Tauwetter für Journalisten? | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Usbekistan-Expertengespräch am 21.08.2019 in Berlin ICS

Tauwetter für Journalisten?

Salidschon Abdurachmanow

Reporter ohne Grenzen lädt ein zu einem Expertengespräch mit dem usbekischen Journalisten Salidschon Abdurachmanow und der Zentralasien-Expertin Nafisa Hasanova

am Mittwoch, 21. August 2019
von 18:00 bis 19:30 Uhr
in der Potsdamer Str. 144, 10783 Berlin.

Seit dem Tod von Diktator Islam Karimow 2016 hat sich die Situation für Medienschaffende in Usbekistan zumindest ein wenig verbessert. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kann politische Berichterstattung im Fernsehen wieder live stattfinden und einzelne Medien wagen es, über Tabu-Themen wie Korruption im Staatsapparat oder Zwangsarbeit bei der Baumwollernte zu berichten. Der neue Präsident Schawkat Mirsijajew hat prominente Häftlinge freigelassen, darunter mehrere der am längsten für ihre Arbeit inhaftierten Journalisten weltweit. Einer von ihnen ist Salidschon Abdurachmanow, der im Herbst 2017 nach neun Jahren Haft freikam.

Doch die politischen Signale bleiben widersprüchlich: Während unter dem neuen Präsidenten einige ausländische Journalistinnen und Journalisten in Usbekistan recherchieren durften, wurde anderen nach wie vor die Einreise verweigert. Seit einigen Monaten haben die Menschen in Usbekistan wieder Zugang zu regierungskritischen Webseiten, die seit dem Massaker in Andischan 2005 gesperrt waren. Doch das Internet wird weiter streng kontrolliert und Selbstzensur bleibt in Redaktionen weit verbreitet. Bedeutet der Machtwechsel tatsächlich ein Tauwetter für die Medien – oder sind die vermeintlich positiven Schritte der neuen Machthaber eher Kosmetik?

Darüber diskutieren:

  • Salidschon Abdurachmanow, Journalist aus Usbekistan
  • Nafisa Hasanova, Zentralasienexpertin
  • Moderation: Gemma Pörzgen, ROG-Vorstandsmitglied

Das Gespräch findet auf Deutsch und Russisch mit konsekutiver Übersetzung ins Deutsche statt.

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail

Der Journalist Salidschon Abdurachmanow saß neun Jahre in Usbekistan im Gefängnis, bevor er im Oktober 2017 acht Monate vor dem regulären Ende seiner Haftzeit unter Auflagen freigelassen wurde. Vor seiner Verhaftung hatte er für Medien wie Radio Free Europe/Radio Liberty, Voice of America und Uznews berichtet – unter anderem über die Austrocknung des Aralsees, eine der großen ökologischen Katastrophen Usbekistans. Im Juni 2008 fand die Polizei bei einer Verkehrskontrolle angeblich Drogen in Abdurachmanows Auto, wenige Monate später verurteilte ein Gericht ihn zu zehn Jahren Haft. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich im Gefängnis stark. 2014 wurde Abdurachmanow mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet.

Nafisa Hasanova stammt aus Samarkand/Usbekistan. Dort arbeitete sie für die US-Nichtregierungsorganisation Freedom House, bis sie 2005 für ein Magisterstudium in Interkultureller Kommunikation und Europäischen Studien nach Deutschland zog. Danach arbeitete sie in Brüssel für Thinktanks wie das Centre for European Policy Studies und die spanische Fundación para las Relaciones Internacionales y el Diálogo Exterior zur Zentralasien-Politik der EU, später für das entwicklungspolitische NGO-Bündnis ACT Alliance Europe auch zum Südkaukasus und zu Osteuropa. Für die vom Friedensnobelpreisträger und früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari gegründete Crisis Management Initiative arbeitete Hasanova zum Transnistrien-Verhandlungsprozess. Zuletzt betreute sie als Projektmanagerin für Reporter ohne Grenzen das Projekt Media Ownership Monitor in der Ukraine, in Serbien, Albanien, Sri Lanka, Indien und Pakistan.



nach oben