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Kolumbien: Die Situation der Pressefreiheit im Überblick

Rangliste der Pressefreiheit — Platz 119 von 180

Journalisten sind in Kolumbien massiven Anfeindungen, Drohungen und Angriffen von Kriminellen und Paramilitärs, aber auch von Politikern und Sicherheitsbehörden ausgesetzt. Gefährlich sind etwa Recherchen über Landkonflikte, Korruption, Drogenkriminalität oder über den Bürgerkrieg.

Mit Drohungen und Verleumdungskampagnen müssen auch Journalisten rechnen, die unliebsame Informationen über mächtige Lokalpolitiker publik machen. Ein häufiges Ziel von Einschüchterungen, Sabotageakten und Anschlägen sind auch die nichtkommerziellen lokalen Radiosender der indigenen Bevölkerung.

Paramilitärische Gruppe wie Los Urabeños haben Journalisten wiederholt zu „militärischen Zielen“ erklärt. Sie dulden keine Berichte über ihre Aktivitäten und zwingen Journalisten durch Todesdrohungen und Gewalt zur Selbstzensur, in manchen Fällen auch zum Aufgeben ihrer Arbeit, zur Flucht in andere Landesteile oder ins Ausland.

Mangelhafter Schutz und Straflosigkeit

Bedrohte Journalisten bekommen oft keinen oder nur mangelhaften Schutz der Behörden – so auch vor den Morden an dem Fernsehjournalisten Yonni Steven Caicedo im Februar 2014 und an dem Anwalt und Radiomoderator Edison Alberto Molina im September 2013.

Bei den Ermittlungen zu solchen Fällen schließen die Behörden oft allzu schnell die journalistische Arbeit der Opfer als Mordmotiv aus. Nur selten zieht die Justiz die Verantwortlichen zur Rechenschaft. Viele länger zurückliegende Morde könnten dauerhaft ungestraft bleiben, weil vor dem Jahr 2000 begangene Taten in der Regel nach 20 Jahren verjähren.

Immer wieder gehen Polizei oder Demonstranten mit Gewalt gegen Journalisten vor, die über Proteste berichten – so zuletzt bei den Demonstrationen zum 1. Mai. Viele Angriffe gab es auch bei einem Streik von Landarbeitern, Bergleuten und Staatsbediensteten im vergangenen August. Auffallend viele der Opfer waren Journalisten alternativer Medien.

Überwachungsskandale und die Rolle des Geheimdienstes

Im Februar 2014 deckte ein Fernsehsender auf, dass eine höchstwahrscheinlich der kolumbianischen Regierung zugeordnete Überwachungseinheit mindestens 2600 E-Mails zwischen ausländischen Journalisten und zwei für die aktuellen Friedensverhandlungen zuständigen FARC-Sprechern abgefangen habe. Zu den Betroffenen gehören neben kolumbianischen Medien internationale Nachrichtenagenturen wie AP, AFP, dpa, EFE und Reuters. Dass die kolumbianische Verfassung die Vertraulichkeit journalistischer Quellen schützt, war offenkundig kein Hinderungsgrund für diese Massenüberwachung.

Die Enthüllung weckte ungute Erinnerungen an den sogenannten chuzadas-Skandal: Unter Präsident Álvaro Uribe (2002-2010) soll der direkt dem Präsidialamt unterstellte Geheimdienst DAS (Departamento Administrativo de Seguridad) sieben Jahre lang illegal oppositionelle Abgeordnete, Journalisten und Justizmitarbeiter abgehört haben. Die Maßnahmen gegen sie umfassten auch Beschattung, Einschüchterungen und öffentliche Anfeindungen, an denen Staatsvertreter bis hinauf zum Präsidenten beteiligt waren. Mehrere Medienschaffende gingen nach Todesdrohungen ins Exil.

Ein besonders gravierendes Bespiel für staatliche Übergriffe ist das der investigativen Journalisten Claudia Duque, die 2001 von DAS-Mitarbeitern entführt und gefoltert wurde, nachdem sie zum Mord an einem Journalisten recherchiert hatte. Wegen Drohungen und Angriffen gegen sich und ihre Familie musste sie dreimal zeitweilig ins Ausland fliehen. Seit Ende 2011 ermittelt die Justiz wegen Foltervorwürfen in ihrem Fall gegen sieben ehemalige DAS-Mitarbeiter. 

 


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