Prozess gegen Cumhuriyet-Journalisten | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Türkei 07.03.2018

Prozess gegen Cumhuriyet-Journalisten

© picture alliance/AP Photo

Am Freitag, den 9. März geht in Istanbul der Prozess gegen 18 Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Tageszeitung Cumhuriyet weiter. Sie sind der „Unterstützung von Terrororganisationen“ angeklagt, ihnen drohen bis zu 43 Jahre Haft. Am Freitag wird die Stellungnahme des Staatsanwalts erwartet. Reporter ohne Grenzen betrachtet den Prozess als politisch motiviert und fordert die Freilassung aller Angeklagten.

Cumhuriyet-Chefredakteur Murat Sabuncu und Herausgeber Akın Atalay waren im Oktober 2016 zusammen mit weiteren Mitarbeitern der Zeitung festgenommen worden. Später folgten der Investigativjournalist Ahmet Şık und Buchhalter Yusuf Emre İper. Der Prozess begann am 24. Juli 2017. Während die meisten Mitarbeiter bei den ersten Anhörungen für die Dauer des Prozesses freigelassen wurden, sitzen Sabuncu, Atalay, Şık und İper weiter in Haft. Der Chefredakteur des Onlineauftritts der Zeitung, Oğuz Güven, wurde Ende November unter anderem wegen Propaganda für die Gülen-Bewegung zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt. 

Die letzte Anhörung am 25. Dezember 2017 war unterbrochen worden, nachdem der Richter den angeklagten Journalisten Ahmet Şık des Saals verwiesen hatte. Şık hatte bei seiner Verteidigung die Regierung als „diktatorisches Regime“ kritisiert und die fehlende Unabhängigkeit der Justiz angeprangert. 

ROG-Geschäftsführer Christian Mihr beobachtet den Prozess zusammen mit Vertretern zahlreicher weiterer internationaler Organisationen. Er steht am Verhandlungstag vor Ort für Interviews zur Verfügung. 

Auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 155 von 180 Staaten.



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