Medienpluralismus | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit

Medienpluralismus

Warum ist Medienpluralismus wichtig?

Es ist nicht egal, wem ein Sender, ein Verlag oder ein Internetportal gehört, denn Medienbesitz bedeutet Meinungsmacht. Und Meinungsmacht garantiert Einfluss. Die Kontrolle über Massenmedien unterscheidet sich deshalb von jedem anderen Wirtschaftszweig. Unabhängige Medien und eine vielfältige Medienlandschaft sind Grundpfeiler einer gesunden Demokratie. Nur sie garantieren eine professionelle Berichterstattung, die auch Krititk und Kontrolle staatlicher Gewalt einschließt. Medienpluralismus ist überall dort in Gefahr, wo die Macht über Medieninhalte und damit die öffentliche Meinung in den Händen einiger Weniger liegt und deren Interessen dient.

Wer als Mediennutzer eine Zeitung in den Händen hält oder einen Fernsehsender schaut, erkennt meist schnell die Ausrichtung des jeweiligen Mediums. Sie entspricht einer bestimmten Zielgruppe und reflektiert, bisweilen unübersehbar, den politischen Hintergrund der Besitzer. Denn oft sehen Eigentümer ihre Massenmedien nicht als wichtigen Kanal zur Meinungsbildung für die Allgemeinheit, sondern auch oder sogar ausschließlich als Instrument zur Durchsetzung ihrer Interessen: So nehmen manche Medienunternehmer Angebote an, gegen Bezahlung bestimmte politische Inhalte zu veröffentlichen, um sich die Loyalität der Staatsmacht zu sichern. In anderen Wirtschaftszweigen erfolgreiche Geschäftsleute betrachten ihre Medien als politisches Werkzeug oder auch als Instrument im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf.

Zwar sind die Barrieren für den Eintritt in den Medienmarkt in unserer heutigen, digitalen Medienwirtschaft niedriger denn je – was Pluralismus fördern kann. Gleichzeitig verändern sich die traditionellen Geschäftsmodelle der Branche jedoch so extrem, dass neue Konzentrationsprozesse sichtbar werden. Während die wenigen, sprichwörtlichen Medienzare aus der analogen Epoche der Öffentlichkeit in der Regel bekannt waren, ist in unserem heutigen Informationszeitalter meist das Gegenteil der Fall.

Die Transparenz der Besitzverhältnisse ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für die effektive Kontrolle von Medienkonzentration und für die Medienkompetenz der Allgemeinheit.

Was hat der Media Ownership Monitor mit Medienpluralismus zu tun?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen internem und externem Medienpluralismus. Mit internem Pluralismus ist die Vielfalt von Inhalten, Sichtweisen und Meinungen innerhalb einer Publikation, einer Sendung oder eines Medienangebotes allgemein gemeint. Externer Pluralismus bezieht sich auf die Vielfalt eines Medienmarktes insgesamt, also die Zahl und Diversität der Anbieter. Das Gegenteil von Medienpluralismus – also Medienkonzentration – kann in beiden Dimensionen auftreten und sich gegenseitig verstärken. Risiken für die Demokratieentwicklung entstehen daraus, wenn

  • nur wenige Marktteilnehmer einen dominierenden Einfluss auf die öffentliche Meinung haben und die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter besonders hoch sind (Konzentration von Medienbesitz);
  • Medieninhalte gleichförmig gestaltet sind und bestimmte Meinungen, Strömungen und Teile der Gesellschaft ausgeschlossen sind (Konzentration von Medieninhalt);
  • das Publikum, trotz möglicherweise vielfältigem Angebot, nur wenige Medien tatsächlich nutzt (Konzentration der Mediennutzung).

MOM konzentriert sich auf den externen Medienpluralismus, also die Untersuchung des Medienmarktes nach Angebot und Nachfrage. Dabei lassen wir uns von der Frage leiten: wer kontrolliert die Medien? – und beantworten sie, in dem wir

  • über die Eigentümer der wichtigsten Medien eines Landes, sortiert nach den Gattungen Print, TV, Radio und Online informieren;
  • den Einfluss dieser Medien und ihrer Besitzer nach der Reichweite gewichten;
  • den Kontext von politischen Verbindungen und anderen Interessen dieser Eigentümer aufdecken und
  • den regulatorischen und medienrechtlichen Rahmen, sowie die Wirksamkeit existierender Gesetze oder auch deren Mängel darstellen.

Die Datenerhebung, Analyse und Publikation erfolgt nach einer generell gültigen Methodik, die in allen Zielländern eingesetzt wird. Quellen sind die Medienunternehmen selbst, öffentlich zugängliche Verzeichnisse und zusätzliche, journalistische Recherche. Alle Ergebnisse werden online veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.


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