielt. Die Schutzmaßnahmen wurden jedoch wieder eingestellt, da die Behörden ihn nicht mehr als gefährdet einstuften.
Mexiko bleibt eines der gefährlichsten Länder für Medienschaffende. Das Land belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit Platz 122 von 180 Staaten.
