Weltkarte wird geladen...
Interaktive Weltkarte mit Pressefreiheits-Ranglisten nach Ländern.
Länder sind farbkodiert von grün (beste) bis rot (schlechteste) basierend auf Pressefreiheits-Scores.
Klicken Sie auf ein Land, um detaillierte Informationen anzuzeigen. Verwenden Sie die Pfeiltasten zur Navigation, Enter zur Auswahl.
Nepal
Asien - PazifikNach den gewaltsamen Ereignissen, die zum Ende einer 240 Jahre alte Monarchie führten, markierte die Gründung einer demokratischen föderalen Republik in Nepal 2008 ein neues Kapitel für die Pressefreiheit in der 30 Millionen Einwohner*innen zählenden Enklave im Himalaya.
MEDIEN
Die Medienlandschaft ist überaus vielfältig mit 4800 Zeitungen und Zeitschriften, 880 Radio- und 160 Fernsehsendern und über 3100 Online-Nachrichtenportalen. Die nepalesische Regierung ist einer der größten Medieneigentümer und hat direkten Einfluss auf die Ernennung der Chefredaktionen, wie es bei der 1901 gegründeten zweisprachigen Tageszeitung Gorkhapatra (Rising Nepal) der Fall ist. Der wichtigste privatwirtschaftliche Akteur ist die Kantipur Media Group (KMG), ein Konglomerat, dessen Aktivitäten weit über den Medienbereich hinausgehen. Im Online-Bereich konkurriert die Gruppe zunehmend mit innovativen Nachrichtenseiten wie onlinekhabar.com, ratopati.com und setopati.com.
POLITIK
Seit Gründung der Republik ist das politische Klima für Medienschaffende allmählich entspannter geworden – zumindest dem Anschein nach, denn die nepalesische Gesellschaft ist nach wie vor stark politisiert. Jede größere politische Partei hat über eine Gewerkschaft oder eine Journalistenorganisation eine Stimme. Die Federation of Nepali Journalists (FNJ) erhält erhebliche finanzielle Unterstützung aus der Staatskasse. Politiker*innen und Regierungsvertreter*innen haben die Medien wiederholt mit unbegründeten Angriffen ins Visier genommen, um den Journalismus zu diskreditieren. Zudem untergräbt die Praxis, Journalist*innen als Presseberater*innen in verschiedenen administrativen und politischen Gremien auf lokaler wie nationaler Ebene einzusetzen, die Glaubwürdigkeit des Berufs in der Öffentlichkeit. Die Entscheidung der Regierung, den Zugang zu 26 sozialen Medienplattformen zu blockieren, löste im September 2025 eine landesweite Protestbewegung aus, die gewaltsam niedergeschlagen wurde und zum Rücktritt des Premierministers führte. Im Jahr 2026 wurde Balendra Shah neuer Premierminister.
GESETZE
Die Republik Nepal ist eines der wenigen Länder der Welt, das bereits in der Präambel seiner Verfassung „vollständige Pressefreiheit“ proklamiert. Diese Bestimmung ist in mehrere Grundrechte unterteilt, darunter das Recht auf freie Meinungsäußerung, den Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen und den Schutz der Privatsphäre. Bislang fehlen allerdings noch Rechtsvorschriften, um einen von der Regierung unabhängigen Medienrat schaffen und die redaktionelle Autonomie staatlicher Medien zu garantieren. Zudem behindert eine Reihe von Bestimmungen des im August 2018 verabschiedeten Strafgesetzbuchs den investigativen Journalismus und schränkt die Kritik an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein. Der im Aufbau befindliche Rechtsrahmen könnte von proaktiven Initiativen in Provinzen wie Bagmati und Mahesh profitieren, die beim Schutz von Medienschaffenden eine Vorreiterrolle einnehmen.
WIRTSCHAFT
Medienunternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Journalist*innen einen im Working Journalists Act festgelegten Mindestlohn zu zahlen, doch in der Praxis geschieht dies selten. Niedrige Bezahlung untergräbt die Unabhängigkeit von Journalist*innen und die Einhaltung berufsethischer Standards und führt dazu, dass viele den Beruf aufgeben. Bestechungszahlungen im Austausch für wohlwollende Berichterstattung oder das Verschweigen unerwünschter Informationen sind weit verbreitet. Die Regierung unterstützt Medien durch institutionelle Werbeverträge, doch dieses System begünstigt redaktionelle Parteilichkeit, da bevorzugt jene Medien berücksichtigt werden, die ihre Politik unterstützen. Finanzielle Interessen beeinträchtigen die redaktionelle Unabhängigkeit und fördern eine weit verbreitete Selbstzensur.
GESELLSCHAFT
Seit dem Ende des Bürgerkriegs 2006 profitiert die Pressefreiheit in Nepal von einer lebendigen Debattenkultur. Dennoch sind einige Teile der Gesellschaft deutlich unterrepräsentiert, und der Berufsstand hat Mühe, die gesellschaftliche Vielfalt widerzuspiegeln. Nur 15 Prozent der nepalesischen Medienschaffenden sind Frauen. Außerdem bleibt der Zugang zum Beruf für die ärmeren Teile der Gesellschaft unerreichbar – ein Phänomen, das durch das Fortbestehen alter, aus der hinduistischen Tradition stammender Kastenstrukturen noch verstärkt wird. Diese Tendenz spiegelt sich in den Inhalten der großen Medien wider, die dazu neigen, die Probleme marginalisierter Bevölkerungsgruppen, insbesondere in ländlichen und/oder abgelegenen Gebieten, zu vernachlässigen.
SICHERHEIT
Das Vorgehen der Sicherheitskräfte und die Aktivitäten einiger Rebellengruppen sind besonders heikel. Mangels angemessener Sicherheitsschulungen verzichten viele Medienschaffende darauf, über diese Themen zu berichten. Es gibt zwar Schutzmechanismen, die insbesondere vom Presserat und der Nationalen Menschenrechtskommission unterstützt werden. Sie können Reporter*innen in Notlagen jedoch kaum schnelle Hilfe leisten. Zahlreiche Fälle von Überwachung, Drohung und Einschüchterung zwingen Journalist*innen zur Selbstzensur. Auch schleichender Druck kann Medienschaffende dazu bringen, Berichterstattung über heikle Themen aus Angst vor Diskreditierung zu vermeiden.
Ihr Ansprechpartner
Aktuelles
- RSF-Empfehlungen
Das sollten Demokratien aus der Rangliste der Pressefreiheit 2026 lernen
Die Kriminalisierung journalistischer Arbeit ist inzwischen eine der größten Bedrohungen für Demokratien weltweit. Das zeigt die heute veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter...

