Internetzensur in Russland | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Podiumsdiskussion am 26. Februar 2018 in Berlin ICS

Internetzensur in Russland

© pa / dpa / Natalia Seliverstova

Reporter ohne Grenzen lädt ein zur Podiumsdiskussion

am Montag, den 26. Februar 2018
von 19 bis 20:30 Uhr
bei Wikimedia,
Tempelhofer Ufer 23/24, 10963 Berlin

Vor zehn Jahren war das Internet in Russland noch relativ frei, heute jedoch ist die Meinungsfreiheit online enorm eingeschränkt. Dutzende Blogger und Nutzer sozialer Netzwerke werden jedes Jahr zu Gefängnisstrafen verurteilt – manche bloß, weil sie einen kritischen Kommentar geteilt haben. Die Behörden sperren etliche Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss und haben die Vorratsdatenspeicherung enorm verschärft. Anonym zu kommunizieren, ist fast unmöglich. Mit dem Überwachungssystem SORM kann der Geheimdienst massenhaft Telefon- und Internetdaten abfangen. Messengerdienste, die Verschlüsselung anbieten, stehen unter Druck.

Welche Folgen hat das für die Pressefreiheit in Russland? Was bedeutet es für ganz normale Internetnutzer? Beeinflusst es die Situation vor Putins erwarteter Wiederwahl als Präsident am 18. März? Gibt es Lücken im System und wenn ja, wie können Journalisten und Menschenrechtler diese nutzen?

Darüber diskutieren zum Start der Russland-Kampagne von Reporter ohne Grenzen 2018:

Irina Borogan, Investigativjournalistin und Geheimdienstexpertin
Artem Kosljuk, Vorsitzender der NGO Roskomsvoboda
Roman A. Sacharow, Journalist und Vertreter der Stiftung zum Schutz von Glasnost 

Moderation: Ulrike Gruska, Reporter ohne Grenzen

IRINA BOROGAN ist Expertin für Geheimdienste und Überwachung und eine der bekanntesten Investigativ-Journalistinnen Russlands. Zusammen mit Andrej Soldatow gründete sie im Jahr 2000 die unabhängige Nachrichtenseite Agentura.Ru, die sich auf das Thema Überwachung konzentriert. Für diverse Medien berichtete Borogan u.a. über die Geiselnahmen im Moskauer Musicaltheater Nord-Ost und in Beslan, über den Krieg im Libanon und die Spannungen in der Westbank. Sie schreibt regelmäßig für den Guardian, die Moscow Times, Foreign Policy und Foreign Affairs. Zusammen mit Soldatow veröffentlichte sie mehrere Bücher, zuletzt 2015 „The Red Web: The Struggle Between Russia's Digital Dictators and the New Online Revolutionaries“.

ARTEM KOSLJUK ist Leiter und Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation Roskomsvoboda, die seit 2012 gegen Internetzensur kämpft. Die Organisation unterstützt Menschen, deren Inhalte online blockiert wurden, und sammelt Informationen über gesperrte Webseiten. 2017 hat sie eine Kampagne für den Erhalt des Messengerdienstes Telegram in Russland gestartet. Kosljuk ist Mitglied der Piratenpartei Russlands, Vorstandsmitglied der „Vereinigung der Internetnutzer“ und Mitgründer des „Zentrums für Digitale Rechte“. Er beschäftigt sich vor allem mit staatlicher Regulierung und dem Schutz von Bürgerrechten im Internet. 

ROMAN A. SACHAROW ist Journalist aus St. Petersburg und für die Stiftung zum Schutz von Glasnost aktiv. 2015 gewann er einen viel beachteten Prozess gegen den Russischen Staat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er hatte gegen die anlasslose Massenüberwachung mithilfe des staatlichen Systems SORM geklagt, das sein Recht auf Privatsphäre verletze. Während des Prozesses durchsuchten russische Sicherheitskräfte mehrmals unangekündigt Sacharows Wohnung, zweimal wurde er festgenommen. Der Journalist lebt inzwischen im Exil und arbeitet von dort weiter als Chefredakteur des Nachrichtenportals legalpress.ru.

Die Veranstaltung findet auf Russisch und Deutsch statt und wird simultan gedolmetscht. Nach der Diskussion besteht die Möglichkeit zu Gesprächen mit den Teilnehmern in informellem Rahmen. 

Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per Email.

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an unser Pressereferat

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