Journalism Trust Initiative 03.07.2019

JTI: Öffentliche Konsultation beginnt

© ROG

Reporter ohne Grenzen (ROG) startet am heutigen 3. Juli zusammen mit seinen Partnern Agence France-Presse (AFP), European Broadcasting Union (EBU) und Global Editors Network (GEN) den öffentlichen Konsultationsprozess der Journalism Trust Initiative (JTI). Seit Mai 2018 haben im Rahmen von JTI mehr als 120 Vertreterinnen und Vertreter von internationalen, nationalen und lokalen Medien, Verbraucherorganisationen, Technologieunternehmen, Regulierungsbehörden und NGOs gemeinsam Kriterien eines professionellen Standards für vertrauenswürdigen Journalismus entwickelt. Anfang Juni verabschiedeten sie in Genf auf dieser Grundlage ein Papier, in dem mögliche Indikatoren definiert werden. Dieses Dokument steht ab sofort unter der Aufsicht des Europäischen Komitees für Normung (CEN) zur öffentlichen Konsultation zur Verfügung.

Die JTI-Indikatoren wurden gemäß der CEN-Richtlinien in drei Workshops erarbeitet, unter dem Dach der französischen Regulierungsstelle Afnor statt und wird unterstützt vom Deutschen Institut für Normung (DIN). Die drei Redaktionsausschüsse, die das Dokument redigierten, bestanden aus Journalistinnen und Journalisten sowie anderen Medienvertreterinnen und Medienvertretern. Eine sogenannte technische Taskforce stellte sicher, dass die Kriterien des Standards sich in Algorithmen umsetzen lassen. Weitere Beteiligte wie Medienentwicklungsorganisationen, Regulierungsbehörden und Technologieunternehmen brachten ihre Vorstellungen ein, wie die JTI-Standards später umgesetzt werden sollen. Die World Federation of Advertisers (WFA) unterstützt das Projekt als Beobachterin.

Ein Entwurf des CEN Workshop Agreement steht nun auf der Webseite des CEN zum Download bereit. Es enthält eine Liste von Kriterien aus den Bereichen Transparenz, Professionalität und Ethik, die die Beteiligten als unabdingbare Voraussetzungen für die Glaubwürdigkeit eines Mediums identifiziert haben. Zudem enthält das Dokument einen maschinenlesbaren Fragebogen, der eine Aufnahme der Kriterien in die Algorithmen-geleitete Verbreitung von Nachrichten ermöglicht.

Die öffentliche Konsultation soll eine möglichst breite Beteiligung sicherstellen und damit die Legitimität der Initiative erhöhen. Sie soll bis Oktober laufen. Die allgemeine Öffentlichkeit wie auch Expertenkreise sind gleichermaßen aufgerufen, Stellungnahmen und Änderungsvorschläge einzubringen – entweder über ein Formular auf der CEN-Seite oder über jti@rsf.org. Alle Kommentare werden von den JTI-Redaktionsausschüssen geprüft und fließen in das finale Workshop Agreement ein, das Ende des Jahres veröffentlicht werden soll.

Nach Veröffentlichung Anfang 2020 soll der JTI-Standard Medien in erster Linie als Mittel zur Selbstevaluation zur Verfügung stehen, aber optional auch zur zusätzlichen externen Überprüfung. Die daraus entstehenden Datensätze sollen Mediennutzerinnen und Mediennutzer, Werbetreibende und Algorithmen gleichermaßen bei der Auswahl von Medien unterstützen und auf diese Weise vertrauenswürdigen Journalismus belohnen.

Anders als andere Projekte, die die Vertrauenswürdigkeit von Journalismus beurteilen, legt JTI den Fokus auf den Entstehungsprozess von Journalismus und nicht auf einzelne journalistische Inhalte. Medien können demnach nur den JTI-Standard insgesamt erfüllen oder nicht erfüllen. Zu den Kriterien des Standards gehören unter anderem Transparenz der Eigentümerschaft, Einnahmequellen und Nachweis professioneller Sicherheitsmaßnahmen.

Zu den internationalen Teilnehmenden bei der Entwicklung des JTI-Standards gehören neben vielen anderen Der Tagesspiegel, dpa, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Deutschland), Associated Press, Google, Facebook, City University of New York, Civil (USA), BBC, Thomson Foundation, Independent Monitor of the Press, Internews (Großbritannien), Gazeta Wyborcza (Polen), der Schweizer Presserat, die Journalistenvereinigungen von Taiwan und Südkorea, European Association for the Coordination of Consumer Representation in Standardisation ANEC, UNESCO.



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