Turkmenistan 01.04.2020

Coronavirus: Tabuthema in Turkmenistan

Korrektur:
Eine frühere Version dieses Artikels, die am 1. April auf unserer Website erschienen ist, basierte leider auf einem Fehler. Der Begriff „Coronavirus“ wurde – anders als von uns berichtet – in den turkmenischen Medien nicht zensiert. Wir entschuldigen uns bei unseren Leserinnen und Lesern für diesen Fehler.

Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert das Vorgehen der turkmenischen Behörden, die soweit wie möglich die Verwendung des Wortes „Coronavirus“ vermeiden, um die Verbreitung von Informationen über die Pandemie zu verhindern. Laut der vor Ort zensierten Nachrichtenseite Turkmenistan Chronicle, eine der wenigen Quellen für unabhängige Informationen aus dem Land, wurde das Wort sogar aus Gesundheitsinformationsbroschüren entfernt, die in Schulen, Krankenhäusern und an Arbeitsplätzen verteilt werden.

„Informationen über die Pandemie zu unterdrücken gefährdet die Bevölkerung. Die turkmenische Regierung muss sich mit den Auswirkungen des Coronavirus im Land auseinandersetzen und die Veröffentlichung von unabhängigen Informationen über die Krankheit zulassen“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.

Personen, die Gesichtsmasken tragen oder die auf der Straße, an Bushaltestellen oder in Warteschlangen vor Geschäften über das Coronavirus sprechen, droht offenbar die Festnahme durch Polizistinnen und Polizisten in Zivil. Das berichten Medienschaffende, die in der Hauptstadt Ashgabat für Radio Azatlyk, den turkmenisch-sprachigen Sender von Radio Free Europe/Radio Liberty, arbeiten. 

Einseitige Informationen über das Virus

Die Bevölkerung Turkmenistans hat lediglich Zugang zu sehr einseitigen Informationen über die Pandemie. Laut Angaben der Behörden hat sich dort bisher niemand mit dem Virus angesteckt. Präsident Gurbanguli Berdimuhamedow ordnete am 13. März als Schutzmaßnahme die Desinfektion öffentlicher Plätze mit einer traditionellen Heilpflanze an.

Die turkmenische Botschaft in Moskau hat eine Hotline für turkmenische Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die wegen der Pandemie in Russland festsitzen. Doch diese verweigert Journalistinnen und Journalisten Auskunft über die Unterstützung für Personen, die nach Turkmenistan zurückkehren möchten. Wie Radio Azatlyk berichtet, warten seit der Schließung der Botschaft am 17. März viele turkmenische Bürgerinnen und Bürger vergeblich am Moskauer Flughafen Domodedowo auf einen Flug in ihre Heimat.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht Turkmenistan auf dem letzten Platz. Die Regierung kontrolliert sämtliche Medien im Land. Das Internet ist nur für wenige Menschen und in einer stark zensierten Version zugänglich. Und die Repressalien gegen die wenigen Journalistinnen und Journalisten, die heimlich für Medien im Ausland arbeiten, nehmen weiter zu.



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