- Rangliste der Pressefreiheit 2026
Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Jahresbilanz 2025: 67 getötete Reporter*innen, über 500 in Haft
Journalist*innen weltweit waren auch im Jahr 2025 enorm gefährdet. Das liegt vor allem an bewaffneten Konflikten und dem organisierten Verbrechen: Mindestens 53 der 67 im Zeitraum 1. Dezember 2024 bis...

- Nepal
RSF fordert Gerechtigkeit für getötete Journalisten
Mehr als einen Monat nach dem tödlichen Brandanschlag auf den nepalesischen Kameramann Suresh Rajak konnten keine Verdächtigen ermittelt werden. Auch im Fall des im November 2024 getöteten...

- Rangliste der Pressefreiheit 2025
Wirtschaftlicher Druck schwächt Pressefreiheit
Die Pressefreiheit ist weltweit auf einem historischen Tiefstand. Das zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (RSF) am 2. Mai 2025 veröffentlicht hat. In 90 von 180...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2024
Weltweit 54 Journalisten getötet und 550 in Haft
Sie berichten über Kriege, organisierte Kriminalität und Proteste und bezahlen mit ihrem Leben: In diesem Jahr sind 54 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Besonders...

- Journalismus in Zeiten von #MeToo
Trotz Gewalt mehr Berichte zu Frauenrechten
Seit Beginn der #MeToo-Bewegung vor sieben Jahren, im Oktober 2017, hat die Berichterstattung zu Frauenrechten und geschlechtsspezifischer Gewalt deutlich zugenommen. Das ist ein Ergebnis des neuen...

- Rangliste der Pressefreiheit 2024
Gewalt bedroht Berichterstattung über Wahlen
Mehr Übergriffe im Umfeld von Wahlen und eine Rekordzahl von Ländern mit katastrophalen Bedingungen für Medienschaffende: Die Lage der Pressefreiheit hat sich im weltweiten Vergleich weiter deutlich...

Rangliste der Pressefreiheit 2024
Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht am Freitag, 3. Mai 2024, die Rangliste der Pressefreiheit 2024. Sie spiegelt die Situation von Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Ländern und...

- Internationaler Frauentag
Immer längere Haftstrafen für Journalistinnen
Das Schicksal von Maryna Zolatava steht beispielhaft für viele Frauen, die für ihren Mut einen hohen Preis bezahlen: Die belarussische Journalistin wurde zu zwölf Jahren Straflager verurteilt. Das...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2023
Weniger Getötete trotz der Tragödie in Gaza
In diesem Jahr sind 45 Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Das sind so wenige wie seit 2002 nicht mehr – trotz des Krieges zwischen Israel und der Hamas. In diesem...

- Rangliste der Pressefreiheit 2023
Unterdrückung von Berichterstattung nimmt zu
Krisen, Kriege und die anhaltende Ausbreitung des Autoritarismus haben dazu geführt, dass die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so instabil war wie seit langem nicht. Dies lässt sich aus der...

- Weltweit
1.657 Medienschaffende seit 2003 getötet
Am heutigen Freitag (07. April) vor genau 20 Jahren wurde der deutsche Journalist Christian Liebig im Irak getötet. Aus diesem Anlass blickt Reporter ohne Grenzen (RSF) auf zwei besonders tödliche...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit 2022
So viele Journalisten in Haft wie nie zuvor
Die Zahl inhaftierter Medienschaffender ist 2022 auf ein Rekordhoch angestiegen. Zum Stichtag 1. Dezember saßen weltweit mindestens 533 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit im...

- Jahresbilanz der Pressefreiheit
Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Jahresbilanz der Pressefreiheit
Angriffe auf die Pressefreiheit in Zahlen: Reporter ohne Grenzen veröffentlicht am kommenden Mittwoch (14. Dezember) die Jahresbilanz der Pressefreiheit 2022. Darin ziehen wir Bilanz, wie viele...
